Russland bombardiert die Ukraine - Issue #92

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Ann Cathrin Riedel
Ann Cathrin Riedel
Keiner wollte glauben, dass es wirklich passiert. Aber als wir am Donnerstagmorgen aufwachten, war es bereits passiert: Russland ist in die Ukraine einmarschiert und hat einen Krieg mit dem freien und demokratischen Land begonnen. Der Ukraine gilt meine Solidarität. Aber auch allen Russ:innen, die aktuell gegen den Krieg protestieren. Mehrere tausend sind bereits wegen ihrer Teilnahme an den Demonstrationen festgenommen worden.
Viel kann und will ich nicht zu diesem Krieg hier sagen. Das können andere viel besser – zum Beispiel die zahlreichen Journalist:innen vor Ort oder hier, die das alles einordnen und erklären. Ich möchte vor allem auf die aktuelle Kolumne von Hendrik Wieduwilt hinweisen, der nicht nur darlegt, wie wichtig es jetzt ist, eine Haltung zu haben, sondern auch sich zu informieren:
Deshalb halte ich es für komplett falsch, wenn manche jetzt den Tipp geben, zugunsten der eigenen Befindlichkeit weniger Nachrichten zu konsumieren. Das Gegenteil ist richtig: Jetzt ist Hochkonjunktur fürs Lesen, Schauen, Lernen. Es ist die richtige Zeit für Haltung im Angesicht von Rechtsbruch und Krieg. Und nicht die Zeit für Gemütlichkeit.
Daher: lest und schaut Nachrichten mehr denn je. Was belasten kann, ist Twitter und andere soziale Medien. Wenn ihr das gerade emotional nicht ertragt, lasst es. Aber hört nicht auf, Euch zu informieren. Kauft Euch eine Tageszeitung, schaut die Nachrichten im Fernsehen, hört Radio.
Informiert zu sein, kann Ängste nehmen. Und es ist auch ein Akt der Solidarität, sich mit diesem Krieg und den Hintergründen zu beschäftigen. Schließlich tobt der Konflikt seit 2014 und war den meisten von uns – seien wir ehrlich – recht egal. Wie nah die Ukraine ist, merken wir scheinbar erst jetzt.
Unten habe ich ein paar Artikel zusammengesucht, die mit diesem Krieg zu tun haben. Themen, die etwas zu wenig Beachtung finden und eben Themen meines Newsletters sind. Ich hoffe, ich kann Euch damit ein paar weitere Einblicke geben.
Ann Cathrin

Mariya Petkova
Today's Novaya Gazeta front page. The title reads "Russia bombs Ukraine" and sub, in both Russian and Ukrainian, "Novaya Gazeta considers the war madness, it does not see the Ukrainian people as enemy and the Ukrainian language as enemy language". https://t.co/HzwlEjB5wO
WHAT TO KNOW
Aktuell muss man sehr aufpassen, was für Inhalte man konsumiert und von wem sie kommen. In Zeiten wie diesen sind vertrauenswürdige Informationen wichtiger denn je. In Russland werden seit Jahren freie Medien und Journalist:innen extrem unterdrückt und ihre freie Berichterstattung eingeschränkt. Umso beeindruckender ist das Titelblatt der Novaya Gazeta oben. Wie Russlands Medien arbeiten und wie sie auch hier Einfluss gewinnen, dazu eine frisch veröffentlichte Publikation aus meinem Referat in der Friedrich-Naumann-Stiftung.
In Zeiten von sozialen Medien werde Kriege noch mehr zu einem Kampf um und mit Bildern. Während Putin über russische Medien seine Propagandastrategie verfolgt, spricht der ukrainische Präsident Selenskyj über Videobotschaften, die er über seinen Telegram(!)-Kanal und soziale Medien versendet, nicht nur mit seinem Volk, sondern auch mit dem russischen.
Während jede Menge Falsch- und Desinformationen grassieren, wird die Verifikation von Informationen immer wichtiger. Die kommen im Falles des Krieges in der Ukraine übrigens vornehmlich über TikTok und Telegram. Da eben sehr viele Desinformationen über diese Plattformen verbreitet werden, die Bilder und damit Informationen von einfachen Menschen aber wertvolle und wichtige Informationen liefern können – auch zur Verifikation “offizieller” Informationen, machen sich zig Menschen daran, diese offenen Informationen zu verifizieren. In minutiöser Kleinstarbeit und mit nerdiger Expertise in den nichtigsten Bereichen, können sie die Echtheit solcher Videos bestätigen und so einen Beitrag zur Nachrichtenlage liefern. Was Menschen alles ehrenamtlich machen, ist schon sehr beeindruckend.
Wie sehr in diesem Krieg mit Bildern gekämpft wird, zeigt auch dieses Video, das ich gerade entdeckt habe. Es ist vom ukrainischen Verteidigungsministerium (kein Blut o.Ä. zu sehen).
Wie anders dieser Krieg ist, zeigt sich auch daran, wer sich alles mobilisiert. Das Hacker-Kollektiv Anonymous hat einen Cyberkrieg gegen die Russische Föderation ausgerufen und bereits die Webseite des Verteidigungsministeriums lahmgelegt und die des Staatssenders RT (übrigens ist auch die Funke Mediengruppe Opfer von Cyberattacken, woher weiß man wohl noch nicht).
In der Ukraine selber werden Hacker und Cybersicherheitsexpertinnen dazu aufgerufen, sich an der Verteidigung der Infrastrukturen zu beteiligen und auch zurück zu hacken. Die Ukraine hat eine sehr große IT-Szene – es werden sich wohl einige finden, die dem (nicht bestätigten) Aufruf des Verteidigungsministeriums folgen können und werden.
Nicht neu und überraschend, aber nochmal der Hinweis auf Facebook und seine intransparenten Algorithmen, die like-minded Nutzer:innen zusammenbringen – was eben nicht nur bedeutet, dass Menschen die sich an Schmetterlingen erfreuen zusammenfinden, sondern vor allem Menschen gleicher politischer Gesinnung. Und das heißt nicht gutes, wenn es sich um russische Propaganda handelt.
“There is a major, major, major national security problem with Facebook with regard to its lack of transparency,” Haugen said.
“This is a very commonly used technique by Russia for influencing how politics works in its neighboring countries, in places around the world,” she said. “It’s used by China, by Iran, by our major adversaries who have come in and said: We’re going to weaponize one of the most powerful things about Western countries — their openness.”
The main resource for exposing such division-stoking weaknesses on Facebook, she said, remains Twitter. She praised Twitter’s willingness to make data on tweets public for independent analysis.
“I was shocked to find out that many influence operations on Facebook were caught via Twitter, because Twitter made data available and Facebook refused to,” said Haugen, who resigned from Facebook in May 2021.
“People would analyze those tweets and find networks. They would find sets of accounts that acted in coordinated ways to spread messages that destabilized places like Ukraine,” she said. “People would take those networks, those IP addresses and give them to Facebook and say: ‘Hey, these accounts have the same names on Facebook; these IP addresses are operating in the same places.’ The fact that we have to rely on Twitter’s good actions to keep us safe with Facebook is unacceptable.”
Frances Haugen lobt übrigens den Digital Services Act, da er genau darauf abzielt, diese Praktiken sichtbar zu machen. Plattformen müssen dann auch ein Risikomanagement machen.
Bleiben wir kurz beim Digital Services Act. Meine Kollegin Teresa Widlok und ich haben bei der FNF ein Gutachten redaktionell betreut und vorletzte Woche veröffentlicht, das sich das Dossier dahingehend angesehen hat, ob es für mehr Freiheit und Sicherheit im Netz sorgen wird. Dafür waren Fragestellungen aus Sicht liberaler Netzpolitik die Grundlage. Das Gutachten geht der Frage nach, wie die Harmonisierungswirkung des DSA auf Basis des Kommissionsentwurfs sein wird, ob der DSA gegen Overblocking wirken wird und welche Maßnahmen er gegen Desinformation ergreift.
Die für viele sicher spannendste Erkenntnis, die das Gutachten liefern konnte, ist, dass das NetzDG mit dem DSA faktisch abgeschafft wird. Der nationale Regelungsspielraum wird nur noch sehr klein sein. Der DSA wird große Teile des NetzDG ersetzen und deutlich grundrechtsschonender sein. Ich bin weiterhin überzeugt, dass der DSA ein sehr gutes Gesetz sein wird und hoffentlich international Standards für die Regulierung von Inhalten auf Plattformen legen wird.
Nochmal zurück zu Russland – und China – und ein ein bisschen größeres Bild. Beide Länder arbeiten schon lange daraufhin, das Internet nach Ihren autoritären Vorstellungen zu gestalten. Sie gehen dabei äußerst strategisch vor, insbesondere bei der Beteiligung an Arbeitsgruppen in internationalen Gremien zur Standardisierung. Beide Länder sind nicht dafür bekannt, dass sie sich für ein offenes, freies und sicheres Netz einsetzen. Vielmehr sind es gerade diese beiden Länder, die Plattformen sperren, massiv ihre Bevölkerung überwachen und Zensur betreiben. Es muss uns daher dringend viel stärker interessieren, was im Bereich der Internet Governance passiert. Dass die EU nun selber eine Strategie zur Standardsetzung vorgelegt hat und dass Standards ein Thema im transatlantischen Trade and Technology Council sind, kann nur der Anfang sein.
Moreover, just bringing Europe and the U.S. together may not be enough, as players from Asia, Africa, and the rest of the world must be involved, as well as the private sector and civil societies, in setting the standards and governance that will shape the future internet and its next-generation enabling technologies. Only than can the world build a dam against the tides of censorship and surveillance from the emerging alliance of autocratic states.
We must do so to defend and ensure a free, open, secure, and trusted future internet that supports the principles of democracy and human rights by being more open and inclusive, and differentiate that vision against the governance model promoted by China and Russia, one that is designed to censor and surveil in the pretense of security.
WHAT TO HEAR
Was Digitale Souveränität ist und wie sie die Welt verändert (mit Ann Cathrin Riedel) - Zukunft verstehen. Wie Technik die Welt verändert. | Podcast on Spotify
WHAT TO WATCH
Krieg in Europa - Das Ukraine-Drama - Weder Feinde noch Freunde - Die ganze Doku | ARTE
WHAT TO READ
WHAT I LIKED
Josie Brechner 🌺🗡
Omg I’m sorry I’m just responding to your message, we accidentally created a world where you have to keep track of 15 messaging apps at all times and also it’s been a pandemic for two years and also also I have turbo brain fog due to said pandemic
Rita Vock
Keine Angst vor Einfacher Sprache: Wirtschaftsminister Habeck übersetzt im @DLF "unbundling" mit "auseinanderklamüsern".
chompie
dentist: so, are you flossing?
me: are you using a unique password for every account?
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Ann Cathrin Riedel
Ann Cathrin Riedel @anncathrin87

Eine wöchentliche Sammlung von Artikeln zur Digitalisierung, Netzpolitik und Social Media und welchen Einfluss dies alles auf unsere Gesellschaft und Politik hat.

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Ann Cathrin Riedel, Berlin