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DJV Update - Dresdner OBM-Wahl, Zukunftswerkstatt & Chuzpe

Revue
 
 
18. Mai · Ausgabe #35 · Im Browser ansehen
DJV Update
5 Herren, eine Dame: Das OBM-Wahlforum von Presseclub & DJV. Foto: R.Meinig/SZ
5 Herren, eine Dame: Das OBM-Wahlforum von Presseclub & DJV. Foto: R.Meinig/SZ
Liebe Kollegin, lieber Kollege,
es war eine kleine Premiere: “In dieser Konstellation sind Sie noch nicht aufeinandergetroffen”, konnte Moderatorin Annette Binninger, Politikchefin der Sächsischen Zeitung, mit etwas Stolz in der Stimme feststellen. Beim Wahlforum zur Dresdner Oberbürgermeisterwahl, das der Presseclub Dresden und der DJV Sachsen gemeinsam organisiert hatten, waren die “sechs vermutlich aussichtsreichsten Bewerber*innen” um den Chefsessel im Dresdner Rathaus eingeladen gewesen. Neben Amtsinhaber Dirk Hilbert (FDP, Mitte) waren am 9. Mai auch die Kandidat*innen André Schollbach (Linke, ganz links im Bild), Albrecht Pallas (SPD), Eva Jähnigen (Grüne), Martin Schulte Wissermann (Piraten, verdeckt) und Maximilian Krah (AfD, rechts außen) in die Lounge von Tag24 an der Dresdner Ostra-Allee gekommen. Was die Themen und die Antworten auf die Fragen von Binninger und Co-Moderator Lars Radau waren, können Sie unter anderem bei der Sächsischen Zeitung und den Dresdner Neuesten Nachrichten nachlesen - beide Texte stehen hinter der Bezahlschranke. Was wir Ihnen gern erzählen wollen, ist:
Eine kleine Geschichte über große Chuzpe
Bei der Frage, wer überhaupt auf das Podium gebeten wird, waren sich Presseclub und DJV schnell einig: Vertreter aller bislang auch schon im Rathaus vertretenen Parteien. Vor allem deshalb war Marcus Fuchs, Anführer der Dresdner Querdenker-Bewegung, nicht eingeladen. Er wäre aber auch sonst nicht erwünscht gewesen. Nicht allein deshalb, weil er gern und häufig über “Systemmedien” herzieht. Sondern, weil sich nach unseren Erfahrungen und den Analysen des Leipziger European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF) im vergangenen Jahr 75 Prozent aller gewaltsamen Angriffe auf Journalist*innen im Umfeld der Demonstrationen von Corona-Maßnahmen-Gegnern ereignet haben. Die Details sind in der Studie “Feindbild Journalist” niedergelegt. Und auch in diesem Jahr gab es - unter anderem - in Dresden-Laubegast aus einer Querdenker-Demo heraus Angriffe auf Journalisten. Dort war offenbar auch Fuchs vor Ort - nach Angaben von “Dresden Nazifrei” filmend und nur einige Meter hinter den Angreifern. Diese Beweggründe haben wir sowohl einer Mitstreiterin als auch dem Pressesprecher von Fuchs am Tag des Wahlforums erläutert. Die Ansage der Frau war klar: “Wir werden trotzdem vorbeikommen”
Twitter-Screenshot: Lars Radau
Twitter-Screenshot: Lars Radau
Und so kam es, dass der Querdenken-Anführer vor dem Verlagshaus gegen seine Nicht-Einladung protestierte - ein Stilmittel, dass er mittlerweile auch bei etlichen anderen Wahlforen angewendet hat. Die Zugänge waren, nicht zuletzt wegen der Ankündigung, auch von der Polizei gesichert. Sein Pressesprecher schickte noch einen “offenen Brief” an den DJV hinterher: Es brauche einen “Dialog”, um “aufzuklären, Spannungen abzubauen und die Berichterstattung der ‘alten Medien’ wieder näher an die erlebte Wirklichkeit aller Bürger zu bringen”. Auf seinem Twitter-Account war wenig später indes wieder von “Systemmedien” zu lesen.
Journalismus im "Hinterland": Einladung nach Bautzen
Sicherheit, Sorben und Stärkung von lokalem Journalismus - in Bautzen.
Sicherheit, Sorben und Stärkung von lokalem Journalismus - in Bautzen.
Das Thema Sicherheit steht auch zentral auf dem Programm einer Präsenz-Veranstaltung, zu der der DJV-Bundesverband am 31. Mai und am 1. Juni nach Bautzen einlädt. Im Landratsamt geht es zudem um Sorben, ihre Medien und die Stärkung von Journalismus jenseits der Metropolen. Mit dabei sind nach gegenwärtigem Planungsstand unter anderem Vertreter*innen des MDR, der Serbske Nowiny, der Sächsischen Zeitung, von Correctiv.Lokal - und vielleicht auch Sie?! Für Mitglieder ist die Teilnahme kostenfrei, Anreisekosten aus Sachsen können übernommen werden. Nur um eine Unterkunft müssen Sie sich selbst bemühen. Erste Informationen und eine Anmeldemöglichkeit gibt es hier, die Seite wird kontinuierlich aktualisiert. Rückfragen gerne auch an uns.
Tipp: Fake - die ganze Wahrheit
Gut in den Kontext dieses Newsletters passt auch die frisch eröffnete Sonderausstellung des Hygiene-Museums in Dresden: “Fake - die ganze Wahrheit”. Aus der Ankündigung: “Fake News, Fake-Profile, Fake-Produkte - in vielen Lebensbereichen haben wir es heute mit Fälschungen und Desinformationen aller Art zu tun. Im Sport wird gedopt, Wirtschaftsbosse schummeln und es gibt nicht nur den einen prominenten Politiker, der sich auf ‘alternative Fakten’ beruft.” Aus Sicht der Macher also “höchste Zeit, dem schillernden Phänomen (…) eine eigene Ausstellung zu widmen”. Sie läuft ab jetzt bis zum 5. Mai 2023, zu den normalen Öffnungszeiten. Es gibt etliche ergänzende Veranstaltungen, jeden Sonntag zudem öffentliche Führungen.
Inspiration und Flughöhe - Zukunftswerkstatt des DJV
In der alten Ruhrkohle-Zentrale: Zukunftswerkstatt des DJV. Foto: Lars Radau
In der alten Ruhrkohle-Zentrale: Zukunftswerkstatt des DJV. Foto: Lars Radau
Es begann mit einem Antrag auf dem DJV-Bundesverbandstag 2018 in Dresden: Der Verband brauche dringend eine Zukunftswerkstatt, um sich für die kommenden Jahre fit zu machen. Die Zustimmung war groß, dann kamen organisatorische Schwierigkeiten und Corona… Am vergangenen Wochenende indes war es endlich so weit: In der ehemaligen Zentrale der Ruhrkohle AG in Herne passte das Setting für die rund 45 Teilnehmer*innen aus allen Bereichen des DJV. Zwischen Kohle-Zeitalter und Ufo-Architekturelementen kam die Werkstatt ins Fliegen: Aus einer überraschend einstimmigen Diagnose der Herausforderungen wurden in einem konstruktiven, diskursiven (und dabei immer wertschätzenden) Dialog Wege erarbeitet, daraus Chancen für den Verband zu machen. Jetzt geht es nur noch um die Umsetzung…
Neue Runde: Deutsch-tschechischer Journalistenpreis
Der Wettbewerb um den Deutsch-tschechischen Journalistenpreis 2022 ist eröffnet. Bis zum 30. 6. 2022 können Beiträge der vergangenen zwölf Monate aus den Kategorien Text, Audio und Multimedia (inklusive TV) eingereicht oder nominiert werden. Auch neue und/oder crossmediale journalistische Formate werden berücksichtigt, heißt es in der Ausschreibung. Prämiert werden Journalist*innen, “die der Öffentlichkeit über die gängige Berichterstattung hinaus das Geschehen und die Menschen im Nachbarland näher bringen und durch einordnende, differenzierte Darstellung zu einem tieferen gegenseitigen Verständnis beitragen”. Auch unterschiedliche Aspekte der deutsch-tschechischen Beziehungen im internationalen Kontext könnten Gegenstand der Beiträge sein.
Der Preis ist in allen Kategorien mit jeweils 2000 Euro dotiert. Zudem gibt es einen dem Sonderpreis für eine journalistische Arbeit, “die aus aktueller Perspektive Themen wie Zivilcourage, multikulturelle Verständigung und Toleranz in den Fokus nimmt”. Zu den Details der Ausschreibung und zur Anmeldung geht es hier entlang.
Soweit. Bleiben Sie gesund - und auf bald!
Ihr
Lars Radau,
Geschäftsführer DJV Sachsen
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