Franziska Schäfer - Über Fake News, Big Data und Medienkompetenz

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Franziska Maria

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February 12 · Issue #1 · View online

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Über Fake News, Big Data und Medienkompetenz
Zurzeit ist es nichts Ungewöhnliches, mit Worten wie Fake News oder Lügenpresse konfrontiert zu werden. Gerade in politisch turbulenten Zeiten scheiden sich die Geister darüber, welche Informationen wahr sind und welche falsch. Und da die wenigsten von uns bei den diskutierten Ereignissen tatsächlich anwesend sind, bleibt uns auch nichts Anderes übrig, als auf die Berichterstattung zu vertrauen. Oder eben nicht. Hier ein paar Gedanken zu Nachrichten Fact-Checking, Medienkompetenzprogrammen, die Facebook-Politik und darüber, wie wir manipuliert werden.

searchengineland.com/fake-information-epidemic-will-hurt-local-search-2017-266443
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Fake News, wie kommts?
Das häufige Aufkommen von Ausdrücken wie Fake News ist, im Nachhinein betrachtet, gar nicht so überraschend. Einer der Gründe, wie es zum Misstrauen gegenüber den Medien kommt, erklärt die Soziologin danah boyd in ihrem Blogeintrag „Did Media Literacy Backfire?“ an einem schönen Beispiel: Früher hatten viele Familien einen Hausarzt, dem sie als persönlichen Ratgeber mehr vertrauten als Experten. Heutzutage ist insbesondere in Amerika ein Arztbesuch mit hohen Kosten verbunden, welcher dann teilweise unpersönlich und knapp gestaltet wird. Oft verstehen Patienten ihre Behandlung nicht und vertrauen nicht darauf, dass sie in ihrem besten Interesse geschieht. In solchen Situationen tauschen wir uns gerne mit Menschen in ähnlichen Situationen und mit ähnlichen Ansichten aus, was häufig über das Internet geschieht. Dort wird uns zugehört, wir können die Erfahrungsberichte anderer lesen und es ist kostenlos. Hier werden Erfahrungen über Expertise gestellt. Insbesondere in Amerika ärgern sich Menschen verständlicherweise darüber, wenn lokale Zeitungen geschlossen werden und die Berichterstattung großer Verlage nur noch wenig Berührungspunkte mit ihrem eigenen Leben haben. Oder Minderheiten sind frustriert über ihren aussichtslosen Kampf, jahrzehntelang in den Medien nicht gehört zu werden. Hier entsteht Misstrauen, und Zeitungsverlage, die für manche Menschen absolut vertrauenswürdig sind, werden für andere in der Berichterstattung als Fake News eingestuft.
Stichwort: Big Data
Wie wir dann auch politisch manipuliert werden können, ist spätestens seit dem Fall „Cambridge Analytica“ bekannt. Die britische Firma sammelt beispielsweise unsere Facebook-Likes und kann durch eine systemische Auswertung dieser Rückschlüsse auf unsere Persönlichkeit ziehen. Je nachdem, was dabei herauskommt, können uns angepasste Meldungen und Benachrichtigungen mit politischem Hintergrund im Newsfeed angezeigt werden. Für mehr Infos: Hier der sehr interessante Artikel “Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt” über dasmagazin den Gründer Michael Kosinski.
Neblige Zukunft
An dieser Stelle hilft es nicht weiter, wenn Politiker, Journalisten oder Experten Menschen, die Fake News für wahr halten, als „dumm“ bezeichnen. Viele Menschen glauben das, was ihnen wichtig ist und was sie glauben wollen. Eine Bekehrung wider Willen wird meiner Meinung nach eher den umgekehrten Effekt hervorrufen und polarisieren.
Im Hinblick auf diese Problematik gibt es verschiedene Lösungsansätze: Zum einen existiert die Idee eines Fact-Checking von journalistischen Beiträgen. Hier stellt sich mir die Frage, ob diejenigen Menschen, die der Berichterstattung misstrauisch gegenüberstehen, von ihrer Vertrauenswürdigkeit überzeugt werden, wenn eine dritte Person die Nachricht verifiziert. Wer sagt denn, dass diese dritte Person nicht auch manipulieren könnte? Mir scheint eher logisch, dass ein solches Organ auch die Polarisierung ankurbeln und Hassreden oder Propaganda fördern würde. Und was ist, wenn soziale Medien wie Facebook Fake News eindämmen, indem es zum Beispiel entsprechenden Nutzern gegensätzliche Meinungen aufzeigt? Auch hier glaube ich nicht an einen Erfolg. Möglicherweise würden die Nutzer eher wütend über Facebook werden, womit niemandem geholfen wäre. Vielleicht würden verschiedene Medienkompetenzprogramme langfristig helfen, allerdings ist hier wieder die Frage zu stellen, wer diese Programme ausrichtet und wen sie erreichen. Laut danah boyd müssen wir an dieser Stelle komplett umdenken, um weiterzukommen. Da sich unser sozialer Kontext verändert hat, helfen uns in diesem Fall keine typischen Bildungsprogrammen. Menschen müssen die Möglichkeit haben, sich verschiedenen Meinungen anzuhören zu können, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Zuerst müssen wir uns allerdings über die Problematik bewusstwerden. Medien sind mächtig - und sie sind ein fester Bestandteil unseres gesellschaftlichen und politischen Lebens.
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