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Ob analog oder digital: Die Guten müssen sichtbar(er) werden. #WirSindMehr! - Issue #21

Revue
 
Jetzt ist die erste Rede, die ich auf einer Demo hielt schon eine Woche her und es war natürlich nich
 

Ann Cathrin's Digital Digest

September 2 · Issue #21 · View online
Eine wöchentliche Sammlung von Artikeln zur Digitalisierung, Netzpolitik und Social Media und welchen Einfluss dies alles auf unsere Gesellschaft und Politik hat.

Jetzt ist die erste Rede, die ich auf einer Demo hielt schon eine Woche her und es war natürlich nicht schlimm - aber die Aufregung ist beim ersten Mal halt immer noch am größten. Dass ich zum Schluss gar nicht mehr so arg aufgeregt war ist auch ein Verdienst aller, die mich unterstützt haben. Sei es mit Zuspruch, Rede formulieren, Rede üben oder einem Schluck Schnaps vorher 😬 Ihr wisst wer ihr seid - danke! Wir waren irgendwas zwischen 150 bis 200 Demonstrant:innen hier in Berlin aber auch in Mainz, Frankfurt und München wurde demonstriert und meine Vorstandskollegen hielten dort ebenfalls Reden. Für unsere Kontrahenten waren es eindeutig zu wenige Menschen auf den Straßen - ihrer Meinung nach agieren ja hauptsächlich Bots gegen die Urheberrechtsreform. Dabei vergessen sie aber, dass nunmal nicht alle Gegner:innen für die Straße zu mobilisieren sind, das aber nicht heißt, dass man nicht trotzdem dagegen ist. Außerdem warte ich noch auf Zahlen der Pro-Leistungsschutzrecht und Pro-Uploadfilter Demos. Mein aktueller Kenntnisstand ist da: Null. Was nach deren Logik heißen müsste: Null Menschen befürworten Artikel 11 und 13 ¯\_(ツ)_/¯
Meine Woche startete übrigens im Bundestag mit einer Gruppe liberaler “Digital Changemaker” aus aller Welt. Sehr spanned war da zu hören, dass man sich auch in Sri Lanka mit Zensurgesetzen bzw. deren Planung auf das deutsche NetzDG beruft (“Deutschland ist doch eine liberale Demokratie, die machen doch nur gute Sachen!”) und damit Zensur in eben nicht so liberalen Demokratien oder noch schlimmer ermöglicht. Wir müssen endlich begreifen, dass das Internet nicht an der deutschen oder europäischen Grenze aufhört und dass wir Demokrat:innen, die für eine echte Demokratie in ihren Ländern kämpfen, mit solchen Zensurgesetzen und -vorhaben echt vor den Bug schießen, wenn ihre “Regierungen” solche bei uns in Europa abgucken können.
Also, starten wir in den besten Monat, den September, der jetzt schon übervoll ist, aber es ist MEIN Monat 😆🤩🤗
Ann Cathrin
P.S. #WirSindMehr! Fahrt nach Chemnitz wenn Ihr könnt. Zeigt immer und überall Haltung gegen Nazis!

Jimmy Schulz MdB hat einen ganz wundervollen, unaufgeregten und leicht verständlichen Offenen Brief zum Leistungsschutzrecht und Uploadfiltern geschrieben und erklärt damit für jede:n verständlich die Probleme. Wer noch mehr ausführliche Informationen sucht, der oder die schaue sich diese Zusammenstellung mehrer Wissenschaftler:innen an. Axel Voss hat wohl einen neuen Entwurf, der dann am 12. September zu Abstimmung steht, veröffentlicht ist er aber noch nicht. Laut Julia Reda ist er aber immer noch nicht zufriedenstellend und zieht Plattformbetreiber weiterhin mehr als notwendig in die Haftung.
Julia Reda
The new proposal by @AxelVossMdEP still makes platforms liable for all their users’ copyright infringements, with no safeguards to prevent filtering. Platforms can either filter everything or get a license for every work in the world. https://t.co/VBLzy3FC2v #SaveYourInternet
6:48 PM - 31 Aug 2018
Jimmy Schulz   –  Offener Brief zur EU Urheberrechtsreform (Upload-Filter und Leistungsschutzrecht) Jimmy Schulz – Offener Brief zur EU Urheberrechtsreform (Upload-Filter und Leistungsschutzrecht)
Unglaublich wichtige und auch in gewisser Weise spannende Fragen, die wir schnellstmöglich klären müssen: Autonome Waffen einfach zu verbieten ist zu leicht - die gibt es schon sehr lange. Die Frage nach einem Verbot muss also viel präzisier gestellt und diskutiert werden. Auch ist es meiner Meinung nach zu leicht zu sagen, es muss immer ein Mensch schlussendlich die Entscheidung treffen (Verantwortung tragen dann schon eher), weil “selbst die besten selbstlernenden Roboter […] nie ethisch und moralisch handelnde Wesen [sein können]”. Egal welchen Kriegsschauplatz man sich ansieht: Ethik und Moral waren nie dort. Der Mensch als handelndes Wesen im Krieg kann dort sicher nicht für Ethik und Moral sorgen - vielleicht aber ein Roboter und ein Algorithmus, der irgendwann in Ruhe und mit bedacht programmiert wurde? Abgesehen davon, dass es noch lange dauern wird, bis das in Perfektion klappen könnte. Ich habe keine Antworten auf die Fragen. Einfach alles zu verbieten wäre womöglich zu naiv. Wir brauchen aber dringend eine breite gesellschaftliche und Internationale Diskussion zu diesem Thema. Und schlussendlich auch so etwas wie die Genfer Konvention für ein Verbot bestimmter digitaler Waffen.
Killerroboter: Maschinen entscheiden über Leben und Tod - Digital - Süddeutsche.de Killerroboter: Maschinen entscheiden über Leben und Tod - Digital - Süddeutsche.de
Bis eine (wirkliche) Künstliche Intelligenz uns unsere Jobs wegnimmt, wird es noch eine ganze Weile dauern - und natürlich wird es bei einigen schneller gehen, bei anderen langsamer und andere werden vielleicht nie ersetzt. Wandeln werden sich Berufe und deren Ausübung aber deutlich schneller. Dass in der Medizin eine KI wie Watson von IBM eine Ärztin überflüssig macht ist noch in weiter Ferne, denn so gut ist die Maschine doch nicht. Das liegt auch an fehlenden Daten, denn eine KI kann immer nur so gut sein, wie die Daten aus der sie lernen kann. Bekommt sie zudem schlechte Daten, sind auch die Analysen der KI schlecht - ein Problem, das bei Watson vermutet wird. Für gute Daten müssen also Ärzte ziemlich sicher sein mit ihren Diagnosen. Außerdem muss natürlich weiter geforscht werden um überhaupt Gründe zu erkennen und dann Daten zuordnen zu können. Viel interessanter ist daher, dass Systeme, auch welche mit einer KI, heute unterstützend arbeiten. Z.B. beim Zählen von Entzündungsherden oder Wahrscheinlichkeiten für das Wiederaufkommen von Tumoren zu berechnen.
Zur Zukunft der Arbeit ist dieser Beitrag von Prof. Ruth Hagengruber lesenswert. Sie sagt: “
Um sie [die Zukunft der Menschen] zu meistern, werden wir in bislang unvorhergesehener Weise in Bildung und Kreativität investieren müssen, um unsere Zukunft für den Menschen lebenswert zu gestalten. Dies wird die Zukunft der Arbeit sein und sie wird täglich wichtiger.”
Medizin - Doktor KI in Ausbildung - Gesundheit - Süddeutsche.de Medizin - Doktor KI in Ausbildung - Gesundheit - Süddeutsche.de
Mehr Ethik in der Informatik, mehr Digitalisierung in den Geisteswissenschaften! Ich glaube zwar, dass es immer noch gut und wichtig ist, dass wir wirkliche Expert:innen in den einzelnen Fächern haben, aber dennoch brauchen wir Plattformen oder Menschen, die sich darum kümmern, dass ein intensiver Austausch zwischen den Disziplinen stattfindet. Wie wertvoll das ist, merke ich selber als jemand, der eine Kulturwissenschaft studierte und nun was mit Digitalisierung macht - wenn auch nicht technisch. Besonders bewusst wurde mir das, als ich zu einer Gesprächsrunde von Islamwissenschaftlern, Politikwissenschaftlerinnen und sonstigen Nahost-Expert:innen eingeladen wurde. Mit meinem Background, aber nun dem ganzen zusätzlichen Wissen bei digitalen Themen, konnte ich neue, andere Blickwinkel auf das Thema Extremismus einbringen, denn der findet sehr viel digital statt, hat aber auch massiven Einfluss auf unsere Bürgerrechte im Digitalen, die es trotz aller Gefahr zu erhalten gilt.
Ein Plädoyer für Geisteswissenschaftler: Wir brauchen mehr Philosophen | t3n – digital pioneers Ein Plädoyer für Geisteswissenschaftler: Wir brauchen mehr Philosophen | t3n – digital pioneers
In den USA wurde jetzt das erste Mal jemand durch Gesichtserkennung an der Einreise gehindert. Vielleicht ein Glücksfall, denn sonst funktioniert das mit der Gesichtserkennung nicht so blendend: “So soll die Fehlerquote eines solchen Systems bei der Polizei von Wales bei einem Champions-League-Finale 2018 bei 92 Prozent gelegen haben. Auch die Auswertung von Bildmaterial der Ausschreitungen beim G20-Gipfel 2017 in Hamburg mit dieser Methode soll kaum Ergebnisse erbracht haben.” Über die diversen anderen Fehlerquellen und die damit verbundenen Probleme habe ich bereits in vorherigen Ausgaben dieses Newsletters geschrieben. Gesichtserkennung durch den Staat halte ich für ein enormes Problem, denn im Gegensatz zu privaten Unternehmen hat dieser das Gewaltmonopol gegenüber seinen Bürger:innen. Zeit, dass dringend Gesichtserkennung (auch für den privatwirtschaftlichen Gebrauch) reguliert wird.
Gesichtserkennung an US-Flughafen hat erstmals Einreise verhindert  |
    heise online
Gesichtserkennung an US-Flughafen hat erstmals Einreise verhindert | heise online
Social Media hat den ganz wunderbaren Effekt, dass ich so weltweit Gleichgesinnte kennenlernen, mich mit ihnen austauschen und anfreunden kann. Es ist verrückt, wie sehr Menschen, die ich im Internet kennengelernt habe, heute mein Leben bereichern - nicht mehr nur digital sondern auch ganz analog. Ich liebe das Internet dafür! Was wir aber nicht vergessen dürfen ist der Austausch mit eben nicht ganz so Gleichgesinnten - und der ist oftmals schwer erträglich, ich habe selber im laufenden Jahr die Erfahrung machen müssen, obwohl ich eigentlich sagen möchte: dürfen. Denn man wächst sehr an sich durch diese Diskussionen und das Aushalten der anderen Meinung. Nachfragen, nachbohren und Nachweise einfordern (“Du hast doch dein Handy in der Hand - google und belege mir deine Behauptung”, kann Wunder wirken!). Laura-Kristine Krause hat über das miteinander Sprechen einen Gastbeitrag geschrieben und darüber, dass durch den Schwund der Mitglieder bei der Freiwilligen Feuerweher, in Kirchengemeinden und Sportverbänden der Austausch mit eben auch anderen Meinungen zunehmend weg bricht und wir so immer mehr das Gefühl haben, es gäbe nur ein Schwarz und Weiß bei Meinungen. Die Studie, die sie mit More in Common in Auftrag gegeben hat ist da sehr aufschlussreich.
Migration: Der Mythos von der zweigeteilten Gesellschaft | ZEIT ONLINE Migration: Der Mythos von der zweigeteilten Gesellschaft | ZEIT ONLINE
Messenger-Kommunikation wird immer wichtiger und spannender - aber auch gefährlicher. Fake News und Hetznachrichten finden natürlich auch darüber den Weg zu den Menschen und das ganz ohne Öffentlichkeit. So auch in Chemnitz. Über den Messenger wurden Fake News über die Tat verbreitet und zur Teilnahme an der Demo der Nazis aufgerufen (alles zu den Fake News um Chemnitz findet ihr hier). Nachrichten über z.B. WhatsApp haben noch einen ganz anderen Vertrautheits- und damit Glaubwürdigkeitsfaktor. Weswegen sie vermutlich auch so gut für die (gute) politische Kommunikation wären. Doch was tun gegen Fake News und Hetze auf Messengern? Bitte nicht auf die Idee kommen, die Nachrichten zu filtern (dazu müsste auch erst die Verschlüsselung verboten und aufgehoben werden). Es hilft vermutlich nur Bildung, Bildung, Bildung. Und Menschen die, die den Absender:innen sagen, dass es scheiße ist, was sie da verschicken. Zivilcourage also auch hier und nicht einfach weg legen, löschen und blocken. Zudem kann es vielleicht helfen, wenn andere politische Akteure ebenfalls über WhatsApp vor diesen FakeNews warnen und rechtzeitig mit Debunking darüber beginnen.
So wurden Hetznachrichten in Chemnitz nach dem Stadtfest per Whatsapp verbreitet - watson So wurden Hetznachrichten in Chemnitz nach dem Stadtfest per Whatsapp verbreitet - watson
Noch mehr Video! Nach IGTV (das wohl nur so semi-gut läuft (ich gucke es auch kaum)) gibt es nun eine eigene Videoplattform auf Facebook. Ich sehe sie als iOS-Nutzerin noch nicht, aber ich bin auch noch nicht sooo scharf darauf - bin ja selber keine große Video-Guckerin. Aber dennoch spannend! Facebook will damit YouTube angreifen, denn bei YouTube sind die ganzen Content-Creators, nicht bei Facebook. Aber auch für Unternehmen bzw. jegliche Seitenbetreiber:innen wird es spannend, denn schließlich sank die Reichweite im Newsfeed zuletzt immer weiter, Videos wurden schon dort besser promoted und nun will Facebook natürlich das neue Facebook Watch supporten. Also: Video wird immer und immer wichtiger. Jetzt braucht es die richtigen Ideen für coole Inhalte und Formate.
Konkurrenz für YouTube: Facebook startet Video-Dienst | tagesschau.de Konkurrenz für YouTube: Facebook startet Video-Dienst | tagesschau.de
Wenn wir uns angucken, was Politiker:innen in der Sommerpause so getrieben haben, dann fällt direkt auf, das Video bei ihrer Social Media Kommunikation klar im Fokus stand und vermutlich auch weiterhin steht. Ob Facebook Live, Twitter, Facebook oder Instagram überall waren Bilder und Bewegtbilder zu sehen. Dazu ein tolles Storytelling zum eigenen Wahlkreis, der den nicht nur allen anderen Followern vorstellte, sondern natürlich auch für die Bekanntheit des oder der einzelnen Politiker:in sorgte. Ein Interview auf Instagram mit Staatsministerin Doro Bär hat es sogar in die Printausgabe der Rheinzeitung geschafft.
Auf Social Media durch den Wahlkreis – Politische Kommunikation im Sommerloch | politik-digital Auf Social Media durch den Wahlkreis – Politische Kommunikation im Sommerloch | politik-digital
But all these achievements are under threat, because respect for diversity—the premise of the whole European system—is being challenged. As my countryman John Hume has said: ‘All conflict is about difference, whether the difference is race, religion or nationality. The European visionaries decided that difference is not a threat…Difference is of the essence of humanity,’ and should be respected, celebrated, and even cultivated. […]
Can we get put our hearts into this struggle? There may be no romance to a “project” or sexiness in a bureaucracy, but as the great Simone Veil said, ‘Europe is the grand design of the 21st century’. Its values and aspirations make Europe so much more than just a geography. They go to the core of who we are as human beings, and who we want to be. That idea of Europe deserves songs written about it, and big bright blue flags to be waved about.
U2-Singer Bono: Europe is a thought that needs to become a feeling U2-Singer Bono: Europe is a thought that needs to become a feeling
BOTTOM OF THE LETTER
Anne Hufnagl
Also am 5. April 2063 landen die Vulkanier, bis dahin müssen wir diese Bumsbude hier wieder auf Kurs haben!
2:27 PM - 28 Aug 2018
Anatol Stefanowitsch
Hass-Mails bekommt ja jede*r, die*der im Internet eine Meinung links von Hitler äußert, aber nachdem ich gestern kurz bei @ZDFheute zu sehen war, habe ich zum ersten Mal ein Hass-*Fax* bekommen!
8:26 AM - 28 Aug 2018
katjaberlin
also wenn man arbeitslos, ungewollt schwanger oder alleinerziehend ist, ist man selbst schuld, aber gewalttätige nazis, die den hitlergruß zeigen, können ja wegen der flüchtlingspolitik quasi gar nichts dafür?
9:21 AM - 30 Aug 2018
#WirSindMehr
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Ann Cathrin Riedel, Kemperplatz 1, 10785 Berlin