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Vertrauen in Zeiten von Corona und Großartiges über diesen Newsletter - Issue #48

Ann Cathrin Riedel
Ann Cathrin Riedel
Dieser Newsletter heute war eine Quälerei. Dabei hätte ich mir mehr Mühe für gerade diese Ausgabe geben sollen. Aber es liegen zwei sehr kurze Nächte hinter mir und möglicherweise waren in einer auch ein paar Tequila-Shots involviert – man munkelt… Warum mehr Mühe? Weil Ihr es verdient habt. Und weil dieser Newsletter für den For..Net Media Award von Prof. Dirk Heckmann nominiert ist. Ich freue mich so sehr – und bin auch ehrlich stolz. Passend dazu sind es jetzt über 600 Abonnent:innen, die das, was ich hier jede Woche zusammenschreibe, lesen wollen. Danke dafür, Ihr seid toll!
Am Montag durfte ich, wie letzten Sonntag angekündigt, das erste Mal im Bundestag sprechen. Keine Anhörung, sondern im Zukunftsforum Öffentliche Sicherheit und das war eine sehr spannende und tolle Erfahrung. Ich habe über Destabilisierung von Gesellschaften durch Desinformationen gesprochen – ein Thema, das mich ja gerade sehr umtreibt – (bald gibt’s dazu was Größeres von mir bei der Friedrich-Naumann-Stiftung) und hauptsächlich dafür plädiert, dass man sich der Komplexität des Problems bewusst werden muss und die passenden Begriffe zur Beschreibung der einzelnen Phänomene und Akteure verwendet werden müssen. Denn nur so können wir zu Lösungsstrategien kommen, die wirklich funktionieren. Ich war sehr zufrieden und das Feedback war auch super.
Und es gibt noch was Freudiges zu berichten: Ich habe ja in der Ausgabe nach dem Thüringen-Mist darüber geschrieben, dass ich trotz (oder wegen) allem weitermachen will. Mir das nicht bieten lassen will, weil ich der Überzeugung bin, dass wir gute, echte liberale Politik brauchen. Das kann man ja nicht nur schreiben, das muss man ja auch tun. Also bin ich seit letztem Wochenende Teil der Freiheit und Ethik-Kommission der Freien Demokraten unter der neuen Leitung von Dr. Christopher Gohl und seit Freitag stellvertretende Vorsitzende des Bundesfachausschusses Digitale Agenda, Internet und Medien. Also, gehen wir es an (aber ich brauche wieder mehr Schlaf!).
Dann ist ja heute noch Weltfrauentag! Dazu eine großartige Buchempfehlung von einem Buch, das ich zwar noch lange nicht durch habe, aber es ist schon im ersten Viertel brillant: Invisible Women – Exposing Data Bias in a World Designed for Men von Caroline Criado Perez (gibts nun auch auf Deutsch), mit der großartigen Widmung: For the women who persist: keep on being bloody difficult. Über die Links könnt Ihr es bei der besten Buchhandlung, die auch noch von der besten und starken Frau geführt wird, kaufen: Meiner Mama.
Und nun, viel Spaß beim Lesen!
Ann Cathrin
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Die Arbeit an diesem Newsletter kostet mich einige Stunden an Arbeit. Wenn er Dir gefällt, kannst Du mich gerne mit monatlich 3,50, 5 oder 10 Euro über Steady unterstützen. Ich würde mich freuen, danke!

Julia Probst
Europa stirbt nicht an Corona-Virus. Europa stirbt an der türkischen, griechischen und bulgarischen Grenze. Da stirbt die Humanität, da stirbt alles, was Europa ausmacht. 2015 hat Europa seine helfende Hand ausgestreckt. Warum nicht jetzt auch? Was hindert Europa daran?
WHAT TO KNOW
Hier mal wieder eine Aufforderung: wenn Ihr nur einen Text lesen solltet, dann diesen hier von Adrienne Fichter! Die Digitalisierung ist politisch und sie spricht so viele Sachen so klar, durchdacht und verständlich an, die ich auch immer wieder versuche hier zu erwähnen und auf den Tisch zu packen. In dem Text gibt es das ganz kompakt. Sie sagt:
Digital mündige Bürger aber brauchen kompetente Bericht­erstattung. Nicht nur zur Meinungs­bildung, sondern um Gestaltungs­wünsche und Forderungen an die Politik und die Technologie-Konzerne zu formulieren – als User ebenso wie als Citoyenne.
Und erläutert dann anhand von Desinformationen, Hacks, den eigentlich zu stellenden Fragen bei “Daten-Skandalen” und angeblichen Manipulationen durch Micro-Targeting, oder auch nur den Möglichkeiten zur Manipulation, sowie den falsch gestallten Fragen – beispielsweise beim Thema Gesichtserkennung – die Probleme, die wir mit suboptimaler Berichterstattung durch die Medien haben und noch stärker bekommen werden. Ebenso durch falsche Fragen, die sich Politik stellt (oder gar nicht stellt). Auch Adrienne glaubt, eine demokratiefreundliche Digitalisierung ist nötig und zeigt tolle Beispiele, die hier auch schon genannt wurden: Taiwan oder der Prototype Fund. Wir müssen nur jetzt handeln, denn – wie sie zu recht am Ende sagt, regelt das sonst der Markt. Und die Ausgestaltung der Demokratie sollten wir diesem vielleicht nicht überlassen.
David Kaye, der UN-Sonderberichterstatter für Meinungsfreiheit ist besorgt über den Ausbruch des Coronaviruses unter einen Präsidenten, der die Presse diffamiert und selber Lügen beziehungsweise Desinformationen verbreitet. Ist schon Wahnsinn, in was für Zeiten wir leben. Auch für die Presse stellt sich so immer dringender die Frage, wie damit umgehen, wie darüber berichten, dass der eigene Präsident Desinformationen verbreitet? Beziehungsweise ist das den meisten schon klar, dass sie mit so einem Präsidenten anders umgehen müssen, dass ein Faktencheck bei seinen Aussagen keine Ausnahme sondern eher der Standard ist. Ich erwähnte schon mehrfach diesen Artikel, der schön erklärt, dass genau das eine Strategie der Rechten ist: Desinformationen immer und immer wieder nennen und sie von Medien weiterverbreiten lassen. Das tun sie nämlich, auch wenn sie sie in Kontext setzen beziehungsweise einen Faktencheck machen. Corona zeigt auch in westlichen Ländern, was Desinformationen bei fehlendem Vertrauen in staatliche Akteure bewirken können.
Ganz konkret sehen wir das jetzt in der Ukraine. Dort wurde eine Mail angeblich vom Gesundheitsministerium verschickt – das war aber natürlich nicht der Absender. In der Mail hieß es, dass fünf Falle von Corona in der Ukraine ausgebrochen seien, an dem Tag, an dem auf einem Kreuzfahrtschiff erkrankte, aber wieder gesunde Ukrainer zurück ins Land kamen. Menschen – das muss man sich mal vorstellen – haben den Bus mit den Rückkehrer:innen mit Steinen angegriffen und Scheiben eingeschlagen sowie Barrikaden vor Krankenhäusern errichtet. Ich schreibe besser nochmal: in was für Zeiten leben wir?! Die Menschen drehen gerade so extrem durch, man will ja gar nicht wissen was passiert, wenn eine deutlich tödlichere Epidemie um sich greift oder wirklich mal ein größerer Blackout ist. Ehrlich gesagt, macht mir das Verhalten der Menschen – und die Auswirkungen von Desinformationen und mangelndem Vertrauen in staatliche Akteure, deutlich mehr Sorgen als der Grippevirus.
Und weil es in den Komplex “Verlust von Vertrauen in staatliche Akteure” so schön rein passt, Freedom House hat einen neuen Bericht zum Zustand unserer Demokratie veröffentlicht:
“This year’s report is deeply concerning, in that it finds that we are in the 14th year of a global recession in democracy,” says Freedom House president Michael Abramowitz. “Almost twice as many countries declined in their scores this year as improved, and those declines aren’t just happening in places that you expect, like China or Russia, but also in established democracies.”
Twenty five of the 41 “established democracies” identified by Freedom House saw net losses in democracy since 2006. “The most common areas of decline,” says Repucci, “took place in functioning of government, freedom of expression and belief, and rule of law.”
A decade ago, Freedom House rated freedom in the United States on a par with nations such as Switzerland and the United Kingdom. In its latest report, the U.S. ranking has dropped 8 points, behind Slovakia and Mauritius and just ahead of Argentina and Croatia.
Letzte Woche hatte ich in der Lese-Liste den dazu passenden Bericht vom Pew Research Center drinnen: Democratic Rights Popular Globally but Commitment to Them Not Always Strong. Und genau diese Berichte sind zu einem größten Teil die Gründe, warum ich immer so Alarm schlage beim Thema Bürgerrechte. Ich hatte kürzlich eine Diskussion auf Twitter, bei der mir gesagt wurde, man mache sich keine Sorgen, nur weil Deutschland um einen oder auch nur einen halben Punkt abrutsche, wenn es um Dinge wie Internet-Freiheit geht. Ich fragte zurück, ab wann man sich denn sorgen mache, wenn es immer nur ein halber Punkt ist. Jedes Jahr. Wo ist die Grenze? Wann wird es denn kritisch? Für mich ist jedes Absinken ein Alarmzeichen, dem man jetzt sofort entgegen wirken muss – nicht irgendwann mal, weil es ja jetzt noch im grünen Bereich ist. Wenn man aber aus dem mal raus kommt – auch nur mit dem halben Punkt, dann wird es mit Sicherheit nicht leichter als jetzt, da wieder raus zu kommen. Also: achtet auf Euch und Eure Demokratie. Setzt Euch für bürgerliche Freiheiten und den Rechtsstaat ein. Eine Antwort auf meine Frage bekam ich übrigens nicht.
Irgendwie interessant: Das Thema Messenger hat man hier in Deutschland immer noch nicht so richtig auf dem Zettel (ich schreibe fleißig an meiner Publikation), in den USA werden Text-Nachrichten bei diesem Wahlkampf aber intensiv eingesetzt. Allerdings als SMS – nicht über Messenger, wie WhatsApp. Die sind ja in Indien und Brasilien bei Wahlen ein riesiger Problem gewesen, insbesondere Gruppen. Und auch hier in Deutschland kommt zumindest etwas zu Vorschein, wie sehr rechte Gruppen Messenger wie Telegram nutzen, um über die Gruppenfunktion ihre Nazi-Scheisse zu verbreiten (meine vorletzte Ausgabe). In den USA sind es aber die ganz direkten Nachrichten (WhatsApp wird in den USA beispielsweise kaum genutzt) aufs Telefon. Mangelnder Datenschutz und eine Grauzone in der Regulierung macht es möglich. So sind nämlich Robo-Calls verboten, aber eben keine SMS analog dazu. Das liegt daran, dass das Verbot schon so alt ist, da gab es noch keine SMS. Nun wird bei der FTV hart lobbyiert um diese Grauzone zu erhalten – bis zu den Wahlen wird sie sicher nicht geschlossen. Auch hier haben wir ein Problem mit Desinformationen, die so über ein Medium verbreitet werden, bei dem man viel mehr Vertrauen empfindet, als zum Beispiel beim Lesen einer Email oder eines Facebook-Posts. Wobei hier vornehmlich das Problem in der Versendung von wahren Inhalten zu bestimmten Zeitpunkten sein wird, die dann beispielsweise zum nicht wählen gehen beeinflussen. Für Kampagnen scheint das Vorgehen sehr attraktiv. Menschen interagieren deutlich mehr mit den Inhalten, als mit Inhalten aus Social Media oder Newslettern – das heißt, sie spenden eher über Aufforderungen per SMS oder werden aktive Supporter der Kampagne. Wir werden sehen, wo das hinführt, aber ich ahne schon nichts Gutes.
WHAT TO HEAR
Mit dem ist zu rechnen: Der Traum vom Quantencomputer - Das Thema | ARD Audiothek
WHAT TO WATCH
Tolle Sendung beim SWR über verschiedene Aspekte von Cyberangriffen und was die Bundeswehr kann und sollte, oder eben nicht.
WHERE TO GO
Programm | for..net
WHAT TO READ
WHAT I LIKED
genz
Nur noch kurz Die Welt retten ahja einen SCHEISS HAST DU GEMACHT TIM BENDZKO
Carlo Masala
Normalzustand (formerly known as Cluster*uck)
MadameCroissant
Als mein Freund damals das 1. Mal heimlich bei mir geschlafen hat, kam meine Mutter zu mir in den Stock. Ich stürm raus, schließ die Tür meines Zimmers und sage:

"Du kannst nich rein!"
M:"Warum?"
I: "Ich..hab Männerbesuch."

Andere Mütter:"Okay"
Meine Mutter: "HERRJE WIE VIELE?"
nori
ganzer spaß an instagram geht verloren wenn man keinen crush hat auf den man sehnsüchtig wartet dass er die stories sieht
Hassan Hassan
Unheard of — the pilgrimage site in Mecca is completely empty #Coronvirus https://t.co/fdqBxe4UUv
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Ann Cathrin Riedel
Ann Cathrin Riedel @anncathrin87

Eine wöchentliche Sammlung von Artikeln zur Digitalisierung, Netzpolitik und Social Media und welchen Einfluss dies alles auf unsere Gesellschaft und Politik hat.

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Ann Cathrin Riedel, Berlin