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Edumail #65: Wie geht Bildung fĂŒr eine bessere Welt? 🌏🌳💛

Nele Hirsch
Nele Hirsch
Hallo und willkommen zur Edumail Nr. 65. Ich bin zurĂŒck aus der Sommerpause und stelle die heutige Ausgabe unter die Frage: Wie geht Bildung fĂŒr eine bessere Welt? Neben allgemeinen Überlegungen zu PĂ€dagogik angesichts von Krisen geht es ganz praktisch um Methoden des gemeinsamen und solidarischen Lernens, um empfehlenswerte Veranstaltungen in den nĂ€chsten Wochen sowie um hilfreiche Tools, Illustrationen und Websites.
Ich wĂŒnsche Dir viel Freude beim Erkunden und sende herzliche GrĂŒĂŸe
Nele Hirsch | eBildungslabor

PĂ€dagogik angesichts von Krisen
Ich habe noch keine fertigen Antworten darauf, ob/ wie sich PĂ€dagogik verĂ€ndern muss, wenn unsere Gesellschaft immer krisenhafter wird. In einem ersten Blogbeitrag habe ich aber drei fĂŒr mich wichtige Punkte formuliert:
  1. Ich finde, dass PĂ€dagogik mehr Wert legen muss auf ein gutes Leben im Hier und Jetzt - und nicht nur auf die Vorbereitung auf spĂ€ter. Nur so können Achtsamkeit und Staunen ĂŒber die Welt wachsen.
  2. Um angesichts von Krisen nicht in passive Ohnmacht oder Zynismus zu verfallen, mĂŒssen Schulen und andere Bildungsinstitutionen Orte sein, an denen Selbstwirksamkeit erlebt werden kann.
  3. Angesichts der Krisenhaftigkeit der Welt ist ‘Menschlichkeit’ das wohl wichtigste Bildungsziel im 21. Jahrhundert. Das bedeutet: Menschen mĂŒssen fĂ€hig sein und es richtig finden, sich gegenseitig zuzuhören, sich zu helfen, sich fĂŒreinander verantwortlich zu fĂŒhlen und sich ‚liebzuhaben‘.
AusfĂŒhrlich habe ich darĂŒber in meinem Blog geschrieben:
PĂ€dagogische Unruhe | eBildungslabor
Auch beim Educamp am Wochenende in DĂŒsseldorf habe ich eine Session zu diesem Thema angeboten. Die Ideen und Gedanken, die die Teilgebenden zum Abschluss entwickelt haben, findest Du hier:
Zum Nachmachen I: Methoden fĂŒr gemeinsames Lernen
PĂ€dagogik fĂŒr eine bessere Welt erfordert RĂ€ume, in denen Menschen gemeinsam und solidarisch miteinander lernen können. Mit drei Methoden, die auf sehr viel Austausch statt auf frontalen Input setzen, habe ich dabei gute Erfahrungen gemacht:
  • Redner*in/ Zuhörer*in: Alle Beteiligten erhalten eine Karte auf der entweder Reder*in oder Zuhörer*in steht. Insgesamt sollte es etwa dreimal soviele Zuhörer*innen, wie Redner*innen geben. Alle bewegen sich durch den Raum, die Redner*innen halten dabei ihre Karte hoch. Auf ein Signal hin, sammeln sich die Zuhörer*innen um die Person in ihrer NĂ€he mit Redner*in-Karte. Diese hat dann 1 Minute Zeit, um ihre Überlegungen zu einer vorab festgelegten Frage zu erzĂ€hlen. Die anderen hören dabei nur zu. Danach erfolgt ein Kartentausch und alle bewegen sich weiter, um neue Gruppen zu bilden. Toll an dieser Methode ist, dass man Zuhören lernt und dass man sehr schnell die Stimmung und die unterschiedlichen Perspektiven in einem Raum einfangen kann.
  • Inspirationsdusche: Anstatt erste Ideen zu einem Thema klassisch und frontal zu prĂ€sentieren, druckt man sie auf kleine Zettel. Jede Person erhĂ€lt einen Zettel. Alle bewegen sich durch den Raum. Wenn man auf eine andere Person trifft, erzĂ€hlt man sich gegenseitig, was die Idee auf dem Zettel ist und wie man diese findet. Dann tauscht man die Karten und geht weiter.
  • Rollenspiel gegen Widerstand: Typische ‘Das geht aber doch nicht!’ Statements werden gesammelt oder bereits vorab ausgedruckt (z.B. ‘Das haben wir aber noch nie so gemacht 
’, ‘Das wird bestimmt schiefgehen 
’). Nachdem eine Lerngruppe Ideen entwickelt hat, werden Freiwiluge gesucht, die je ein Zitat hochhalten und versuchen, in dieser Art und Weise zu argumentieren. Die anderen versuchen sie von ihren Ideen zu ĂŒberzeugen.
Diese und weitere Methoden habe ich bei meinem interaktiven Vortrag ‘Erwachsenenbildung im Ausprobiermodus’ verwendet und in diesem Blogbeitrag ausfĂŒhrlich beschrieben.
Bildungsexpedition: Erwachsenenbildung im Ausprobiermodus
Zum Nachmachen II: Fahrradbus statt Elterntaxi
Wenn mehr als 15 Personen gemeinsam unterwegs sind, ist das Nebeneinanderfahren laut Verkehrsregeln in Deutschland nicht nur erlaubt, sondern ausdrĂŒcklich erwĂŒnscht. Das ermöglicht es, fĂŒr Fahrten zur Schule oder zur Kita Fahradbusse (= Fahren in einem gemeinsamen Konvoi) zu bilden. Auf diese Weise gelangen Kinder auch dann, wenn es keine guten Radwege gibt, sicher und gemeinsam zu Kita und Schule. Solch ein Bicibus, wie die Idee ursprĂŒnglich in Spanien genannt wurde, ist zugleich eine gute Aktion, um fĂŒr eine klimafreundliche MobilitĂ€t einzutreten.
Fahrradbus in Halle im September 2022
Fahrradbus in Halle im September 2022
Einladung zum OERcamp: 24.-26. Oktober 2022 in Hamburg
OER steht fĂŒr Open Educational Resources (OER), das bedeutet offene Bildungsmaterialien. Die Offenheit entsteht durch eine offene Lizenz, die nicht nur freien Zugang, sondern vor allem auch ihre Weiternutzung ermöglicht. Bei den OERcamp treffen sich seit inzwischen 10 Jahren Praktiker*innen und neu Interessierte zu diesem Thema.
Bereits vom OERcamp 2017 in Berlin habe ich dieses Zitat mitgenommen:
Bei OER geht es nicht nur um das Setzen einer richtigen Lizenz, sondern darum, die Welt zu verbessern.
Warum das so ist? ZunĂ€chst einmal ermöglichen OER freien Zugang zu Bildung. Vor allem aber befördern die Weiternutz-Möglichkeiten der Materialien vielfĂ€ltige Kooperationen, neue Vernetzungen und eine sehr gute Verbreitung. Hinzu kommt, dass OER immer auch ein ĂŒberraschendes Moment beinhalten: Wer ein OER freigibt, weiß nie genau, was damit alles passiert und was daraus alles entstehen kann.
Wer deshalb neu und anders und gemeinsam Bildung fĂŒr eine bessere Welt gestalten will, kommt an OER nicht vorbei. Und der beste Ort um an OER gemeinsam zu denken und zu arbeiten sind die OERcamp. Ich kann sie Menschen, die ganz neu einsteigen wollen, ganz genauso empfehlen, wie Menschen, die schon lĂ€nger dabei sind. Ich finde es jedes mal großartig mit Menschen aus unterschiedlichen Bildungskontexten und mit unterschiedlichen Perspektiven sowie mit großer Begeisterung, Ideen und ganz viel KreativitĂ€t zusammenzukommen und gemeinsam fĂŒr offene Bildung zu lernen und zu gestalten.
Die Teilnahme ist dank einer Förderung des Bildungsministeriums kostenfrei. Es gibt eine Kinderbetreuung (meine Kinder wĂŒrden sich sehr ĂŒber viele weitere Kinder freuen) und das Ganze findet vom 24.-26. Oktober 2022 in Hamburg statt.
Das OERcamp ist ein JubilĂ€ums-Barcamp - 10 Jahre nach dem ersten OERcamp in 2012. Indem man teilnimmt und mitmacht, setzt man auch ein Zeichen dafĂŒr, dass es die OERcamp auch zukĂŒnftig geben soll.
Alle Infos und Anmeldemöglichkeit sind hier:
OERcamp 2022 +++ 24. bis 26. Oktober 2022 in Hamburg +++ 10 Jahre OERcamp +++ – #OERcamp
Einladung zum Perspektiven-Treffen: 23.-25. September 2022 in Halle
Vom 23.-25. September, also bereits ĂŒbernĂ€chstes Wochenende, findet im Bildungshaus Riesenklein in Halle (Saale) das Bundestreffen der Freien Alternativschulen statt. Es bietet die Möglichkeit zu Hospitation, zu zahlreichen Workshops (einige auch von mir), zu Barcamps und vielfĂ€ltigen Rahmenprogrammangeboten.
Das Treffen ist offen fĂŒr alle Interessierten, d.h. Du musst nicht selbst an einer freien Schule beschĂ€ftigt sein. Ganz bestimmt wirst Du vielfĂ€ltige Anregungen und Inspirationen ĂŒber ganzheitliches, nachhaltiges, demokratisches, notenfreies und achtsames Lernen mitnehmen können - und damit viele Ideen fĂŒr Bildung fĂŒr eine bessere Welt :-) Und ich freue ich ĂŒber viele, persönliche Treffen.
Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeit sind hier:
Illustrationen fĂŒr eine bessere Welt
Auf der Seite The Greats teilen KĂŒnstler*innen ihre Illustrationen fĂŒr eine bessere Welt. Themen sind unter anderem der Klimawandel, Demokratie, Antirassismus oder Frieden. Weiternutzbar sind die Illustrationen unter der Bedingung, dass sie nicht kommerziell genutzt und wieder mit der gleichen Lizenz weitergeteilt werden.
The Greats — Great Artists Give
Niederschwellige AktivitÀten zum Einstieg in Lernangebote
Zum Einstieg in Lernangebote nutze ich gerne eine Folie mit dem Titel ‘Vorher noch schnell die Welt retten - oder immerhin ein klein wenig dazu beitragen?’
Die Links zu den hier verwendeten QR-Codes habe ich auf dieser Website zusammengestellt. Bestimmt hast Du noch viele weitere Ideen.
(In lĂ€nger bestehenden Lerngruppen könnte man auch ‘Weltverbesserungsideen’ von allen Beteiligten sammeln: Jede Woche bringt eine andere Person eine ‘Weltverbesserungsidee’ mit und schlĂ€gt sie den anderen Personen in der Lerngruppe vor.)
Und zum Abschluss ...

 dĂŒrfen natĂŒrlich ein paar nĂŒtzliche bzw. spaßige Tools und Websites in der Edumail nicht fehlen. VoilĂ :
  • Du brauchst fĂŒr ein asynchrones Lernangebot schnell und unkompliziert einen Chatraum, den Du mit Teilnehmenden teilen kannst? Chitchatter ist ohne Registrierung nutzbar und Open Source.
  • Wenn Du online mit mehreren Personen Antworten/ Ideen zu einer Frage/ Herausforderung sammeln möchtest, aber die gesammelten EintrĂ€ge erst dann sichtbar werden sollen, wenn eine bestimmte Anzahl von EintrĂ€gen erreicht ist, dann kannst Du dazu ShareBearr verwenden: Hier legst Du fest, wie viele Antworten es braucht, bis alle alle Antworten sehen. (Ich habe das Tool genutzt im Konext einer Ideensammlung im Design Thinking, wo mindestens 40 EintrĂ€ge gesammelt werden sollten, bevor es weiter ging.)
  • Lust auf gute Laune zum Einstieg in ein Lernangebot? Macht gemeinsam Musik mit Plink. Du kannst entweder dem öffentlichen Raum beitreten (= Play now) oder Dir einen eigenen Raum einrichten (= Go private). Beim letzten können auch Namen der Mitspieler*innen eingetragen, was es als Gruppenerlebnis besonders gelungen macht.
Alles Gute fĂŒr Dich und bis zur nĂ€chsten Edumail!
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Nele Hirsch
Nele Hirsch @ebildungslabor

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