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Revue
 
 

Undisruptable Technology

9. Oktober · Ausgabe #118 · Im Browser ansehen
Fundstücke rund um digitale Disruption und analoge Absonderlichkeiten. Jeden Freitag ins Postfach.

Guten Morgen!
Wer diesen Newsletter aufmerksam verfolgt wird vermutlich schon mitbekommen haben, dass mich das Thema “Homeschooling in Corona-Zeiten” umtreibt. Aus Gründen. Nun, Sohn1 ist diese Woche zu Hause und wird fernbeschult - weil es in seiner Klasse einen Corona-Fall gab. Diesmal sind wir aber viel besser vorbereitet als beim Lockdown vor, äh, einigen Monaten. War ja auch genug Zeit, ne? Neben Wochenplan und eingescannten Aufgabenblättern, die per Mail verschickt werden, wird das alles jetzt auch noch in eine Schulcloud hochgeladen.
Das iServ genannte Ding bietet nicht nur eine Benutzeroberfläche wie aus den frühen 2000ern, die mich daran erinnert, wie ich damals mit Hilfe von fertigen php-Modulen mal versucht habe, selbst so eine Community-Lösung zu basteln. Auf diesem Niveau bekommen das drei Hobby-Programmierer vermutlich auch in 14 Tagen hin. Aber die iServ-Entwickler haben bedauerlicherweise haben auch eine “Videokonferenz”-Lösung integriert. Und die benutzt die Klasse, damit man um (ich kann es nicht mehr hören) “Datenkraken” wie Zoom und Teams herumkommt. Das ist irgendwie sehr löblich und dreinundrölfzig Datenschützern gefällt das. Nur leider funktioniert der iServ-Videokram nicht. Was jetzt jeden, der sich mal damit beschäftigt hat und sich so ein Open-Source-Teil wie Jitsi angeschaut hat, nicht wirklich wundert. Das Problem ist nämlich nicht die Grundfunktionalität, sondern die Skalierbarkeit. Und so ist es hier bei iServ auch. Wenn nur zwei Kinder am Anfang drin sind ist es eine tolle Videokonferenzlösung. Aber sobald die Zahl größer fünf ist oder gar zweistellig wird, ruckelt nicht nur das Bild, sondern selbst der Ton wird abgehackt und quietschig. Grässlich. Vollstes Verständnis, dass man da maximal zwei mal die Woche für eine Schulstunde zusammenkommen kann.
Oder kurz: Die Lösung ist technisch Mist, aber sie ist irgendwie dann wohl datenschutzkonform. Und lieber nutzen wir was, was nicht funktioniert aber rechtens, als dass die NSA oder GoogleMicrosoftZoomApple mitbekommt, was die Klasse 6d gerade über Pflanzen lernt.
Man merkt vielleicht, ich bin gerade nur so halbglücklich mit der Gesamtsituation. Was auch daran liegt, dass wir gerade so die Erfahrung machen, wie so das Corona-Handling der Gesundheitsämter in Berlin ist. Die gute Nachricht: Hier kann die NSA bestimmt nix abhören, das wird alles ganz spionagekonform auf Papier erledigt und an ungesicherte Telefonleitungen (Hotline) geht hier kein Gesundheitsamtmitarbeiter. Ich vermute ehrlich gesagt, der Transport der Informationen findet auch über tote Briefkästen statt, von der versprochenen Übermittlung der Testergebnisse binnen 24 bis 48 Stunden keine Spur.
Jetzt aber die schlechte Nachricht: Im Kern funktioniert da leider außer Geheimhaltung gar nix. Das erklärt mit Sicherheit zu einem gewissen Teil die rasant steigenden Zahlen in Berlin. Die Monate seit dem ersten Corona-Peak wurden hier gekonnt verpennt und man muss nicht über hellseherische Fähigkeiten verfügen um zu der Vermutung zu kommen: das wird in den kommenden Wochen nicht gut enden. Ich gebe zu, manchmal stelle ich mir vor, die Bundesregierung hätte eine Handvoll Milliarden genommen und einem Unternehmen wie Amazon gegeben und gesagt: Übernehmt ihr bitte mal diese Corona-Testerei und das Kontaktnachverfolgen? Ihr könnte doch altmodische Prozesse digitalisieren und Kundenservice könnt ihr auch. Wo wir dann wohl heute stünden?
Nach diesem Ausflug in das Herzogtum Absurdien im Königreich Analogistan jetzt aber endlich zu den erfreulichen Links rund um digitale Disruptionen. Und da ist auch noch einer dabei, der sich um technische Pannen bei Covid19 dreht - aber mehr auch nicht. Versprochen.
Bis nächste Woche
Andreas Streim

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