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Von Nele Hirsch

Edumail #63: Vorfreude auf die Edunautika, Ideen fĂŒr Fehlerkompetenz, resiliente Mediennutzung, Lernangebote 'backflippen' und eine Einladung ins Fediverse 🐘

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Nele Hirsch
Nele Hirsch
Hallo an Dich,
diese Edumail schreibe ich in großer Vorfreude auf die Edunautika, die am 17./ 18. Juni 2022 in Hamburg an der Winterhuder Reformschule stattfindet. Die Edunautika ist ein Barcamp zu ‘zeitgemĂ€ĂŸer PĂ€dagogik im digitalen Wandel’. FĂŒr mich ist es die beste Veranstaltung, um ganz viel Inspirationen darĂŒber zu finden, wie Bildung in einer vernetzten Welt fĂŒr alle gut gestaltet werden kann.
In den letzten Jahren fand die Edunautika online statt. Nun wird es endlich wieder eine ‘kohlenstoffliche’ Veranstaltung sein. Ich freue mich darauf, viele Menschen wieder - und hoffentlich ganz viele auch neu zu treffen. Wenn Du eine neugierige Person bist und gute Bildung vor dem Hintergrund so vieler aktueller Herausforderungen in unserer heutigen vernetzten Gesellschaft gestalten willst und dazu Austausch suchst, dann bist Du bei der Edunautika in jedem Fall richtig - völlig unabhĂ€ngig davon in welchem Bildungsbereich Du aktiv bist oder ob/ wieviele Erfahrungen Du schon gesammelt hast. Hier findest Du alle Infos und gelangst zur Anmeldung. Ich sage schon einmal jetzt vielen Dank an die Veranstalter*innen fĂŒr die Organisation!
Neben dieser Vorfreude will ich mit Dir in der heutigen Edumail noch viele andere Dinge teilen: Unter anderem gebe ich einen Einblick in das Fediverse - das dezentrale soziale Netzwerk, erlĂ€utere, was fĂŒr mich individuelle Fehlerkompetenz ist und wie Jugendliche aber auch Erwachsene einen resilienten Umgang mit digitalen Medien lernen können. Außerdem gibt es ein paar methodische Ideen, die Du Dir direkt ‘klauen’ kannst und auch ein bisschen Internetquatsch.
Viel Freude beim Lesen und Erkunden
Nele Hirsch | eBildungslabor

Social Media als Barcamp? Willkommen im Fediverse!
Ich war bislang fast nur in sozialen Netzwerken aktiv, die zentral und kommerziell gestaltet sind. Dazu gehört Twitter - ganz genau so aber auch Instagram oder TikTok. Der angekĂŒndigte Twitter-Kauf von Elon Musk hat viele Menschen nun aufgeschreckt und nach Alternativen suchen lassen. Auch ich habe mir vor diesem Hintergrund das Fediverse, ein dezentrales und offenes soziales Netzwerk, genauer angesehen. Mein bisheriger Eindruck ist sehr positiv - und gerade aus Bildungsperspektive finde ich es sehr empfehlenswert.
  • Ich mag es, dass alle gemeinsam Verantwortung tragen. Das Fediverse bzw. Mastodon wirkt auf mich im Vergleich zu Twitter wie ein Barcamp gegenĂŒber einer klassischen Konferenz.
  • Ich mag es, ganz ohne Algorithmus mein Netzwerk und spannende Inhalte zu kuratieren. Ich empfinde es als sehr bereichernd und vielfĂ€ltig an Perspektiven, wĂ€hrend eine Algorithmen-gesteuerte Timeline eher zu einer mir teils zu engen ‘Filterblase’ fĂŒhrte.
  • Ich mag die strukturell andere Diskussionskultur, die weniger auf Empörung, sondern mehr auf Fragen und Zuhören setzt.
Wenn Du Dich im Fediverse auch einmal umschauen willst, dann findest Du mich dort unter dieser Adresse: @ebildungslabor@digitalcourage.social. Wie Du Dir selbst einen Account einrichten und erste Schritte gehen kannst, habe ich in diesem Blogbeitrag beschrieben:
Kurzanleitung fĂŒr die Twitter-Alternative "Mastodon"
Und wenn Du nach Argumenten fĂŒr Dich oder andere und nach mehr Hintergrundinformationen suchst, dann gibt es auch dazu einen Blogbeitrag (mit einem von meiner Tochter gemalten Mastodon-Elefanten als Beitragsbild 😀) .
Backflipped-Angebot bei Veranstaltungen
Mit dem Begriff ‘Flipped’-Angebot ist meist gemeint, dass ein bestimmter Teil des Lernangebots ‘vorab’, d.h. vor einem synchronen Veranstaltungsteil stattfindet. Solch ein ‘Flippen’ klappt besonders gut mit Input. Dann können sich Lernende diesen Input in eigenem Tempo aneignen - und beim synchronen Treffen ist dann Raum fĂŒr Austausch, Fragen und Weiterdenken.
Mit der Bundeszentrale Politische Bildung habe ich nun auch mit ‘BackFlipped’-Materialien experimentiert. Dabei wird nicht vorab, sondern nachtrĂ€glich geflipped. Das bedeutet: FĂŒr die Nachbereitung werden vertiefende Inhalte zur VerfĂŒgung gestellt. Hier kannst Du Dir mein Beispiel (zu einer Veranstaltung zur Zukunft der Politischen Bildung) anschauen. Vielleicht willst Du bei einer Deiner nĂ€chsten Veranstaltungen, Ă€hnliches ausprobieren.
Zukunft digitaler und hybrider Veranstaltung
Bei Veranstaltungen an einem gemeinsamen physischen Ort passt solch ein Backflipped-Angebot ĂŒbrigens auch gut auf eine Goodie-Bag als QR-Code. Darin könnte eine kleine StĂ€rkung fĂŒr die Heimfahrt sein - und ĂŒber den QR-Code gibt es ein paar Anregungen zur Nachbereitung dazu.
Der QR-Code hier fĂŒhrt zu dieser Vorlage. FĂŒr den Text erhebe ich keinen urheberrechtlichen Anspruch (= freigegeben unter CC0 1.0). Kopiere ihn Dir gerne und passe ihn fĂŒr Deine Veranstaltung an.
Dinge digital geregelt kriegen
Jöran (von der Agentur J&K in Hamburg) hat mich Ende MĂ€rz in seinen ‘uneigentlich’-Podcast eingeladen. In diesem Podcast geht es um die Frage, wie Menschen Dinge digital geregelt kriegen. Die dazu mit mir aufgezeichnete Folge - und auch alle frĂŒheren Folgen - kannst Du Dir hier anhören:
#uneigentlich – Dinge digital geregelt kriegen
Mir hat das GesprĂ€ch gut gefallen. Es war fast ein bisschen eine ‘angeleitete Selbstreflexion’, in der mir viele Sachen (wie ich meinen Kalender nutze, warum ich BlogbeitrĂ€ge erst einmal im Kopf schreibe oder warum ich Mails eigentlich immer schnell lösche) ĂŒberhaupt erst selbst richtig bewusst geworden sind.
Haptische VortrÀge - mit digitalem Erinnerungs-Spickzettel
Zu VortrĂ€gen - egal ob an einem gemeinsamen physishen Ort oder online - gehört im allgemeinen VerstĂ€ndnis eine PrĂ€sentation, d.h. Folien, die ich in groß an die Wand projeziere oder ĂŒber meinen Bildschirm teile - und anhand derer ich meinen Vortrag gestalte. Es gibt viele gute Ideen, wie sich solche Folien gut gestalten lassen (auch mit interaktiven Elementen, mit wenig Text und viel Illustration, nur mit Bildern 
).
Mindestens ebenso gut und vor allem als Abwechslung sehr zu empfehlen, finde ich ‘haptische’ VortrĂ€ge. Diese gestalte ich so, dass ich mir zu jeder These/ jedem Baustein, den ich erlĂ€utern will, einen passenden Gegenstand suche, mit dem ich den Inhalt möglichst gut erklĂ€ren kann. Beim Vortrag halte ich dann einfach einen Gegenstand nach dem anderen hoch (entweder in die Kamera oder direkt vor die zuhörenden Personen) und rede dazu.
FĂŒr eine Nachbereitung und Erinnerung lĂ€sst sich (z.B. mit H5P) ein kleiner Spickzettel gestalten, auf dem alle genutzten GegenstĂ€nde zu sehen und jeweils kurz erlĂ€utert sind.
Hier siehst Du ein Beispiel fĂŒr einen solchen Spickzettel, den ich fĂŒr einen Vortrag an der Uni Hohenheim gestaltet habe:
'Spickzettel' zum Beitrag von Nele Hirsch beim Hohenheimer ZukunftsgesprÀch
Positive Fehlerkultur - und individuelle Fehlerkompetenz
Ich habe darĂŒber nachgedacht, was zu individueller Fehlerkompetenz gehört. Wichtig finde ich hierfĂŒr zwischen dummen Fehlern und produktiven Fehlern zu unterscheiden - und die ersten möglichst zu vermeiden, aber sich auch selbst vergeben können. WĂ€hrend die zweiten ganz bewusst gewagt und auch geteilt werden sollten.
Mehr dazu in diesem Blogbeitrag:
Wie kann ein resilienter Umgang mit digitalen Medien erlernt werden?
So wie der Online-Raum aktuell funktioniuert und strukturiert ist, kann er zu einem Nutzungsverhalten verleiten, dass nicht unbedingt gut tut. Das können wir zum Teil an uns selbst beobachten - z.B. wenn wir wieder mal irgendwo im Netz hÀngen bleiben, obwohl wir eigentlich nur kurz unsere Mails checken wollten. Ebenso erleben wir es auch bei der pÀdagogischen Begleitung von Jugendlichen oder anderen Erwachsenen.
Eine oft entwickelte Lösungsstrategie ist vor diesem Hintergrund eine Begrenzung von Mediennutzung - bis hin zu einem Verbot. Ich finde einen anderen Weg besser. Dieser besteht aus vier Komponenten:
  1. Reflexion: Verstehen und damit verÀnderbar machen, wie man digitale Medien nutzt.
  2. Routinen: Routinen entwickeln fĂŒr eine gewinnbringende Mediennutzung.
  3. Lernen: VerstĂ€ndnis entwickeln, ĂŒber die Funktionsweise des Internets.
  4. Gestalten: Das Internet als gestaltbar erleben und akiv mitgestalten.
Was damit jeweils genau gemeint ist und wie sich diese Schritte in Lernprozessen umsetzen lassen, habe ich gebloggt:
Digitale Resilienz-PĂ€dagogik
Was Du statt "Gibt es noch Fragen?" am Ende von Veranstaltungen sagen kannst
‘Gibt es noch Fragen?’ ist am Ende eines Vortrags oder Workshops fast schon ein geflĂŒgeltes Wort, was aber leider oft wenig hilfreich ist, sondern entweder Schweigen oder Ko-Referate produziert.
Ich mag zwei Alternativen - die erste eher bei einem Input, die zweite eher bei workshop-artigen Angeboten.
  1. Was wollen Sie fĂŒr sich mitnehmen/ angehen/ ausprobieren? Wo benötigen Sie dafĂŒr noch UnterstĂŒtzung von mir?
  2. Wie groß ist in unserer Lerngruppe Deiner Wahrnehmung nach das gemeinsame VerstĂ€ndnis von dem vorgestellten Thema/ der Aufgabe: Zeige es an mit 1 (= kaum vorhanden) bis 5 Fingern (= sehr gut vorhanden). -> Wenn man nur wenige Finger sieht, kann man anschließen: Wer könnte das vielleicht noch einmal besser erklĂ€ren, so dass das gemeinsame VerstĂ€ndnis grĂ¶ĂŸer wird?
Internetquatsch
Eine Edumail ohne Internetquatsch wĂ€re unvollstĂ€ndig 🙃.
Hier kommen ein paar spaßige Links:
  • Schon seit zwei Jahren ist eine Website online, die sich selbst zerstören wĂŒrde, wenn niemand mehr etwas an sie schreibt. Das ist eine gute Gelegenheit, um die Website zu besuchen, in den netten Nachrichten von so vielen Menschen zu stöbern - und vielleicht auch selbst eine Nachricht zu hinterlassen, damit die Website sich auch zukĂŒnftig nicht selbst zerstören muss.
  • Mit automatischen Übersetzungstools kann man viel Spaß haben. Bei diesem Tool lĂ€sst sich ‘Stille Post’ spielen: Du gibst eine Nachricht ein, diese wird in verschiedene Sprachen hin- und herĂŒbersetzt - bis am Ende sehr wahrscheinlich irgendein Blödsinn rauskommt:
  • Wer Gifs auf Papier zeichnen und dann digital teilen will, wird dieses Tool super finden. Du kannst Dir eine Vorlage ausdrucken, darauf malen, dann das Gemalte mit Deiner Smartphone-Kamera einscannen - und schon hast Du ein Gif zum Teilen. Ich finde das ĂŒbrigens auch eine sehr schöne PausenbeschĂ€ftigung bei Veranstaltungen.
Und nach all diesem Quatsch gibt es zum Abschluss auch noch etwas NĂŒtzliches. Mit dieser Website kannst Du eine Pausenfolie gestalten. Dazu gibst Du ein, wann es weitergehen soll und den gewĂŒnschten Text dazu - und erhĂ€ltst dann direkt eine Folie, die Du zeigen kannst, auf der die Uhrzeit steht - und ein Countdown bis dahin runterlĂ€uft.
Alles Gute, herzliche GrĂŒĂŸe und ein schönes Wochenende
Nele
PS. FĂŒr die Edunautika ĂŒberlege ich mir gerade mögliche Session-Einreichungen. Wenn Du magst, dann schreibe mir doch zurĂŒck, was Du davon besonders spannend fĂ€ndest:
  1. Offline Quatsch: Mini-Spielereien fĂŒr Lernangebote vor Ort zum direkt Ausprobieren (wie Internetquatsch nur ohne Strom, aber mindestens ebenso spaßig)
  2. PÀdagog*innen sollten nichts lehren, was Maschinen besser können. Aber was ist es denn genau, das Maschinen nicht besser können - und wie lÀsst sich das lehren? Kurzer Input - und dann gemeinsame Reflexion.
  3. Der digitale Raum als weiterer PÀdagoge: Wie können wir den digitalen Raum bei Lernangeboten so gestalten, dass Lernende ihn zu erfolgreichen Lernprozessen nutzen und auch selbst gestalten können? Auch hier mit kurzem Input und dann Fragen/ Austausch/ Ideensammlung.
Und noch ein PS: FĂŒr eine Veranstaltung zu mehr Achtsamkeit habe ich eine kleine ‘Bonus-Karte zum Nein-Sagen Lernen’ geteilt. Falls Du so etwas auch gebrauchen kannst, drucke dir dieses Bild aus und lege es Dir an deinen Schreibtisch.
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Nele Hirsch
Nele Hirsch @ebildungslabor

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