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Die Waffen der anderen

Hallo!
Die Waffen der anderen
By Katharina Brunner • Issue #16 • View online
Hallo!

Bei meinem neuen (und letzten) Projekt am Bayerischen Forschungsinstitut für Digitale Transformation beschäftige ich mich mit Gesichtserkennung. Politisch ist dabei der Einsatz bei der Fahndung bzw. automatisierter Gesichtserkennung im öffentlichen Raum relevant. Also, das Nutzen der Technologie im Sinne der Ermittlungsbehörden.
Doch dazu gibt es in verschiedenen Ländern eine Gegenbewegung: Zum einen natürlich die klassische Forderung nach einem Verbot der automatisierten Gesichtserkennung, so wie sie beispielsweise in Berlin am Bahnhof Südkreuz getestet wurde.
Die andere Entwicklung ist überraschender: Aktivisten setzen die Systeme ebenfalls ein und identifizieren ihrerseits Polizist:innen oder andere Sicherheitskräfte. Die New York Times beschreibt das anhand von Beispielen aus Portland (USA), Hongkong, Frankreich und Belarus. Ein Zitat eines Belarusen:
“For a while now, everyone was aware the big guys could use this to identify and oppress the little guys, but we’re now approaching the technological threshold where the little guys can do it to the big guys,” Mr. Maximov, 30, said. “It’s not just the loss of anonymity. It’s the threat of infamy.”
Wie so oft: Die Algorithmen zum Laufen zu bekommen, ist nicht besonders schwer. Der Flaschenhals sind die Daten:
“The technical process — I’m not inventing anything new. The big problem here is getting quality images.”
Doch in Portland, Oregon, könnte bald Schluss sein damit: Denn die Stadt hat beschlossen, dass in der Stadt keine Gesichtserkennungstechnologie eingesetzt werden darf. Weder von der Polizei, noch von Unternehmen - und vermutlich auch nicht von Aktivist:innen. Rechtlich ist das (noch) nicht klar; dieser Fall wurde im Vorfeld nicht bedacht.
Activists Turn Facial Recognition Tools Against the Police - The New York Times
🎧 Noch mehr zu Portland: Wie eine der weißesten Städte der USA zu einem Zentrum der Black-Lives-Matter-Bewegung wurde, erzählt der Deutschlandfunk:
Demo-Hochburg Portland - Weißes Engagement für schwarze Belange
Wer alles sicher weiß, der ist nicht zu trauen
Just another piece about: Wie wichtig Statistik ist. Und wie sehr das die Corona-Pandemie zeigt. “Coronavirus Statistical illiteracy isn’t a niche problem. During a pandemic, it can be fatal” von Carlo Rovelli im Guardian:
“We know many things, but there is a great deal more that we don’t know.
(…)
But lack of complete knowledge does not mean that we know nothing, and statistics is the powerful tool that guides us when we do not have complete knowledge, which is to say: virtually always.
(…)
In this uncertain world, it is foolish to ask for absolute certainty. In this uncertain world, it is foolish to ask for absolute certainty. Whoever boasts of being certain is usually the least reliable. But this doesn’t mean either that we are in the dark. Between certainty and complete uncertainty there is a precious intermediate space – and it is in this intermediate space that our lives and our decisions unfold.
Die rechte Offensive
Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer im Interview mit dem Tagesspiegel:
Das heißt, der Staat ist jetzt aufgewacht?
Ich fürchte, dass Teile der Politik immer noch nicht begriffen haben, wie gefährlich die Situation inzwischen ist. Es gibt eine Ausdifferenzierung und Dynamisierung von Gruppen bis zur erhöhten Terrorfähigkeit. Das gesamte rechte Spektrum ist in die Offensive gegangen.
Wie dieses Spektrum zusammenhängt und was es so gefährlich macht, verdeutlichen Sie anhand eines Modells. Sie nennen es „Konzentrisches Eskalationskontinuum“, und der AfD kommt darin große Bedeutung zu.
Man kann sich das Modell wie eine Zwiebel vorstellen mit verschiedenen Schalen, die durch Legitimationsbrücken und eine gemeinsame Ideologie der Ungleichwertigkeit verbunden sind. Die äußerste Schale sind die Einstellungen in der Bevölkerung – die Diskriminierungen etwa von Muslimen, Juden, Homosexuellen oder Frauen. Diese gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wird in der nächsten Schale, vor allem vom Autoritären Nationalradikalismus der AfD, in Parolen formuliert und auf die politische Ebene gebracht.
Damit legitimiert sie wiederum das systemfeindliche, rechtsextremistische Milieu, die nächstinnere Schicht. So setzt sich das fort, am Ende stehen die tatsächlichen Vernichtungstaten durch einzelne Täter oder Gruppen. Wobei der viel benutzte Begriff des Einzeltäters natürlich in die Irre führt und wiederum das Problem relativiert. Diese Täter bewegen sich in Gesinnungsgemeinschaften.
Wilhelm Heitmeyer über Kampf gegen Rechtsextremismus: „Ich sehe partielle Blindheit bis hin zu Staatsversagen“ - Politik - Tagesspiegel
Abschluss was Lustiges
Sara Hassan
there is only one nation - procrastination ✊🏾✊🏾✊🏾
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Katharina Brunner

Interessiere mich für das Weltgeschehen.

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