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Warum Deutschland dringend mit Macron enger zusammenarbeiten muss: KI, Ethik und natürlich Facebook - Issue #5

Revue
 
Auch diese Woche ging es viel um Facebook - weniger um Cambridge Analytica. Facebook gerät ganz schön
 

Ann Cathrin's Digital Digest

April 8 · Issue #5 · View online
Eine wöchentliche Sammlung von Artikeln zur Digitalisierung, Netzpolitik und Social Media und welchen Einfluss dies alles auf unsere Gesellschaft und Politik hat.

Auch diese Woche ging es viel um Facebook - weniger um Cambridge Analytica. Facebook gerät ganz schön ins straucheln. Mark Zuckerberg ließ sich von einer Reihe Journalist:innen in einer großen Telefonschalte interviewen und kündigte an, dass Facebook nun die Datenschutzrichtlinien anpassen und verbessern wird - dumm nur, dass die Änderungen, die nun gemacht werden, sowieso gemacht werden mussten, denn auch Facebook muss sich an die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) halten und entsprechende Richtline dahingehend aktualisieren. Die Änderungen haben also nichts mit den aktuellen Vorfällen zu tun und waren schon länger geplant. Aktuell kommen immer mehr Vorschläge, dass politische Werbung in Social Media, ähnlich wie in klassischen Medien, reguliert werden muss. Ich hatte letzte Woche dazu bereits einen Artikel im Newsletter und finde das Vorhaben weiterhin sehr gut. Vielleicht tut sich ja was. 
Neben einer scheinbar etwas breiteren Debatte, die nun endlich um das Thema Datenschutz und den Umgang mit Daten geht, bin ich dennoch immer wieder erschrocken, mit wie viel Unwissen über diese Themen berichtet wird. Facebook hatte kein Datenleck, es hat auch nie Daten verkauft. Solche Behauptungen von diversen Journalist:innen machen mich wirklich wütend. Dann noch der angebliche Skandal, die Post hätte Daten verkauft. Auch das stimmt nicht. Aber hängen bleiben wird diese “Information”.
Ich hoffe, Ihr habt das sonnige Wochenende genossen!
Viel Spaß beim Lesen meines heutigen Newsletters, 
Ann Cathrin

Wenn Ihr nicht viel Zeit habt etwas zu lesen, lest wenigstens dieses Interview mit dem französischen Präsidenten - wow! Ich musste mich immer wieder daran erinnern, dass es der PRÄSIDENT ist! Er scheint nicht nur die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz verstanden zu haben, sondern auch die Probleme und Fragestellungen, die sich daraus ergeben. Er sieht allerdings immer die Chancen und die Wichtigkeit, jetzt Schritt zu halten beim Thema. Besonders freut mich, dass er schon am Anfang über Werte, Ethik und Diversität spricht, die unerlässlich sind, wenn wir mit KI erfolgreich sein wollen. Und nun bitte ähnliche Töne aus Deutschland!
Auch lesen sollte man Sascha Lobos Reaktion auf dieses Interview: “Aber selbst wenn nur zehn Prozent der von Macron in seiner KI-Rede angekündigten Projekte umgesetzt werden sollten, wird der Unterschied zu Deutschland so bitter deutlich: Gestaltungswillen statt Verwaltungswillen.” Vorsicht: Die Laune ist danach wirklich etwas schlechter.
Emmanuel Macron Q&A: France's President Discusses Artificial Intelligence Strategy | WIRED Emmanuel Macron Q&A: France's President Discusses Artificial Intelligence Strategy | WIRED
Die Bedeutung von Forschung zu Künstlicher Intelligenz zeigt nochmal dieser Artikel in der SZ. Aktuell haben nur die wirklich großen Unternehmen die Datenmengen, die es erlauben, eine wirklich gute Künstliche Intelligenz zu programmieren. Doch neben dem Problem der notwendigen Datenmenge, haben wir weiterhin zwei Probleme: Transparenz, und Forschung abseits von Privatunternehmen - beides Dinge, die auch Macron ansprach. Es ist also unerlässlich, dass Europa sich - und damit seine Werte - nicht abhängen lässt. Schon gar nicht (ausschließlich) von privatwirtschaftlichen Unternehmen und Ländern wie China. 
Dass es dringend Zeit wird, über diese Themen - vor allem Transparenz und Ethik - zu sprechen, zeigen Zahlen des Economist: Künstliche Intelligenz wird in immer mehr Geschäftsberichten und Plänen genannt - vor allem steigt die Zahl innerhalb non-tech Unternehmen
Künstliche Intelligenz soll erklären, was sie tut - Digital - Süddeutsche.de
How can we fix Facebook? Eine Frage, die sich derzeit wohl sehr viele stellen. Sogar Facebook selber. Julia Angwin macht im The Atlantic vier Vorschläge, die ich prinzipiell gut finde. Höhere Strafen für nachlässigen Umgang mit Daten(lecks), politische Werbung regulieren, Facebook mit in die Verantwortung ziehen, wenn Werbung an Zielgruppen wie “Antisemiten” ausgespielt wird (den Punkt finde ich am kritischten, weil man irgendwann in Abgrenzungsprobleme kommt, z.B. wenn wir über Nacktheit und Pornografie sprechen, aber auch Terror) und die Installation eines Ethikbeirats. 
Four Ways to Fix Facebook - The Atlantic Four Ways to Fix Facebook - The Atlantic
Nächsten Monat tritt die Datenschutzgrundverordnung in Kraft und jeder, der die Daten von auch nur eines EU-Bürgers verarbeitet, muss sich fortan an die DSGVO halten. Bedeutet das auch besseren Datenschutz für alle Nicht-EU-Bürger:innen? Vermutlich ja. Amerikaner:innen (und andere) fragen daher wohl zu recht, warum nicht auch ihre Länder mehr unternehmen, um die Daten ihrer Bürger:innen zu schützen. In Amerika wurde dies erst vor wenigen Jahren erfolgreich verhindert. 
Opinion | Can Europe Lead on Privacy? - The New York Times Opinion | Can Europe Lead on Privacy? - The New York Times
Dass das Trolley-Problem nicht gut ist, um die ethischen Probleme, die es durch das autonome Fahren gibt und geben wird (und nicht nur beim autonomen Fahren, sondern bei sehr viele autonomisch handelnden Dingen), wurde schon oft gesagt, aber man kann es eigentlich nicht oft genug sagen. Was daran vor allem ein Problem ist, ist, dass solche Diskussionen und Fragestellungen die hohe Sicherheit, die wir durch maschinelle Steuerung erhalten werden, außer acht lässt. Über 90 % der Unfälle in den USA, bei denen ein:e Füßgänger:in ums Leben kam, sind aufgrund menschlichem Fehlverhaltens passiert. Wenn die künstliche Intelligenz in diesen Systemen es also schafft, dass solche menschlichen Fehler drastisch reduziert werden, können wir mit autonomen Fahren deutlich mehr Menschen retten. Dass Menschen durch solche Systeme zu Schaden kommen werden, oder gar sterben, wird sicherlich nicht auszuschließen sein. Der Blick sollte aber eher dahin gerichtet werden, wie viel Leid wir durch das Verhindern von menschlichen Fehlern vermeiden können. 
Uber and Self-Driving Cars Have More Than a 'Trolley Problem' - The Atlantic Uber and Self-Driving Cars Have More Than a 'Trolley Problem' - The Atlantic
Wenn das Internet zensiert wird, finden Menschen immer wieder Mittel und Wege, die Zensur zu umgehen. Zensur löst keine Ursachen - seien sie nun “gut” oder “schlecht”. Dass in China feministische Bewegungen nun zensiert werden ist auf zweierlei Ebenen erschreckend: dass es überhaupt Zensur gibt und dass Frauen, die für ihre Rechte kämpfen immer noch zum Schweigen gebracht werden (sollen). Spannend ist auch, dass die chinesischen Pendants zu Twitter und Co. die gleichen Probleme mit Hass und Hetze haben. 
Talking about Women’s Rights: ich habe gerade die Dokumentation “Gloria Allred - Kämpferin der Gerechten” auf Netflix geguckt. Lohnt sich!
How Feminists in China Are Using Emoji to Avoid Censorship | WIRED How Feminists in China Are Using Emoji to Avoid Censorship | WIRED
Twitter kann bei vielen Sachen behilflich sein, bei Anschlägen und anderen Katastrophen stellt sich aber in immer krasserem Ausmaß dar, dass Twitter vor allem eines tut: Falschinformationen verbreiten. Das war jüngst bei der Schießerei im YouTube Hauptquartier der Fall, aber auch gestern beim Vorfall in Münster. Neben dem Gerücht, dass es natürlich ein:e Asylbewerber:in oder sonstig:er Migrant:in gewesen sein muss, gab es auch konkrete Falschmeldungen mit Bildern des angeblichen Täters. Es hilft wohl nur, seine eigene Sensationslust in den Griff zu bekommen und Journalist:innen müssen immer vorsichtiger werden und - genau so wie jede:r Nutzer:in - Quellen immer ordentlich überprüfen. Debunking funktioniert hier nicht, da es oftmlas zu lange dauert (dazu nochmal die Studie der SNV).
The Shooting At YouTube Showed How Bad Twitter’s Misinformation Problem Is The Shooting At YouTube Showed How Bad Twitter’s Misinformation Problem Is
BOTTOM OF THE LETTER
Tino Hahn
Wenn ihr die restlichen 364 Tage im Jahr auch genauso skeptisch Dinge im Internet lesen würdet wie am 1. April, dann würde es die AfD nicht geben.
11:08 AM - 1 Apr 2018
Tanja
Die Whattsapp-Gruppen meiner Elterngeneration mit ihren Videos und Bildern sind mir eine rätselhaftere Parallelwelt als die YouTube-Stars von 13-Jährigen. Zu YouTube habe ich wenigstens theoretisch Zugang.
9:11 PM - 31 Mar 2018
Einhörnsche
An die Leute hier mit Partner: Wo legt ihr denn die ganzen „nur kurz angehabt, geht noch -Klamotten“ hin, wenn da eine 2. Person im Bett schläft?
8:14 PM - 4 Apr 2018
Genießt die Sonne!
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