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Warum es letzte Woche keinen Newsletter gab... - Issue #7

Revue
 
Letzte Woche gab es keine Ausgabe - dafür erstmal ein dickes Sorry. Aber es hatte gute Gründe: Wir ha
 

Ann Cathrin's Digital Digest

April 29 · Issue #7 · View online
Eine wöchentliche Sammlung von Artikeln zur Digitalisierung, Netzpolitik und Social Media und welchen Einfluss dies alles auf unsere Gesellschaft und Politik hat.

Letzte Woche gab es keine Ausgabe - dafür erstmal ein dickes Sorry. Aber es hatte gute Gründe: Wir hatten mit LOAD, dem Verein für liberale Netzpolitik, unser 10. Real Life Treffen, inkl. Vorstandswahlen. Ich wurde zur neuen Vorsitzenden des Vereins gewählt und darf somit in die großen Fußstapfen von Jimmy Schulz treten, der sich fortan voll und ganz auf seinen Vorsitz im Ausschuss “Digitale Agenda” im Bundestag kümmern wird. Welche tollen Menschen mit mir in den Vorstand gewählt wurden, seht ihr hier und wenn ihr ihnen direkt auf Twitter folgen wollt, schaut mal hier. So einen Verein übernehmen - inklusive der ganzen Anfragen die kommen - ist ein Haufen Arbeit, auf den ich mich wahnsinnig freue, aber da blieb der Newsletter leider auf der Strecke. Ich hoffe, ihr seht es mir nach! Zwischendurch gab es noch einen Fahrradkauf, mit zwei Tage späterem Fahrradklau und eine Veranstaltung zur Digital Charta, dazu aber unten mehr. Außerdem habe ich mir das Programm der republica angeguckt und bin absolut gar nicht begeistert - also wird es hauptsächlich ein Treffen mit tollen Leuten. Sagt mir Bescheid, wenn ihr auch da seid!
Best, Ann Cathrin

Jan Böhmermann macht nicht nur recht viel und recht gute Gesellschaftskritik, er greift auch sehr häufig vernachlässigte Themen wie staatliche Überwachung oder das Hinterlassen von Spuren im Netz auf. Jetzt hat er sich mit dem Thema Hass im Netz beschäftigt, von dem er selber auch häufig Opfer wird. Nicht nur seine Beschäftigung mit dem Thema ist äußerst sehenswert, sondern auch die Doku auf die er sich häuf bezieht: Lösch dich! von Rayk Anders. Erschreckend finde ich - und das wird meiner Meinung nach viel zu wenig beachtet - dass explizit (junge) Frauen als Zielgruppe ausgemacht werden. Gerade die, die sich für Frauenrechte einsetzen. Also: wer verstehen will, wie der Hass im Netz organisiert ist und was deren Begweggründe sind, sollte sich diese Dokumentation unbedingt ansehen. 
Facebook hat seine Community-Standards veröffentlich. In sehr, sehr schlechtem Deutsch. Welchen Eindruck das auf den Willen des Milliarden-Dollar-Konzerns macht, hat Sascha Lobo in seiner Kolumne sehr schön aufgeschrieben - und ja, man bleibt verzweifelt zurück. Soo aufwendig und teuer kann eine ordentliche Übersetzung doch einfach nicht sein? Die Community-Standards offenbaren noch einiges anderes: ich sollte fortan nicht mehr mit Worten wie “du Gurke”, “du Lauch” oder “du olle Wurst” auf Facebook beleidigen, denn Beleidigungen mit Objekt-Vergleichen sind nicht gestattet. Dafür kann ich problemlos sagen “ich töte dich”, solange ich nicht explizit sage wann, wo, und mit welchem Gegenstand. Wenigstens beim “Nippel-Problem” hat Facebook dazu gelernt. Die darf frau nämlich mittlerweile zeigen, wenn sie zum Beispiel stillt
Facebook erklärt jetzt so genau wie nie, was verboten ist – und wirft noch mehr Fragen auf - Motherboard Facebook erklärt jetzt so genau wie nie, was verboten ist – und wirft noch mehr Fragen auf - Motherboard
Dass wir bei den Themen Daten sammeln und Persönlichkeits-Profile erstellen nahezu ausschließlich über Facebook sprechen, wird der Sache nicht gerecht. Diverse Unternehmen, die irgendwie digital unterwegs sind - und gerade Online-Shops - sammeln Unmengen an Daten. Einige sind ausschließlich darauf spezialisiert, so wie das Unternehmen Palantir, das von der WirtschaftsWoche ein wenig porträtiert wird und man dringend weiter und intensiver beobachten sollte.

Palantir: Im Reich der Daten-Magier Palantir: Im Reich der Daten-Magier
“To build an equitable world, which will be inhabited by women, men and machines, the global community needs to script norms around the fundamental purpose, principles of design and ethics of deployment of AI, today.” Wenn ich mal wieder über die Bedeutung von Geschlechtergerechtigkeit und Diversity spreche, verdrehen so einige die Augen. Aber gerade bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz ist dies so wichtig, bzw. wirklich lebenswichtig. Denn während einige scheinbar denken, dass sich Genderprofessor:innen den ganzen Tag darüber den Kopf zerbrechen, ob wir nun mit Unterstrich, Sternchen oder wie ich mit Doppelpunkt gendern, machen diese Wissenschaftler:innen häufig was ganz anderes. Untersuchen, wie man Herzinfarkte frühzeitig erkennt - das ist nämlich nicht gleich bei Männlein und Weiblein. Depressionen erkennt man bei den Herren ebenfalls ganz anders als bei den Damen. Wenn künstliche Intelligenzen nun mit hauptsächlich Daten von weißen Männern ab 50 gefüttert werden, bekommen wir ziemlich schlechte Behandlungsempfehlungen für schwarze Frauen Anfang 20. Übrigens ist Deutschland gar nicht so schlecht beim Thema KI wie viele meinen. Wir sind Spitze in der Grundlagenforschung und müssen das natürlich beibehalten. Und wer sich fragt, warum er oder sie von deutschen KI Produkten so wenig mitbekommt: wir veredeln in Deutschland meist existierende Produkte mit KI
AI has a gender problem. Here’s what to do about it | World Economic Forum AI has a gender problem. Here’s what to do about it | World Economic Forum
Vergangenen Mittwoch wurde die neue Version der #digitalcharta vorgestellt. Diese Charta war schon vom ersten Aufschlag an großer Mist und wurde bis jetzt wirklich nicht besser. Bernd Schlömer war zur Panel-Diskussion zur Vorstellung der neuen Version eingeladen, wobei “Diskussion” irreführend ist. Diskutiert sollte sie nämlich nicht - kritisiert werden schon gar nicht. Fragen aus dem Publikum waren nicht vorgesehen, man feierte lieber sein Werk, dass das europäische Volk nun bitte dankbar von der deutschen Elite (ja, so nannten sie sich selber dort) entgegen nehmen sollte. Natürlich wieder nur als Vorschlag. Oder zur Diskussion. Oder… ach, man weiß es weiterhin nicht genau. 
Neben der überheblichen Attitüde mancher Verfasser:innen und Initiator:innen gibt es natürlich auch inhaltlich einiges zu kritisieren. So ist in der Charta die Forderung nach Pluralität und kultureller Vielfalt in der digitalen Welt drinnen. Doch wie soll die aussehen? Wer soll entscheiden was zur Vielfalt gehört und was nicht? Justizministerin Katarina Barley, bei der Vorstellung ebenfalls auf dem Panel, forderte jüngst, dass Facebook viel mehr Gender- und Flüchtlingsthemen anzeigen solle - gerade auch an Menschen, die das doof finden. Das ist auf so vielen Ebenen unglaublich fatal. Erstens habe ich das Recht diese Themen doof zu finden, zweitens muss ich mich nicht mit allem beschäftigen, was eine Gesellschaft eventuell als Wichtig erachtet und drittens: Menschen, die Geflüchtete nicht in Deutschland haben wollen und gegen diese hetzen, werde ich mit mehr Artikeln dazu nicht zum umdenken bewegen. Ich bestärke sie eher in ihrer Wut. Für ein Umdenken brauche ich eine (meinungs-)starke Zivilgesellschaft, eben auch im Netz, in den Kommentarspalten. Steuerung von Meinung - wer steuert überhaupt? Das hört sich zu sehr nach Meinungsdiktatur an - kann niemals die Lösung sein. 
Aber zurück zur Charta - da kann man sich eigentlich über jeden Paragraphen aufregen. Und Hendrik Wieduwilt hat seiner Wut und Verzweiflung mal wieder in einem lesenswerten Beitrag Luft gemacht. 
Die Digital-Charta ist zurück und sie will noch immer Verfassung sein - Das letzte Wort Die Digital-Charta ist zurück und sie will noch immer Verfassung sein - Das letzte Wort
Dass die Datenschutzgrundverordnung vornehmlich gegen Tech-Giganten wie GAFA gerichtet ist, das unterstellen viele. Vermutlich passiert aber eher das Gegenteil: gerade Google und Facebook haben eher Vorteile durch die DSGVO, denn sie haben nicht nur eine (ja, die) Reichweite, die für Werber:innen attraktiv ist, sie genießen auch ein extrem hohes Vertrauen - trotz aller Skandale. Gravierende Nutzer:innen-Einbrüche sind nicht zu verzeichnen und durch den Log-In auf den Plattformen braucht man eben nur einmal die Verabreitung zu erlauben.
Währenddessen versucht Österreich mit nationaler Gesetzgebung die DSGVO abzuschwächen - was eigentlich europarechtswidrig ist. Welche Probleme das mit sich bringt, erklärt der Aktivist Max Schrems hier im Interview
How Looming Privacy Regulations May Strengthen Facebook and Google - The New York Times How Looming Privacy Regulations May Strengthen Facebook and Google - The New York Times
Interoperationalität zwischen einzelnen sozialen Netzwerken? Nachdem ich diese Forderung zuerst von Anke Domscheidt-Berg hörte, fordert sie nun auch Thomas Jarzombek. Kurz bedeutet das: ich soll über Facebook auch mit meinen Freunden von - ja welchem Netzwerk eigentlich? - kommunizieren können. Ganz so, wie ich als Vodafone Kundin auch eine SMS an Kund:innen anderer Anbieter schicken kann. Klingt spannend vor allem, wenn es an die Umsetzung geht. Dass so eine Interoperationalität gut für Facebook und Google sein kann, sagt dieser Artikel. Die Konzerne müssten nämlich dringend ob ihrer Größe reguliert werden - eine Interoperationalität könnte dem entgegenwirken. 
Google and Facebook will no doubt display their enormous lobbying power to kill this idea in its infancy. But they would do so at their own risk. If their monopoly is not curbed by competition, it will eventually be curbed by regulation, and experience suggests that will be worse, not only for consumers, but also for Google and Facebook themselves.
Opinion | A Way to Own Your Social-Media Data - The New York Times Opinion | A Way to Own Your Social-Media Data - The New York Times
BOTTOM OF THE LETTER
Sophie Passmann
Wie geil muss es sein für Frauen in DAX-Unternehmen, nie Schlange stehen vor der Damentoilette.
2:41 PM - 19 Apr 2018
Ann Cathrin Riedel
„Kryptowährungen kombinieren alles, was du bei Finanzen nicht verstehst, mit all dem, was du bei Computern nicht verstehst.“ Prof. Joachim Wuermeling, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank beim #GD18 https://t.co/BMvJnau4lx
2:40 PM - 17 Apr 2018
Tino Hahn
Ich war noch nie mit weniger für mich lebenswichtigen Schnüren verbunden in den letzten 30 Jahren als bei meiner Geburt. Wann halten Akkus endlich mal einen ganzen Tag?
11:46 AM - 27 Apr 2018
Der Frühling ist so richtig da!
Treffen wir uns auf der republica?
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