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„Arbeit und Krankheit“ #1 – Das sind meine Recherchen

„Arbeit und Krankheit“ #1 – Das sind meine Recherchen
Von Daniel Drepper • Ausgabe #1 • Im Browser ansehen
Vor einem guten Jahr habe ich gemeinsam mit einem sehr gut vernetzten Agenten versucht, ein Buch über Probleme im deutschen Arbeitsschutz zu verkaufen. Ich habe ein aufwändiges, 30-seitiges Exposee geschrieben und mein Agent hat es in guter Hoffnung an fast alle großen deutschen Verlage geschickt. Am Ende hat es nicht geklappt. Das mag am Exposee gelegen habe, dass dann vielleicht doch nicht so gut war wie wir dachten. Erstaunt hat mich allerdings die Rückmeldung einiger Verlage: „Arbeiter kaufen keine Bücher.“
Die Probleme im Arbeitsschutz verschärfen sich seit Jahrzehnten, doch die Ängste, Sorgen und Probleme von Arbeiter:innen fallen oft unter den Tisch. Es gibt in fast keinem Medium Reporter:innen, die sich dauerhaft mit Arbeitsbedingungen und Gesundheitsschutz beschäftigen. Ich glaube, dass dieser Bereich viel stärker in den Fokus genommen werden müsste. Weil wahnsinnig viele Menschen betroffen sind. Und – so stellt es sich mir nach einigen Jahren Recherche dar – sehr viel im Argen liegt.
Corona sorgt für mehr Aufmerksamkeit
Wegen Corona stehen die Arbeitsbedingungen mittlerweile stärker im Fokus. Zurecht, denn die Krise bringt viele Probleme und Konflikte ans Licht. Corona wirkt wie ein Brennglas.
Friseur:innen, die während des Lockdowns zu Privat-Terminen geschickt werden. Lagerarbeiter:innen, die weder Masken noch Desinfektionsmittel bekommen. Bankmitarbeiter:innen, die nicht ins Home-Office dürfen, obwohl sie zur Risikogruppe gehören. Über solche und ähnliche Fälle sollte noch viel häufiger berichtet werden, detailliert, mit den Strukturen dahinter im Blick. Den Strukturen, die dafür sorgen, dass solche Probleme zunächst entstehen, dann geduldet und schließlich nicht behoben werden. Und zwar nicht nur mit Bezug auf Corona, sondern ganz allgemein.
Meine zentralen Fragen bei der Recherche lauten: Welche Art von Arbeit macht uns kaputt? Wer hat diese Bedingungen zu verantworten? Und wer stützt diese Ausbeutung, weil er oder sie nichts dagegen tut, obwohl es seine Aufgabe wäre?
Ich möchte die andauernde Corona-Krise nutzen, um weiterhin über „Arbeit und Krankheit“ zu berichten. Und ab jetzt in diesem Newsletter über meine neuesten Recherchen zu informieren.
Warum Arbeitsschutz?
Ich interessiere mich für Bereiche, in denen privilegierte Menschen ihre Macht missbrauchen und dadurch andere leiden, die selbst keine Stimme haben. Ich interessiere mich für komplexe Entwicklungen, die abseits der Öffentlichkeit immer weiter aus den Fugen geraten. Und ich versuche mir Probleme zu suchen, die bisher meiner Ansicht nach zu wenig im Blickpunkt stehen.
Vielleicht spielt es auch eine Rolle, dass ich im Gegensatz zu vielen anderen Journalist:innen ein Arbeiterkind bin. Mein Vater ist KfZ-Mechaniker, meine Mutter Bürokauffrau. Ich bin der erste aus meiner Verwandtschaft, der an die Universität gegangen ist und habe daher vielleicht einen anderen Zugang zu diesen Themen.
Seit etwa 20 Jahren bin ich nun Journalist, seit gut zehn Jahren arbeite ich investigativ – und seit rund sechs Jahren beschäftige ich mich mit schlechten Arbeitsbedingungen in Deutschland.
In den vergangenen Jahren habe ich unter anderem über folgende Probleme berichtet:
Alle diese Recherchen sind nur möglich, weil immer wieder Menschen Informationen oder Dokumente mit mir teilen. Von schlechten Arbeitsbedingungen betroffene Arbeiter:innen; Arbeitsschützer:innen aus Behörden; Berater:innen; Richter:innen; Politiker:innen – und viele mehr. Die vertraulichen Gespräche im Hintergrund helfen mir sehr, der Wahrheit möglichst nahe zu kommen. Ohne diese Quellen wäre meine Arbeit nicht möglich. Danke dafür!
In den kommenden Monaten und Jahren möchte ich weiter zum Arbeits- und Gesundheitsschutz recherchieren. Zu Menschen, die durch ihre Arbeit krank werden. Zu Unternehmen, die ihre Arbeiter:innen ausbeuten. Zu Behörden, die mangelhaft kontrollieren. Ich gehe aktuell einer Reihe konkreter Hinweise nach, lese Dokumente, spreche mit Expert:innen und Betroffenen. Und freue mich über jeden und jede, der oder die weiteres Material für mich hat.
Wo veröffentliche ich diese Recherchen derzeit?
Seit 2017 bin ich Chefredakteur von BuzzFeed News Deutschland. Hier leite ich ein vierköpfiges Rechercheteam. Unsere Redaktion gehört zur Ippen-Mediengruppe. Deshalb veröffentlichen wir auch in Medien wie der Frankfurter Rundschau, dem Münchner Merkur, der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen, der Frankfurter Neuen Presse oder dem Westfälischen Anzeiger. Außerdem kooperiere ich in meinen Recherchen mit weiteren Medien wie zuletzt der ARD, dem ZDF oder der Süddeutschen Zeitung.
Wer mehr über unser Rechercheteam bei BuzzFeed News Deutschland wissen möchte, findet hier die wichtigsten Infos über meine Kolleg:innen und unseren Journalismus. Hier habe ich außerdem aufgeschrieben, wie wir recherchieren und wie wir unsere Quellen schützen.
Dieser Newsletter ist ein privates Projekt von mir. Natürlich werde ich hier aber regelmäßig auf die BuzzFeed-Recherchen von mir und meinen Kolleg:innen verweisen. Dazu werde ich auch mal gute Sachbücher oder andere Recherchen zum Thema empfehlen und werde kleinere Infos oder Material verbreiten, das ich nicht für Artikel verwenden kann. Vielleicht schreibe ich hier auch mal persönliche Einschätzungen auf, mit denen ich mich sonst in meiner Berichterstattung eher zurückhalte. 
Ich freue mich in jedem Fall, wenn Sie diesen Newsletter weiterempfehlen oder mir vertraulich Informationen und Dokumente für meine Arbeit zukommen lassen.
Beste Grüße und auf bald
Daniel Drepper

 

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Daniel Drepper

Ich recherchiere seit Jahren zu Ausbeutung in der Arbeitswelt, zu Gesundheitsschutz und Berufskrankheiten. Über „Arbeit und Krankheit“ verschicke ich unregelmäßig dazu passende Recherchen und Informationen. Sie erreichen mich unter daniel.drepper@gmail.com oder über die verschlüsselte App Signal unter 0151 407 95 370.

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