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Arbeit und Krankheit #6 – Schüler:innen und Corona

Arbeit und Krankheit #6 – Schüler:innen und Corona
Von Daniel Drepper • Ausgabe #6 • Im Browser ansehen
Machen wir es kurz: Auch Kita-Kinder, Schüler:innen und Studierende können eine Infektion mit dem Coronavirus als Arbeitsunfall anerkannt bekommen. Dann erhalten sie eine bessere Behandlung ihrer Symptome – und es könnte bei Langzeitfolgen auch eine monatliche Rente möglich werden. Bisher ist die Zahl der anerkannten Fälle extrem niedrig, obwohl fast jede zweite gemeldete Infektion in Kita, Schule oder Uni als Arbeitsunfall anerkannt wurde. Offenbar kennt so gut wie niemand diese Möglichkeit. Und: Schulen scheinen tausende, vielleicht sogar zehntausende Corona-Infektionen nicht gemeldet zu haben, obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet wären. Mehr dazu weiter unten.
Nach meinem letzten Newsletter („Warum meldet niemand das Virus?“) war eine Reihe von Menschen auf Twitter überrascht, dass auch Kita-Kinder, Schüler:innen und Studierende eine Infektion mit dem Coronavirus als Arbeitsunfall anmelden können.

Screenshot von der Seite der DGUV
Screenshot von der Seite der DGUV
Auf der Webseite der zuständigen DGUV, der Dachorganisation aller Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, steht es im FAQ schwarz auf weiß.
Auch in den Pausen, auf dem Weg zur Schule und zurück, bei Schulfesten oder Betriebspraktika sind Schüler:innen versichert. Wichtig hierbei: Der reine Nachweis des Virus reicht nicht aus, es müssen auch Symptome der Erkrankung vorhanden sein. (Was natürlich bei häufig asymptomatisch verlaufenden Infektionen bei Kindern und trotzdem möglichen Spätfolgen eher supobtimal ist.)
Aber passiert das auch, also, im wirklichen Leben, dass Corona-Infektionen in der Schule (oder Kita, oder Uni) entschädigt werden? Ich habe einfach mal nachgefragt bei der Pressestelle der DGUV und ja, es gibt tatsächlich Kita-Kinder, Schüler:innen oder Studierende, die eine Corona-Infektion als Arbeitsunfall anerkannt bekommen haben.
240 Menschen haben sich seit Beginn der Pandemie bei den zuständigen Unfallkassen deshalb gemeldet, bislang sind 102 Anzeigen auch genehmigt. (Die DGUV schmeißt in der Auswertung Kita-Kinder, Schüler:innen und Studierende zusammen.)
Das zeigt erstens: Fast jede zweite Anzeige wurde bisher auch anerkannt. Und zweitens: Es gibt extrem wenige Anzeigen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sich mittlerweile mehr als 200.000 Kinder unter 15 Jahren in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert haben. Ein beträchtlicher Teil davon wird zumindest einige Zeit in Kita oder Schule verbracht haben. Und quasi alle Kita-Kinder, Schüler:innen und Studierende sind in der DGUV versichert, insgesamt geht es um 17,5 Millionen junge Menschen.
Warum also so wenige Anzeigen?
Ich gehe davon aus, dass viele Menschen einfach nicht wissen, dass sie die Corona-Infektion ihres Kindes anmelden können.
Und ich gehe auch davon aus, dass Kitas, Schulen und Universitäten in Deutschland tausende, vielleicht sogar zehntausende Infektionen nicht an die Unfallkassen gemeldet haben, obwohl sie dazu verpflichtet wären. Denn gemeldet werden muss laut Gesetz jeder Verdachtsfall – und nicht nur, wenn Kita, Schule oder Uni davon ausgehen, dass auch eine realistische Chance auf Entschädigung besteht.
Mehr Hintergründe und noch ein paar Tipps von den drei unabhängigen Beratungsstellen in Berlin, Bremen und Hamburg gibt es in diesem Text, den ich heute bei BuzzFeed News Deutschland und IPPEN.MEDIA veröffentlicht habe.
Arbeiten Sie nicht so viel und bleiben Sie gesund!
Daniel Drepper
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Daniel Drepper

Ich recherchiere seit Jahren zu Ausbeutung in der Arbeitswelt, zu Gesundheitsschutz und Berufskrankheiten. Über „Arbeit und Krankheit“ verschicke ich unregelmäßig dazu passende Recherchen und Informationen. Sie erreichen mich unter daniel.drepper@gmail.com oder über die verschlüsselte App Signal unter 0151 407 95 370.

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