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Arbeit und Krankheit #2 – Gewalt gegen Pflegekräfte

Arbeit und Krankheit #2 – Gewalt gegen Pflegekräfte
Von Daniel Drepper • Ausgabe #2 • Im Browser ansehen
Berliner Krankenhaus des Maßregelvollzugs, im Februar 2020. Eine Psychiaterin wird von einem Patienten attackiert. Mit einem angespitzten Besteckmesser sticht der psychisch kranke Patient mehrfach auf ihren Kopf ein. Nur mit Hilfe anderer Patienten kann sich die Psychiaterin retten. Sie überlebt schwer verletzt. 
Der gleiche Patient hatte schon zwei Jahre zuvor eine andere Ärztin angegriffen – ebenfalls mit einem Messer. Die Probleme, die zu solchen Angriffen beitragen, waren in Berlin lange bekannt. Mitarbeiter:innen hatten gewarnt: Die Räume sind zu unübersichtlich, es gibt zu wenig Plätze und zu wenig Personal.
Die 2018 attackierte Ärztin schrieb mehrere Brief, warnte auch vor einer „katastrophal zu nennenden Unterbesetzung“ und bezeichnete diese als gravierendes Sicherheitsrisiko. „Warum gibt es keine Kameraüberwachung auf den Stationen?“, schreibt sie. „Warum ist der Wachschutz nicht präsenter? Warum ist das Personal einer derartig großen Gefahr ausgesetzt, lebensgefährlich angegriffen und verletzt zu werden?“ Mehrfach bekommt diese E-Mails in Kopie: Die im Berliner Senat für die Fachaufsicht Maßregelvollzug zuständige Person. Passiert ist seitdem offenbar wenig.
Gewalttaten in 16 Bundesländern abgefragt
Diese Vorfälle haben meine BuzzFeed News-Kollegin Juliane Löffler vor wenigen Wochen inspiriert, in allen 16 Bundesländern nach Gewalttaten in forensischen Kliniken zu fragen. Das Ergebnis: Es sind mehrere hundert Angriffe auf Pflegekräfte, jedes Jahr.
Die Recherche haben wir gestern Abend bei BuzzFeed News Deutschland veröffentlicht. Sie zeigt einmal mehr, wie problematisch es ist, dass die Arbeit von Pflegekräften (und auch: medizinischem Personal in der Pflege) weiterhin so wenig wertgeschätzt wird. Und welche ganz konkreten Folgen daraus entstehen können.
Im vergangenen Jahr hatten wir gemeinsam mit der ARD-Sendung plusminus Pflegekräfte dazu aufgerufen, uns von ihren Arbeitsbedingungen zu erzählen. Rund 1000 Pflegekräfte haben sich gemeldet, dazu hatten wir damals gut 300 sogenannte Überlastungsanzeigen ausgewertet. Auch damals waren Pfleger:innen aus der Forensik dabei, aber auch aus vielen anderen Bereichen.
Recherche zu Corona-Kontrollen in Pflegeheimen
Aktuell recherchiere ich zu Arbeitsschutz-Kontrollen in Pflegeheimen – speziell zur Einhaltung der Corona-Hygiene-Maßnahmen. Fühlen sich Pflegekräfte ausreichend geschützt? Kommen Arbeitsschützer:innen in den Heimen vorbei? Oder bleiben sie – wie mir zuletzt erzählt wurde – im Home-Office, rufen nur schnell per Telefon durch und lassen den Arbeitgeber:innen damit de facto freie Hand? Falls Sie dazu Informationen oder Hinweise haben, melden Sie sich gern bei mir.
Alles Gute und auf bald
Daniel Drepper

 

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Daniel Drepper

Ich recherchiere seit Jahren zu Ausbeutung in der Arbeitswelt, zu Gesundheitsschutz und Berufskrankheiten. Über „Arbeit und Krankheit“ verschicke ich unregelmäßig dazu passende Recherchen und Informationen. Sie erreichen mich unter daniel.drepper@gmail.com oder über die verschlüsselte App Signal unter 0151 407 95 370.

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