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Arbeit und Krankheit #4 – Trotz tödlicher Corona-Ausbrüche kaum Kontrollen

Arbeit und Krankheit #4 – Trotz tödlicher Corona-Ausbrüche kaum Kontrollen
Von Daniel Drepper • Ausgabe #4 • Im Browser ansehen
Seit Beginn der Pandemie sind mehrere tausend Menschen in hessischen Pflegeheimen am Coronavirus gestorben. Trotzdem sind in den vergangenen Monaten nur 13 von 850 hessischen Pflegeheimen von den Arbeitsschutz-Behörden kontrolliert worden. Sogar Heime mit massiven Corona-Ausbrüchen haben meinen Recherche zufolge teilweise keinen Besuch von den Behörden bekommen.
Seit Januar und bis Ende April wollen die Behörden nun 85 Pflegeheime kontrollieren, eine sogenannte „Schwerpunktaktion Corona Pflege“. Doch bis Mitte März haben sie noch kein einziges Pflegeheim persönlich aufgesucht. Stattdessen wurden Informationsmaterial und Fragebögen versandt. Den entsprechenden Fragebogen veröffentliche ich hier im Original. 
„Das ist natürlich eine Katastrophe“, sagte mir Anette Hergl, die bei verdi in Frankfurt für die Altenpflege zuständig ist. „Es müssten eigentlich alle Pflegeheime eine Kontrolle und eine kontinuierliche Begleitung bekommen.“
Aus internen Dokumenten des Ministeriums geht hervor, dass auch die Kontrollen in anderen Branchen zum Teil auf dem Versenden von Fragebögen basieren. Erwähnt werden der Handel, Taxiunternehmen, die Land- und Weinwirtschaft, Friseure und die Fleischindustrie. Wie viele Betriebe jeweils angeschrieben und wie viele vor Ort kontrolliert wurden, konnte das Ministerium mir auf meine Anfrage hin nicht mitteilen.
Was aus den Dokumenten und der Antwort des Ministeriums ebenfalls deutlich wird: Bis Ende Januar hat das Ministerium keine Homeoffice-Kontrollen durchgeführt. Diese seien erst möglich, seitdem die Bundesregierung ihre neue Corona-Arbeitsschutzverordnung verabschiedet hat. Zuvor habe das Ministerium seinen Fokus darauf gelegt, Arbeitgeber über Home-Office zu informieren, statt sie zu kontrollieren.
Den ganzen Beitrag, in dem auch noch eine Pflegekraft und drei Pflegeheim-Leiter:innen von ihren Erfahrungen berichten, habe ich gestern bei BuzzFeed News Deutschland veröffentlicht.
Die Recherche begann übrigens mit zwei internen Schreiben des hessischen Sozialministeriums, die vor einigen Wochen in meinem Briefkasten lagen.
Vielen Dank hier noch einmal an die Quelle, ohne deren Dokumente diese Recherche kaum möglich gewesen wäre.
Wer sich ebenfalls vertraulich und falls nötig auch anonym an mich wenden möchte, kann dies über die App Signal unter 0151 407 95 370 tun – oder einfach auf diese E-Mail hier antworten.
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Arbeiten Sie nicht so viel und bleiben Sie gesund!
Daniel Drepper

 

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Daniel Drepper

Ich recherchiere seit Jahren zu Ausbeutung in der Arbeitswelt, zu Gesundheitsschutz und Berufskrankheiten. Über „Arbeit und Krankheit“ verschicke ich unregelmäßig dazu passende Recherchen und Informationen. Sie erreichen mich unter daniel.drepper@gmail.com oder über die verschlüsselte App Signal unter 0151 407 95 370.

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