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Wie Cambridge Analytica uns vielleicht endlich zu mündigen digitalen Bürger:innen macht

Revue
 
Hui, da war viel los letzte Woche mit Facebook und Cambridge Analytica. Und da Ihr in meiner Instagra
 

Ann Cathrin's Digital Digest

March 25 · Issue #3 · View online
Eine wöchentliche Sammlung von Artikeln zur Digitalisierung, Netzpolitik und Social Media und welchen Einfluss dies alles auf unsere Gesellschaft und Politik hat.

Hui, da war viel los letzte Woche mit Facebook und Cambridge Analytica. Und da Ihr in meiner Instagram Story mit deutlicher Mehrheit dafür gestimmt habt, dass ich hier Inhalte dazu bringe: bitteschön. Der Newsletter ist recht deprimierend geworden, aber ich hab auch nichts motivierendes gefunden im Laufe der Woche, mit dem ich Euch jetzt in die neue Woche schicken könnte. Daher gibt’s am Ende ein süßes Kätzchen - ich hoffe, dann ist alles wieder gut!
Vergange Woche war ich auf einer Veranstaltung von CONVOCO zu Kapitalismus in der Digialisierung (in der letzten Ausgabe ging es ja schon um das Thema) und auf der Bühne war u.a. Viktor Mayer-Schönberger, der das Buch “Das Digital” geschrieben hat. Sehr spannend - hab es mir direkt besorgt und ich glaube, es lohnt sich. 
Dann gab es wieder jede Menge Veranstaltungen zum Datenschutz - mehr oder weniger. Bei einer Veranstalung im Telefonica Basecamp sollte es eigentlich um Big Data und Sicherheit gehen, der Fokus war dann aber doch die DSGVO. Und zu meinem völligen Entsetzen hat Alexander Kulitz, MdB in der FDP Fraktion völlig undifferenziert über sie hergezogen und meiner Meinung nach auch viel gesagt, was so nicht stimmt. Deutschland würde all seine Fachkräfte verlieren! Pah! Super verrückt wurde es dann, als die Vertreter von Google (Google!) und Deutsche Messe sagten, dass sie sehr froh über die DSGVO seien, denn nun gäbe es endlich einen digitalen europäischen Binnenmarkt und gleiche Regeln in ganz Europa. Kritisiert haben sie natürlich auch (warum auch nicht, gibt einiges zu kritisieren) aber das konstruktiv und mit gefühlt mehr Ahnung. Ich bin nur froh, dass die FDP selber, gerade auch beim Cambridge Analytica Fall nochmal betont, dass sie die “Datenschutzpartei” sei
Also heute viel Facebook und Datenschutz. Hoffentlich gibt es nun endlich mal eine intensive und breite Debatte zum Thema. Denn neben Regelungen aus der Politik (Privacy by Design!) und Selbstverpflichtungen von Unternehmen, brauchen wir auch mündige Bürger:innen, die wissen, was sie tun. Die Unmengen an Daten hat Cambridge Analytica auch bekommen, weil Nutzer:innen in diesem einen Quiz auch die Daten ihrer Freund:innen weitergegeben haben. Da kann man selbst so bedacht sein mit dem eignen Datenschutz wie man will. Meist haben auch Freund:innen die eigenen Daten (ich erwähne nur den Zugriff aufs Telefonbuch am Smartphone von anderen durch Apps, z.B. dem letzten Tinder Match oder Business Kontakt auf einer Konferenz). Wie meine liebe Freundin Caroline so schön auf dem Weg zu einem Datenschutz-Event sagte (ja, ich mache Mädels-Abende auf Datenschutz-Events 😜👯‍♀️): Datenschutz ist immer nur so gut wie das schwächste Glied in der Kette. 
Und damit einen schönen Sonntag! 
Best, Ann Cathrin 

Sheera Frenkel
If you want to delete Facebook, go ahead. Just know that's a privilege. For much of the world, Facebook is the internet and only way to connect to family/friend/business. That's why its important to have a real discussion re Facebook's security/privacy issues.
7:45 PM - 18 Mar 2018
“Die bittere Wahrheit: Wenn nicht die Hälfte der Amerikaner ohnehin offen gewesen wäre für die Wahl von Trump - Cambridge Analytica hätte sich die Daten in die Haare schmieren können.” - Sascha Lobo schreibt in seiner Kolumne kurz und präzise auf wo das Problem beim ganzen Skandal liegt: im System Facebook. Es hat kein Daten-Leck und keinen Datenklau gegeben, Daten wurden von CA missbraucht und: Facebook hat sich ewig nicht um Datenschutz, Privacy und ein bisschen Ethik bei seinem Finanzierungsmodell der Werbung gemacht. Eine Übersicht über den ganzen Skandal und den Ablauf der Ereignisse, gibt es sehr schön übersichtlich bei der Washington Post
Cambridge Analytica: Der eigentliche Skandal liegt im System Facebook - Kolumne - SPIEGEL ONLINE Cambridge Analytica: Der eigentliche Skandal liegt im System Facebook - Kolumne - SPIEGEL ONLINE
Ein bisschen auf das eigene Facebook (und gesamt-surf-)Verhalten sollte man jetzt erst recht mal schauen. Thomas Hutter hat aufgeschrieben, was viele gar nicht wissen, aber wissen sollten oder vielleicht wussten, sie aber nicht gekümmer hat: die ganzen Privatsphäre- und Sicherheitseinstellungen bei Facebook. Welche Apps welche Daten abgreifen kann man schon länger einsehen - zugegeben, nicht extrem leicht zu finden, aber auch nicht kompliziert. Und wer überprüft immer, welche Daten man an Apps freigibt, wenn er oder sie sich z.B mit Facebook auf neuen Plattformen einloggt? Na? Und wer hat nicht schon mal ein “Wer ist dein Seelenverwandter?” oder “Wie sähst du aus, wenn du ein Junge/Mädchen geworden wärest”-Test gemacht? Schaut auch aufs eigene Verhalten und seid ein mündiger User 😉
Auch lesenswert ist der Artikel, weil Thomas den Medienhäusern den Spiegel vor hält. Jetzt gegen Facebook und CA schießen, aber selber die Webseiten voller Tracking-Tools haben und das Verhalten der Nutzer:innen analysieren. Ja, ja…
Facebook: Datenskandal, Account löschen, wir bezahlen mit Daten, mimimi – wir sollten alle mal Klartext sprechen Facebook: Datenskandal, Account löschen, wir bezahlen mit Daten, mimimi – wir sollten alle mal Klartext sprechen
Auch immer wieder wichtig wenn es um CA geht - und das geht es ja nicht zum ersten Mal: Facebook ist nicht Schuld am Wahlsieg von Donald Trump Punkt. Social Media mag seinen Anteil haben, aber ein Facebook Posting hat noch keine Wähler:in einfach so umgestimmt bezüglich ihrer oder seiner Wahlentscheidung. Klassische Medien, allen voran das Fernsehen, haben eine viel höhere Bedeutung und das nicht erst im Wahlkampf sondern schon davor. Mit “Reality” Formaten die falsche Tatsachen behaupten oder einfach Verhältnisse sugerrieren, die so nicht stimmen. 
Was man auch nie vergessen darf: in den USA gibt es auch ohne Facebook deutlich mehr Daten über Wähler:innen, als in Deutschland. Und wenn dann noch Daten von Bonus-Programmen wie Payback verkauft werden, ja dann hat man extrem gute Profile. 
Trump Hacked the Media Right Before Our Eyes - The New York Times Trump Hacked the Media Right Before Our Eyes - The New York Times
Weiter geht’s mit Facebook. Dass ja schon vor ein paar Wochen ankündigte, dass man jetzt mehr auf “meaningful interactions” setzen will, um der ganzen Fake News Sache Herr zu werden und somit Beiträge von Freunden mehr pushen will. Dazu gehören auch die Inhalte von Gruppen. Finde ich prinzipiell spannend. Gruppen können super sein für intensive Customer-Beziehungen, wenn man Zeit und Geld in ein gutes Community-Management steckt, kann das richtig gut sein. Aber Gruppen haben auch extrem viel Probleme, denn hier ist die Gefahr wirklich in Filter-Bubbles zu stecken deutlich höher. Gruppen werden gehijaked und vor allem: Zivilcourage ist kaum möglich. Wenn ich so an Hass-Kommentaren vorbei komme, kann ich eingreifen. In Gruppen, in denen ich nicht Mitglied bin, sehe ich den ganzen Mist nicht und es gärt vor sich hin… Ein Beispiel hatte ich letzte Woche schon im “Bottom of the letter” verlinkt: 23 Bundestagsabgeordnete der AfD waren Mitglied einer Facebook-Gruppe für Rassismus, Hetze und Mordfantasien gegen Angela Merkel
How Facebook Groups Are Being Exploited To Spread Misinformation, Plan Harassment, And Radicalize People How Facebook Groups Are Being Exploited To Spread Misinformation, Plan Harassment, And Radicalize People
Karsten Schmehl macht gerade mal wieder echt super Recherchen. Diese hier zeigt ganz schön, warum das NetzDG einfach nicht gut ist, denn es löscht einfach nur Hass, Rassismus und Antisemitismus und tut nichts gegen Ursachen. Ein Schritt wäre ja schon mal eine Strafverfolgung, anstatt einfach nur zu löschen… Aber nun ja, wie es immer so ist: aus “Angst” vorm Löschen des eigenen Hasses wandern Menschen zum russischen Netzwerk VK ab (oder zu Gab, als Alternative zu Twitter). Dort lassen sie ihren widerwärtigen Ansichten freien Lauf und ich vermute mal, die Zusammenarbeit dieser Netzwerke mit deutschen Strafverfolgungsbehörden ist um einiges schwieriger, als mit Facebook und Co. Wenn es denn zur Anzeige kommt. 
Übrigens, wenn Ihr einen super Gesetzsvorschlag als Alternative zum NetzDG sehen wollt, dann schaut Euch den Entwurf für ein Gesetz gegen Cybermobbing von Prof. Dirk Heckmann an. 
AfD-Anhänger verraten auf dem russischen Netzwerk VK, für welche Posts sie auf Facebook gesperrt wurden AfD-Anhänger verraten auf dem russischen Netzwerk VK, für welche Posts sie auf Facebook gesperrt wurden
Bevor Ihr jetzt alle in eine Depression verfallt, hier noch spannende und hoffentlich positive Entwicklungen. Instagram hat jetzt eine Shopping Möglichkeit, und Facebook will YouTube immer mehr Konkurrenz machen. Daher sollen nun Publisher gefördert werden, bzw. ein Format entstehen, mit dem sie sich finanzieren können. Ähnlich wie bei Patreon soll man hier Publisher bzw. Content-Creator mit einem Kleinstbetrag monatlich durch ein Abonnement unterstützen können. 
Facebook wants more video creators to compete with YouTube, so it’s rolling out a subscription feature - Recode Facebook wants more video creators to compete with YouTube, so it’s rolling out a subscription feature - Recode
So, und was tun wir nun? Facebook Einstellungen überprüfen! Ist ja Zeit dafür am Sonntag 😉 So geht’s:
How To Change Your Facebook Settings To Opt Out of Platform API Sharing | Electronic Frontier Foundation How To Change Your Facebook Settings To Opt Out of Platform API Sharing | Electronic Frontier Foundation
BOTTOM OF THE LETTER
anke domscheit-berg
"Natürlich müssen Kinder lesen u schreiben lernen in der Grundschule, das heisst nicht, dass sie nicht auch parallel programmieren lernen können. Es geht doch nicht um entweder oder!" - sagt @DoroBaer im #Bundestag, zu Recht.
4:27 PM - 21 Mar 2018
Sophie Passmann
So geil dass ich 2018 mit einem Stück Papier zum Amt gehe um denen zu sagen dass ich umgezogen bin damit die das, was auf dem Papier steht, in einen Computer eintippen können
8:57 AM - 19 Mar 2018
Jake Williams
If you're worried about "fake news" and "influence operations on social media" don't ask the government for more regulation. Instead, educate yourself and those around you on society, politics, science, etc. - it is far harder to manipulate someone who is educated.
10:46 PM - 17 Mar 2018
Mit Dank für das Foto an meine liebe Freundin Caroline, die es von einer Publikation der Böll-Stiftung gemacht hat.
Damit keine schlechte Laune aufkommt!
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