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The revolution will not be televised, it will be tweeted. Or instagrammed. - Issue #57

Revue
 
How many weren't filmed? Das fragten sich in der letzten Woche viele, die auf Social Media Videos von
 

Ann Cathrin's Digital Digest

June 7 · Issue #57 · View online
Eine wöchentliche Sammlung von Artikeln zur Digitalisierung, Netzpolitik und Social Media und welchen Einfluss dies alles auf unsere Gesellschaft und Politik hat.

How many weren’t filmed? Das fragten sich in der letzten Woche viele, die auf Social Media Videos von Polizeigewalt – vornehmlich gegen Schwarze – bei den #BlackLivesMatter-Demonstrationen in den USA sahen. Hier ist ein unglaublich langer Thread mit unglaublich verstörenden Bildern, der diese gefilmten Vorfälle von Polizeigewalt der letzten Tage dokumentiert. Aber eben nur die gefilmten.
Mit “viele” sind oben vor allem Menschen wie ich gemeint: Weiße, die solch eine Polizeigewalt nie erlebt haben, sehr wahrscheinlich auch nie erleben müssen. Die nicht annähernd nachempfinden können, was es heißt, von strukturellem Rassismus betroffen zu sein. „Das ist ein Schmerz, den man nicht verdrängen kann“, sagt der Fußballer Gerald Asamoah über Rassismus. Zeit also, dass wir Weiße spätestens jetzt über Rassismus, insbesondere unseren eigenen, nachdenken, reflektieren und im besten Falle handeln. Denn auch bei uns in Deutschland ist struktureller Rassismus immanent. Dabei geht es nicht nur um Schwarze Menschen, sondern eben alle, die als nicht-deutsch gelesen werden. Frauen mit Kopftuch, die keinen Job bekommen, Männer mit dunkler Haut und Bart, die keine Wohnung bekommen. Mein früherer Kommilitone und Journalist, Emran Feroz, hat genau dazu was aufgeschrieben.
Wir müssen uns vor allem Fragen, was wir Weißen Menschen selber wirklich bereit sind aufzugeben. Denn mehr Diversität fordern und auf Demos gehen ist das eine – wirklich Platz machen bei einem Job, bei einem Auftrag, einem Panel usw. ist dann wieder was anderes. Auch, wie wir darauf reagieren (siehe das Video von Carolin Kebekus unten). Da gibt es, wie ich finde, sehr viele Analogien zu diesem Artikel über Care-Arbeit: Gleichberechtigung muss weh tun. Das gilt eben nicht nur für Geschlechtergerechtigkeit.
Mehr Gleichberechtigung nachhaltig verankern heißt eben, das was getan werden muss. Von uns, der Mehrheitsgesellschaft. Nicht von denen, die von Rassismus betroffen sind. Wir müssen unsere Privilegien hinterfragen – jeden Tag (wisst Ihr zum Beispiel noch, wann Euch bewusst wurde, dass Ihr “weiß” seid? Wann ist Euch bewusst geworden, dass Euer Weiß-Sein mit einer besseren Behandlung z. B. auf dem Wohnungsmarkt einhergeht? Wenn es Euch bisher nicht bewusst war, warum nicht? (Danke Denise für die Inspiration)).
Wir müssen demonstrieren (bitte mit Abstand und Maske!). Aber uns und allen Demonstranten muss auch klar sein, dass demonstrieren für politisches vorankommen nicht reicht. Nachhaltige politische Veränderungen passieren vor allem, wenn man sie in nunmal langen, anstrengenden und zähen Prozessen in Parteien umsetzt. Denn unsere politische Willensbildung speist sich eben aus genau diesen. Daher: engagiert Euch bitte auch hier. Geht vor allem in auf den ersten Blick unsexy Gemeinderäte. Aber genau dort wird eben auch was vor Ort geändert. Zum Schluss noch ein Kommentar von Christian Bangel: “Wie viel Zeit brauchen wir noch – wir, die weißen Deutschen? Wie viel Zeit wird noch vergehen, bis der Rassismus in Deutschland auf allen Ebenen bekämpft wird, wie ein tödlicher Virus, der er ja auch ist? Darüber zu diskutieren, wann es vorbei sein wird, und nicht, ob das Problem überhaupt existiert – das wäre eine deutsche Rassismusdebatte. Eine, die diesen Namen verdient.”
Alles Liebe
Ann Cathrin
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Andy Milonakis
Congratulations to the Astronauts that left Earth today. Good choice
WHAT TO KNOW
Als “selbstverliebte Überwachungshysterikerin” beginne ich den Newsletter in der Woche der zahlreichen Proteste in den USA mit einem, der Menschen erklärt, wie sie sich während Protesten vor Überwachung schützen können. Und ja, der Artikel ist jetzt geschrieben. Für Menschen in den USA. Ist das nicht gruselig? Für Menschen in DER Demokratie. Aber es muss wohl nötig sein. Und ich möchte nicht behaupten, dass die Tipps 1:1 für Deutschland gelten (auch wenn man immer vorsichtig sein muss) – hier ist das immer noch eine ganz andere Nummer und ich mache mir diesbezüglich wenig Sorgen. ABER: das ist eben der Stand heute. Und damit das so bleibt, dafür mache ich halt mein ganzes ehrenamtliches Engagement. Für das man dann eben als “selbstverliebte Überwachungshysterikerin” bezeichnet wird (zum Glück nicht ich persönlich, aber wir alle im Kollektiv, die sich eben für Bürgerrechte im Digitalen einsetzen).
Zu den wichtigen Tipps zählt hier: Smartphone zuhause lassen. Man kann nicht nur geortet werden (z.B. über den Telekomanbieter ob man in einem Bereich, also z.B. Ausschreitungen war), Sicherheitsbehörden können dann auch das Smartphone auslesen, wenn man festgenommen wurde. Daher auch besser auf biometrische Sperren verzichten und einen PIN wählen. Der ist schwerer raus zu rücken. Euren Daumen kann man unter Zwang aufs Telefon halten. Zur Not haben Telefone auch einen Mechanismus um die biometrischen Funktionen auszusetzen und den PIN zu erzwingen. Beim iPhone muss man dafür fünfmal die Seitentaste drücken. Probiert’s mal aus.
Ein einfaches Handy sollte man aber auch nicht mitnehmen, wenn man kommunizieren muss. Denn SMS und Anrufe sind nicht verschlüsselt. Wie wichtig diese ist, habe ich hier ja schon mehrfach erwähnt. Auch die Protestierenden in Hongkong sind daher auf Messenger wie Telegram gewechselt, weil zum Beispiel WeChat nicht verschlüsselt ist und Sicherheitsbehörden Informationen abgreifen wollten. Signal ist auch ein empfehlenswerter (sogar besser als Telegram) Messenger, der jetzt sogar ermöglicht, Gesichter auf Fotos zu verwischen. Denn auch das ist wichtig: Keine Fotos auf Demos machen. Erst recht nicht für Social Media. Denn das kann einen selber gefährden, besonders aber andere. Gerade in den USA zum Beispiel Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis. Und wo wir gerade bei Verschlüsselung sind: Zoom wird in der kostenfreien Variante keine Verschlüsselung anbieten und mit Sicherheitsbehörden zusammen arbeiten. Heißt wieder mal: das Menschenrecht auf private Kommunikation gibt’s nur mit passendem Geldbeutel. Don’t use Zoom.
Noch mehr Überwachung gibt’s von oben: Drohnen bei Sicherheitsbehörden sind in den USA mittlerweile Gang und Gäbe. Auch hier werden sie eingesetzt, allerdings in einem ganz anderen Umfang aber auch hier gilt: ständig hinterfragen, kritisieren und nicht zu viel erlauben. Heißt übrigens auch für Instagrammer (ich sah’s): Demonstrationen nicht von oben abfilmen für Social Media.
Nächste Gefahr, die man vielleicht gar nicht sieht auf den ersten Blick: Google Docs. Nicht verschlüsselt, wird aber intensiv zur Organisation der Proteste genutzt. Auch Google nutzt sehr viele Daten durch die Aufrufe für sich, es kann aber auch eben passieren, dass Google den Sicherheitsbehörden Zugang zu Dokumenten geben muss. Da die nicht verschlüsselt sind, sind sie eben einsehbar. Eine Erstellerin solche Dokumente setzt trotzdem auf Google (ich kann es ihr nicht verübeln): “I guess I’ve made an implicit calculation of the risks and gains to be made. Google is so ubiquitous, it’s everywhere, and it would be hard to make something that’s accessible to everyone without using Google.”
How to Protest Safely in the Age of Surveillance | WIRED How to Protest Safely in the Age of Surveillance | WIRED
The revolution will not be televised, it will be tweeted. Or instagrammed. Social Media zeigt einmal mehr wie wichtig es ist, wenn es darum geht, Menschen, Communities, Bewegungen zu vernetzen. Jetzt, während der Black Lives Matter Demonstrationen, bzw. der Bewegung, die ja schon deutlich länger existiert, wurden zum Beispiel über Instagram wahnsinnig viele Informationen geteilt. Sei es über die Bewegung an sich, aber auch über Organisationen, an die man spenden kann, Unternehmen – gerade kleine – von Schwarzen Menschen, die man durch Käufe unterstützen kann und wahnsinnig viel Aufklärung zum Thema Rassismus. Letzten Dienstag hatte die Solidarität mit der Bewegung dann einen Hoch- und auch gleichzeitig einen Tiefpunkt. Denn unter dem Hashtag #BlackOutTuesday wurden einfach nur schwarze Kacheln gepostet um zu signalisieren, dass man sich Zeit nimmt zu zuhören, nach zu denken, zu reflektieren und zu lernen. Nur leider haben sehr viele – ich auch anfangs – auch den Hashtag #BlackLivesMatter zusätzlich verwendet. Dabei wurde eben nicht bedacht – auch nicht von mir – dass dahinter aber eigentlich wichtige Informationen, Quellen, usw. gesammelt werden. Nun wurde dieser Hashtag mit schwarzen Quadraten geflutet und alle wichtigen Inhalte quasi weggespült. Einige gingen davon aus, dass das eine orchestrierte Kampagne von Rassist:innen war, dafür gibt es aber keine Beweise. Ich glaube das auch eher nicht, sondern eher, dass es – wie auch in meinem Fall – einfach ein nicht-nachdenken war. Denn vermutlich werden Hashtags doch einfach zu selten benutzt. Gerade für wirklich wichtige Sachen. Und das ist eben auch der Luxus von Menschen wir mir und vermutlich vielen von Euch: dass man sich darüber viel zu wenig Gedanken machen muss. Aber wir sollten mehr aufpassen, nachdenken und zuhören. Auch bei der Nutzung von Social Media.
On Instagram, Black Squares Overtook Activist Hashtags | WIRED On Instagram, Black Squares Overtook Activist Hashtags | WIRED
Section 230 ist so ähnlich wie das “Notice and Takedown”-Prinzip, das wir hier in Europa kennen. Dieser TED-Talk erklärt anschaulich, wie Section 260 genau funktioniert. Ohne beides würde das Internet nicht so funktionieren wie wir es kennen. Denn beide sorgen dafür, dass Plattformen oder Provider nicht für das verantwortlich sind, was Nutzer:innen auf ihnen hochladen –solange sie davon in Unkenntnis sind. Andernfalls hätten sich weder Plattformen, noch das Internet selber so ausbreiten können. Donald Trump und Twitter haben sich letzte Woche ziemlich gefetzt und der US-Präsident wollte Section 230 aufheben lassen, weil Twitter einen seiner Tweets mit einem Fact-Check versehen hatte. Einen anderen dann später nur mit einem expliziten Klick sichtbar machte, weil Trump dort zu Gewalt aufrief. Facebook lies diesen Aufruf so stehen – Zuckerberg hält es für freie Meinungsäußerung. Dazu gleich mehr.
Trump wurde nicht von Twitter zensiert. Lesbar waren alle Tweets, aber sie konnten nicht mehr verbreitet werden. Es gibt ja – zum Glück – auch kein Recht auf Reichweite. Auch wenn das manche gerne hätten und indirekt behaupten. Trumps Wunsch, Section 230 auf zu heben, hätte aber ironischerweise vermutlich schon längst zu einer Zensur seiner Person geführt. Irritierend ist hier eher nicht, dass Twitter hier Maßnahmen bei Trump ergriffen hat, sondern vor allem warum bei ihm und nicht bei diversen anderen Personen, insbesondere Staatsoberhäuptern anderer Länder. Irans Präsident oder der der Philippinen wären nur zwei Beispiele, wo ebenfalls solche Maßnahmen bereits mehrfach angebracht gewesen wären. Ebenso ist auch die Art des Fact-Checks problematisch, wie Patrick Beuth anmerkt: Twitter hat nur Inhouse-Factchecker:innen (und man weiß nicht wie viele). Es hat also keine unabhängige Instanz die Aussagen überprüft. Außerdem wurden Informationen von eher liberalen Medien zur Verfügung gestellt – welche, die also eine:n Trump-Anhänger:in eher nicht vertrauenswürdig erscheinen. Offizielle, staatliche Informationen wurden erst nachträglich hinzugefügt und auch die Formulierung der Meldung von Twitter selber ist nicht wirklich klar formuliert und kann auch als Unterstützung der Aussage von Trump gelesen werden. Ob Fact-Checking allgemein funktioniert ist auch nicht ganz klar. Es ist wohl zu einem Teil wichtig – Debunking verbreitet aber auch immer die eigentliche Desinformation mit und das kann ebenso schaden anrichten. Ich denke auch, dass vor allem mit emotionalen Inhalten reagiert werden muss. Denn Trump-Unterstützer:innen unterstützen ihn nicht aus rationalen Gründen, bzw. halten das, was er sagt, nicht aus rationalen Gründen für wahr, sondern aus emotionalen Gründen. Emotion kann man nur schwer mit der Ratio begegnen. Ihr kennt das sicher vom Verliebtsein. Strategien gegen Desinformationen zu finden ist also weitaus komplizierter, als nur Fakten zu liefern. Charlie Watzel sagt übrigens noch in einem Kommentar in der New York Times, dass auch Journalist:innen ganz dringend ihr Verhalten überdenken müssen, denn sie tragen massiv zur Amplifizierung seiner Tweets bei. Wer sich mit dem Thema weiter beschäftigen will, dem empfehle ich “The Oxygen of Amplification” von Whitney Philips.
Facebook war da noch, das Unternehmen hat sich nämlich dagegen entschieden, Trumps Posts mit irgendwas zu versehen oder zu fact-checken. Letzteres wollten sie ja eh nicht bei Inhalten von Politiker:innen machen. Facebook-Mitarbeiter:innen sind teilweise absolut nicht einverstanden mit der Entscheidung ihres Chefs. Einige protestierten öffentlich, andere kündigten. Aber das waren im Vergleich zur Anzahl an Menschen, die für Facebook arbeiten, eher wenige. Auch ein Gespräch mit Bürgerrechtsorganisationen hat Mark Zuckerberg nicht umstimmen können. Warum? Das versucht dieser Artikel zu erklären: Denn Mark Zuckerberg Believes Only in Mark Zuckerberg.
Aktuell keimen wieder Vorwürfe auf, Plattformen wie Facebook seien zu liberal und würden nur die Inhalte von Liberalen promoten und dulden. Sie würden einen Kampf gegen Rechte, bzw. Republikaner in den USA führen. Das Gegenteil ist der Fall. Besonders diese Gruppen haben von den Social Media Plattformen profitiert.
Zeynep Tufeki schreib in diesem Stück, dass es bei der ganzen Schose gerade eigentlich gar nicht um Twitter, sondern um Facebook geht. Eine Plattform, auf die Donald Trump dringend angewiesen ist für seine Wiederwahl.
The Trump-Twitter War Shows That Section 230 Can Work Beautifully The Trump-Twitter War Shows That Section 230 Can Work Beautifully
Die Corona-App ist noch nicht da, aber das soll sie auch erst Mitte Juni. Aber der Quellcode der Apps ist veröffentlicht und wir reichlich begutachtet und diskutiert. Und so wie ich das mitbekomme, ist das wohl alles eine sehr produktive und offene Diskussion – ganz so, wie man es sich vorgestellt hat und gewünscht hat. Ich gehe auch davon aus, dass die Kritik eingearbeitet wird beziehungsweise schlüssig erklärt wird, wieso was nicht eingearbeitet wird.
Wer nochmal alles über die App lesen will, findet hier bei der Tagesschau ein wie ich finde sehr gelungenes und umfassendes FAQ. Was leider noch nicht laufen wird ist die Meldung einer Infizierung über die App. Das sollte ja eigentlich über einen QR-Code funktionieren, damit eben nicht jeder x-beliebig über die App behaupten kann, er oder sie habe Corona. Nun hapert es an der sicheren digitalen Anbindung von Laboren, so dass Betroffene eine Hotline anrufen müssen. Wie es mit Fragen geschafft werden soll, dass das System nicht manipuliert wird, bleibt abzuwarten. Pseudonyme Nutzung der App ist so eher nicht möglich.
Auch ein Gesetz wird es in Deutschland im Gegensatz zur Schweiz nicht geben. Ein solches haben nun auch Grüne Justizsenatoren und - ministerinnen gefordert, nachdem auch schon ein Vorschlag aus der Zivilgesellschaft kam.
Aktuell würden nur noch 42 Prozent der Deutschen diese Tracing App installieren. Wie viele es wirklich werden, werden wir sehen. Es sind übrigen nur 39 Prozent die sagen, sie würden sie nicht installieren. Ganze 16 Prozent haben nämlich kein Handy oder Smartphone.
Über 100 Organisationen haben sich in einem internationalen Appell zusammengeschlossen und fordern Regierungen auf, die Corona-Pandemie nicht zur Ausweitung von Überwachungsmaßnahmen zu nutzen.
In Frankreich gibt es jetzt die App und auch da sind Bürgerrechtsorganisationen besorgt wegen des Datenschutzes und der Effektivität der App. Es ist also bei weitem kein “typisch deutsches Gemecker”, wie man hier während der Debatte so gerne hörte.
Open-Source Project Corona-Warn-App Open-Source Project Corona-Warn-App
Über Feminismus und Daten wird immer mehr gesprochen – und es Bedarf auch noch mehr. Das Buch Invisible Women habe ich ja bereits mehrfach empfohlen, jetzt gibt es auch das Buch Data Feminism. Gelesen habe ich es noch nicht. Im Guardian gab es aber ein interessantes Interview mit einer der beiden Autorinnen, die nochmal zeigt und betont, dass auch Daten nie neutral sind, denn ich muss immer mehreres bedenken. Zum Beispiel von wem sie erhoben wurden oder in was für einem Umfeld:
There is a naive assumption that if you see numbers in a spreadsheet, they are real somehow. But data is never this raw, truthful input, and it is never neutral. It is information that has been collected in certain ways by certain actors and institutions for certain reasons. For example, there is a comprehensive database at the US federal level of sexual assaults on college campuses – colleges are required to report it. But whether students come forward to make those reports will depend on whether the college has a climate that will support survivors. Most colleges are not doing enough, and so we have vast underreporting of those crimes. It is not that data is evil or never useful, but the numbers should never be allowed to “speak for themselves” because they don’t tell the whole story when there are power imbalances in the collection environment.
Den beiden Autorinnen geht es auch längst nicht nur um Daten von Frauen sondern von allen marginalisierten Gruppen. Auch Rassismus ist ein großes Problem, das nicht nur in den Daten steckt, sondern eben auch in der Programmierung von Algorithmen. Dass diese häufig von Menschen entwickelt werden, die aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts und ihren fehlenden körperlichen Einschränkungen nie Diskriminierung erfahren haben, sind diverse Teams sinnvoll – aber bei weitem nicht die einzige Lösung für das Problem, sondern nur der Anfang. Es bedarf vor allem der Einbeziehung von Gruppen, die von diesen algorithmischen Entscheidungen betroffen sind. Darauf wird noch zu wenig geachtet. Wir kennen solche Verfahren aber eigentlich aus der Städte- bzw. Quartierplanung.
Catherine D’Ignazio: 'Data is never a raw, truthful input – and it is never neutral' | Technology | The Guardian Catherine D’Ignazio: 'Data is never a raw, truthful input – and it is never neutral' | Technology | The Guardian
Die Pornoindustrie ist ein Gradmesser dafür, welche Technologien wichtig werden, welche im Mainstream ankommen und genutzt werden. Das war bei schnellem Breitbandinternet so, bei der Durchsetzung der Blue Ray oder bei der Verbreitung von VR. Jetzt, während der Corona-Pandemie können auch Pornodarsteller:innen wie viele andere nicht mehr ihrer bisherigen Arbeit nachgehen, sondern müssen zuhause bleiben. Aber auch sie sind wie alle anderen auf Einkommen angewiesen – und in der Pandemie viele auf Zuneigung, Austausch und Sexualität. Mit Plattformen wie OnlyFriends bieten Pornodarsteller:innen nun vermehrt Content von sich direkt ihren Fans an. Ohne die bei klassischen Filmaufnahmen beteiligten und zwischengeschalteten Instanzen, wie zum Beispiel Produzent:innen und Labels. Das heißt für die Darsteller:innen, dass mehr Geld bei ihnen verbleibt und die Abonennt:innen (OnlyFriends funktioniert über ein Abo-Modell, bei dem man monatlich zahlt und dann Content des Anbietenden bekommt – da geht übrigens alles, nicht nur Pornografie 😉) bekommen einen persönlichen Austausch. Auch das Modell, warum Influencer:innen so gut funktionieren – gerade die, die sich wirkliche eine Community aufbauen und das heißt eben explizit mit den Leuten kommunizieren, zuhören und sich austauschen. Diese sehr personalisierten Inhalte – ich würde Newsletter wie diesen auch dazu zählen – werden in immer mehr Bereichen überaus relevant. Eben auch in der Pornoindustrie.
Porn Takes On a Personal Touch in the Pandemic - The Ringer Porn Takes On a Personal Touch in the Pandemic - The Ringer
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Wie wir das Internet zurückerobern | HCKRS #2 - HCKRS // by digital kompakt | Podcast on Spotify
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Der Kebekus-Brennpunkt zum Thema "Rassismus"
Rabiat: Infokrieger - Die neuen rechten Medienmacher | Video der Sendung vom 11.05.2020 21:05 Uhr (11.5.2020) mit Untertitel Rabiat: Infokrieger - Die neuen rechten Medienmacher | Video der Sendung vom 11.05.2020 21:05 Uhr (11.5.2020) mit Untertitel
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Sham Jaff
2020 is one hell of a lesson for all of us. I’m humbled.
katja berlin
hinter jeder erfolgreichen frau stehen tausend männer, die sagen: "halt's maul, du bist voll hässlich und dumm, so erfolgreich bist du gar nicht, hier ist ein foto meines pimmels.".
Lena blauer Haken
stellt euch vor ihr scheidet euch und ER bekommt das internet dabei ist es auch dein einziges hobby naja das ist jetzt rein hypothetisch
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Ann Cathrin Riedel, Berlin