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Nachhaltiger Konsum, my ass!

Hi, heute eine wilde Mischung aus: Shopping, Twitter-Meute, Getting things not done, Floskeln in der
Nachhaltiger Konsum, my ass!
By Katharina Brunner • Issue #18 • View online
Hi,
heute eine wilde Mischung aus: Shopping, Twitter-Meute, Getting things not done, Floskeln in der Digitalpolitik, Plastik, Gstazl und Prinzessin Diana.
Have fun!

Nachhaltiger Konsum, my ass!
Elizabeth L. Cline ist Journalistin und Autorin und schreibt seit 20 Jahren über Mode, vor allem über nachhaltige Mode, nachhaltigen Konsum - oder wie man auf Englisch sagt: “ethical consumption”. Umso erstaunlicher ist es nun zu lesen, dass sie während der Pandmie entschieden hat, dass sie keine ethische Konsumentin mehr sein will. Sie erklärt das in ihrem Essay “The Twilight of the Ethical Consumer”.
Ein Kernstück dabei ist der Unterschied zwischen Ethical Consumers und Consumer Activists:
The most striking difference between yesterday’s consumer activist and today’s ethical consumer is the matter of responsibility. Who or what is to blame for social problems, and who has the power to solve them? Consumer Activists believed that companies selling goods and services have a responsibility to “their customers, to their workers, and to the government agencies which regulate them.” Companies have a responsibility to society. And when companies endanger us or the environment, it’s their fault, not ours as shoppers. They understood that the market must be tamed with democracy, and rules and guardrails, or it would always exploit.
The Ethical Consumer, by contrast, somehow believes that we personally cause social problems by sending market cues that we want unethical and unsustainable products. If we follow our own beliefs to their logical conclusion, that means problems as serious as the climate crisis, racist inequality, union busting, food deserts, and sweatshop wages are somehow the result of not shopping in the right stores. How convenient for the Fortune 500 companies that directly cause so many of these troubles.
(…)
We’ve fully embraced the neoliberal system and worldview that change should happen through the marketplace.
Im Grunde steht dahinter die - mittlerweile ja nicht mehr besonders kontroverse - Meinung, dass gravierende Probleme wie der Klimawandel und Umweltzerstörungen aller Art nicht individuell, sondern politisch gelöst werden müssen. Was stattdessen? Alles egal, und wir kaufen die Eier aus den Legebatterien?
Ganz so einfach aus der Verantwortung will Rutger Bregman jeden und jede Einzelne von uns dann doch nicht lassen: Yes, it’s all the fault of Big Oil, Facebook and ‘the system’. But let’s talk about you this time
Mehr Bot als Mensch
Die Twitter-Meute, der Twitter-Mob, diese gesichtslose Masse, die sich zusammenrottet, um andere zu verleumden… Wer Twitter nur aus dem Feuilleton kennt, muss cyber-blutrünstige blaue Vögelchen vor Augen haben, die zum Angriff zwitschern. Was auch daran liegt, dass die Autor:innen die Tweets selten bis nie die Urheber:innen der Tweets zitieren und so aktiv eine anonyme Masse suggerieren, mehr Bot als Mensch, die es so nicht gibt.
Digitale Anonymität ist etwas, das durch das Nichtnennen von Namen oft erst narrativ erzeugt werden muss. Und so erscheint diese Form des Twittermobs vor allem als Fantasma einer bestimmten Art des journalistischen Erzählens.
Das schreibt der Literaturwissenschaftler und Autor bei der Taz, Zeit Online, FAZ Johannes Franzen bei Übermedien. Und ach ja, er hat knapp 7000 Follower bei Twitter und ist Teil der digitalen Öffentlichkeit auf Twitter und veröffentlicht dennoch auch woanders, sogar auf gedrucktem Papier!
Franz’ Person zeigt, dass neben der nachlässigen Zitierweise es besonders absurd ist, weil das depersonalisierte Twitter-Personal aus der gleichen soziokulturellen und beruflichen Sphäre stammt wie die Autorinnen in den Zeitungen: Journalistinnen, Wissenschaftlicher, Kulturschaffende.
Medienkritik, wie etwa die Kritik an einer sexistischen oder rassistischen Sprache, ist kein Angriff auf die Institution des Journalismus, sondern steht im Dienst seiner Verteidigung und Verbesserung. Und die Kritik an Gatekeepern ist kein revolutionärer Aufruf, das gesamte publizistische System zu zerstören, sondern eine Forderung nach mehr Teilhabe.
Und außerdem:
The Rise and Fall of Getting Things Done: Cal Newport, Autor des Produktivitätsbestellers “Deep Work” denkt über Produktivität nach: “Getting Things Done” ist done! Alle Versuche, den Work-Overload zu handeln, scheitern, weil sich am Overload nichts ändert - und Produktivität als Ausdruck des persönlichen Willens gilt (und ähnelt damit der These des Essays zum nachhaltigen Konsum). Da hilft auch das neueste Tool nichts. Aber was stattdessen?
Imagine if, through some combination of new management thinking and technology, we could introduce processes that minimize the time required to talk about work or fight off random tasks flung our way by equally harried co-workers, and instead let us organize our days around a small number of discrete objectives. A way, that is, to preserve Drucker’s essential autonomy while sidestepping the uncontrollable overload that this autonomy can accidentally trigger. This vision is appealing, but it cannot be realized by individual actions alone. It will require management intervention.
“Deutschland hat die Digitalisierung verschlafen” ist zur Floskel geworden. Und wie bei allen Floskeln kann man sich vorzüglich dahinter verstecken. Das beschreibt Dirk von Gehlen bei der SZ. Meine liebste nervige Formulierung zur Digitalisierung: “Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen.”
Hab noch mehr Floskeln gefunden
Hab noch mehr Floskeln gefunden
“We are so collectively angry with the plastic bag that we forget what a fantastic invention it actually is: a waterproof, reusable, lightweight bag that can carry more than 1,000 times its own weight and can still be folded up so small that it fits in your pocket. (…)
Where nearly all companies do their best to make their products valuable, the plastic industry has taken the opposite approach. Plastic is nothing.
Immer wieder nice: Gstanzl vs. Rap!
Wer gerade "The Crown” hinter sich hat, liest bestimmt dieses Essay im Guardian gern: The princess myth
Das wär’s für heute,
Katharina
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Katharina Brunner

Interessiere mich für das Weltgeschehen.

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