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Meine Kritik an Corona-Apps – Abseits von Datenschutz und IT-Sicherheit - Issue #52

Ann Cathrin Riedel
Ann Cathrin Riedel
“You are not working from home; you are at home during a crisis trying to work. Vielleicht ist es Luxus, gerade alleine zuhause sein zu können, niemanden versorgen zu müssen und auch niemanden da zu haben, der oder die einem so richtig auf den Keks geht irgendwann. Vielleicht auch nicht. Das muss wohl jede:r für sich selber entscheiden. Sicher ist aber, dass die Situation für alle von uns gerade nicht leicht ist, wobei ich bei mir auch gerade das Gefühl habe, dass ich mich nach nunmehr 27 Tagen zuhause an “the new normal” gewöhne. Zumindest ein bisschen, denn wirklich gut geht es mir damit nicht. Man merkt eben schon, dass eigentlich nichts normal ist, dass der Alltag nicht mehr so ist wie er ist und doch so viel psychischer Druck auf einem lastet ob der ganzen Situation in der Welt, dieser kompletten Unsicherheit bezüglich allem und sei es nur, ob der Urlaub im Sommer eigentlich stattfinden kann. Vermutlich ist das von uns allen noch die geringste Sorge. Ich habe lange sehr schlecht geschlafen, komme, wie gesagt, mittlerweile besser mit allem klar. Und doch halte ich es für wichtig, dass wir uns alle bewusst machen, dass das hier nicht normal ist. Dass wir in der Theorie vielleicht jetzt so viel Zeit hätten zum Lesen, zum Lernen, für Handarbeit oder einfach mal zur Ruhe kommen. Aber das ist nicht der Fall. Wir versuchen das alles während einer Krise zu machen und machen damit womöglich noch mehr Krise bei uns selber. Ein Teufelskreis. Also kann die Lösung nur sein: alles lassen. Nur das machen, was geht. Kein Druck. Dann halt kein Sport, dann halt kein Buch. Die Wohnung muss nicht aufgeräumt sein, wir können auch einfach nichts, wirklich nichts tun.
Warum ich Euch das schreibe? Weil ich gelernt habe, dass viele Menschen denken, sie müssten perfekt sein und bloß nie nach außen zeigen, dass sie mit einer Situation psychisch nicht klar kommen. Das müsst Ihr auch niemandem sagen oder zeigen, wenn Ihr nicht wollt. Aber es hilft zu wissen, dass es anderen auch so geht. Und hier: mir geht’s auch so wie vielleicht jemandem von Euch. Diese Euphorie, dass wir jetzt alle im Home Office so produktiv sind, das war ganz blöd und ist echt gefährlich. Wir sind es nicht, basta. Deswegen kommt der Newsletter auch immer irgendwann am Sonntag, weil es gerade nicht anders geht. Wir leben gerade in einer Krise. Nichts ist normal.
Aber: heute gibt es einen längeren Text von mir mit meiner Kritik an einer Corona-App. Auch dank vieler Gespräche in der letzten Woche. Und wieder was zu Daten und Gender, Desinformation und als Highlight: Entmystifizierung der Klopapier-Panikkäufe 🧻🧻🧻
Bleibt gesund
Ann Cathrin
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Tara
Glaube meine Umarmungen nach der Pandemie werden für immer ne Spur zu needy bleiben.
WHAT TO KNOW
Letzte Woche habe ich sehr viel über die Corona-App gesprochen. Zum einen im Gespräch bei der Friedrich-Naumann-Stiftung mit Christoph Giesa, zum anderen mit Konstantin Kuhle MdB bei Instagram Live und so beim telefonieren und Spazieren gehen mit Freund:innen. Auch mit LOAD haben wir Anforderungen an eine App veröffentlicht, unter deren Bedingungen wir die in Ordnung finden würden. Dahinter stehe ich auch und doch habe ich einige andere Kritikpunkte an einer App, bzw. digitalen Lösung gegen Corona. Wobei ich diese Kritikpunkte hauptsächlich habe, weil ich der Meinung bin, das vor dem Entwickeln eines technologischen Hilfsmittels gegen Corona noch einige Fragen mehr gestellt und andere vorab beantwortet werden müssen, bevor wir etwas entwickeln sollten, denn nur so kann eine digitale Lösung wirklichen Mehrwert haben, nur so entstehen nicht sehenden Auges noch mehr Probleme und nur so können wir ordentliche Erwartungen kommunizieren. Das heißt: Mir sind die Diskussionen um Datenschutz und IT-Sicherheit bei einer digitalen Lösung eindeutig zu wenig. Ich versuche das mal aufzuschlüsseln und hier schonmal Danke an alle, die Ihre Gedanken mit mir geteilt haben.
  1. Haben wir vorab die richtigen Fragen gestellt? Wir sprechen davon, dass wir mit Daten gegen Corona vorgehen können. Aber Mit Daten gegen Corona – das funktioniert ja aktuell nicht mal mit Medikamenten. Also was können wir tun? Wir können mit Daten beispielsweise schauen, ob sie Menschen ans Social Distancing halten und möglichst viel zuhause bleiben. Wir können aber auch versuchen Kontakte nachzuvollziehen oder mit Daten erheben, wer sich wann in einem Gebiet aufgehalten hat, in dem viele Infizierte sind. Alles legitime Fragen, für alles braucht man vornehmlich andere Daten. Dass deren Sammlung datenschutzrechtlich gut und auch sicher erfolgen kann, unterstelle ich jetzt mal, wissend, dass es auch da heftige und berechtigte Diskussionen gibt. Man könnte natürlich auch die Fragestellungen kombinieren. Dafür muss man aber vorher festlegen, was man erreichen möchte und für wen. Den einzelnen Bürger? Für Forscherinnen? Für die Regierung? 47% der Deutschen seien bereit eine “Corona-App” zu installieren. Aber wurden die auch gefragt für welchen Zweck? “Gegen Corona” wäre ja ein bisschen leicht um die Bereitschaft, Daten zu geben, zu bewerten. Also: Was wollen wir für eine Fragestellung lösen, bzw. für welche Fragestellung wären die meisten Deutschen (oder Europäer:innen) bereit, Daten zu geben?
  2. Gerade in aller Munde ist die Technologie, nicht die App, des Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing (PEPP-PT), ein Zusammenschluss aus mehreren europäischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Die haben jetzt angenommen, wir wollen verfolgen können, wer wann mit wem Kontakt hatte. Das alles anonym und sicher. OK! Klingt erstmal gut, hört sich im Großen und Ganzen auch ganz gut an. Die zugehörige App soll das Robert-Koch-Institut entwickeln, denn wie gesagt, die machen nur die Technologie dahinter und erproben gerade mit der Bundeswehr die Algorithmen, die mit Hilfe der Bluetooth-Technologie ermitteln können sollen, wie nah und wie lange man in der Nähe einer Person war, sodass eine Infizierung mit Corona möglich wäre. Auch OK. Aber: sie sagen selber, dass 60% der Deutschen diese App installiert haben müsste, damit sie gut funktioniert, also die Wahrscheinlichkeit auch hoch ist, dass sie vielen Leuten was bringt, also darüber informiert, dass jemand infiziert ist. Nun haben gerade mal 79% der Deutschen ein Smartphone, d.h. hier wird es schon knapp. Gerade mal WhatsApp reicht etwas an die notwendige Verbreitung heran, die wir für die Corona-App bräuchten, damit sie gut funktioniert. Wenn wir jetzt annähmen, dass sich die Bereitwilligkeit von 47% der Deutschen auf genau diese Art der App bezieht, sehen wir schon, dass selbst das nicht ausreicht. Und dann kennen wir das ja alle: Was wir eigentlich tun würden, aber dann schlussendlich wirklich tun, sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Man könnte die Technologie, die sie dort entwickeln aber auch einfach in andere Apps integrieren. Zum Beispiel WhatsApp. Dann hätte man die beim nächsten Update drauf und müsste bestätigen, dass WhatsApp auf Bluetooth zugreifen darf und man müsste einwilligen, dass man dieses Tracing mit machen möchte. Ginge rechtlich, aber dann müsste WhatsApp mit machen und die Leute müssten ja sagen und wenn das 100% täten, kämen wir wohl am nächsten an die 60%. Dann sagt z.B. Henning Tilmann, dass das eigentlich ins Betriebssystem direkt rein muss, diese Technologie, weil es sonst gar nicht richtig funktioniert. Dafür müssten sich Apple und Google bereit erklären, das zu machen. Das wäre dann aber ein datenschutzrechtliches Problem und auch nicht so leicht zu lösen. Und dann kommt noch das Problem des Akku-Verbrauchs hinzu: Ständig Bluetooth an – das wird ordentlich ziehen. Aber wir wollen und sollen ja eigentlich größtmöglich zu Hause bleiben, hätten also immer ne Steckdose da.
  3. Womit wir bei der nächsten Frage wären: Wenn wir eigentlich soziale Kontakte meiden sollten (und das werden wir auch mit einer technologischen Lösung müssen, denn das Virus verbreitet sich nunmal von Mensch zu Mensch, das verhindert auch keine App, sondern nur Abstand), dann werden unsere Kontakte weiterhin rar sein. Insbesondere die zu fremden Menschen und nochmal mehr die intensiven Kontakte zu fremden Menschen, bei dem das Virus überspringen kann, bzw. bei dem die Technologie dann sagen wird: ja, die zwei standen jetzt zeitlich lange genug, also mehrere Minuten und ausreichend nah beieinander, wir tauschen jetzt mal die Codes per Bluetooth aus, um uns gegenseitig zu informieren, sollte einer erkrankt sein. Die meisten Kontakte, die unter diese Kriterien fallen, sollten zwischen Menschen erfolgen, die wir kennen. Also welche, die wir im Falle einer Infektion auch anrufen könnten (gar müssten, denn das ist ja jetzt auch schon der Fall), um sie über unsere Infektion zu informieren. Wo ist also der Mehrwert der App?
  4. Damit einen kleinen Einschub zur Erwartungshaltung. Was erwarten wir eigentlich von solch einer App bzw. Technologie gegen Corona. Ich glaube (ich weiß es aber auch nicht), die meisten denken, dass danach alles wieder normal werden kann. Oder zumindest das Meiste. Das ist aber stark zu bezweifeln, denn das Virus verbreitet sich weiterhin. Was nicht heißt, dass Lockerungen bzgl. Betriebs- und Schulöffnungen nicht möglich gemacht werden können – das entscheiden zum Glück andere – aber es heißt mit Sicherheit nicht, dass wir auf den Abstand, Händewaschen, Mundschutz etc. so schnell verzichten werden können. Schaue ich bspw. in die FAZ habe ich den Eindruck, dass die Menschen denken, durch eine App allein könnten die Restriktionen gelockert werden. Das glaube ich definitiv nicht. Wohl aber, dass sie helfen können, eine zweite Welle flach zu halten, bzw. besser und schneller zu bewältigen. Das heißt aber – Erwartungsmanagement – sie bringt jetzt noch nicht viel, kann aber für die Zukunft sehr viel bringen. Sagen übrigens auch die Entwickler:innen, dass das Tracking erst für die nächste Welle wirklich was bringt.
  5. Falsche Sicherheit: Wenn ich nun die App habe und sie nutze, denke ich natürlich, dass sie mich informieren wird, sobald ich mit jemandem in Kontakt war, der mit Corona infiziert ist. Meldet sie sich nicht, gibt es auch keine Gefahr für mich, oder? Was aber, wenn ich mit jemandem lange in Kontakt war, der Corona hat, aber keine App? Oder vom Gesundheitsamt den Code bekommen hat, um zu aktivieren, dass er oder sie infiziert ist, um die Meldung an die Kontaktpersonen weiter zu geben nicht eingeben will? Denn auch das ist freiwillig. Ich habe durch den Kontakt das Virus, keine Symptome und wiege mich fälschlicherweise in Sicherheit. Oder denke, mein Husten ist nur eine Erkältung und bewege mich weiter draußen rum, weil ist ja “nur” Husten? In Österreich haben sich bisher gerade mal 100.000 Leute die dortige Corona App runter geladen. Bei etwas über 8 Millionen Einwohnern. Die 60% zu erreichen erscheint mir sehr utopisch.
  6. Was sagt mir dann überhaupt die App? Ann Cathrin, begib dich bitte in Selbstisolation? Wer überprüft das? Ist die App dann doch nicht anonym? Wenn sie mir zum dritten Mal sagt, dass ich mich in Isolation begeben soll und ich nie Symptome hatte, mache ich das das vierte Mal? Habe ich nach einer Meldung der App Anspruch auf einen Test? Bezahlt die Krankenkasse meinen Lohnausfall, wenn ich gefährdet bin laut App und wieder mal zwei Wochen in Isolation muss? Wollen wir Menschen per Push-Mitteilung, neben neuen Eilmeldungen und WhatsApp-Nachrichten darüber informieren, dass sie Corona haben könnten? Was macht das mit Menschen? Welche Informationen übermitteln wir ihnen noch? Haben wir abgeklärt, wie z.B. Alleinerziehende versorgt werden mit Kinderbetreuung etc. wenn sie sich womöglich infiziert haben (Spoiler, das hat bisher nur Bremen geregelt)? Haben wir genügend Test-Kapazitäten für all die Tests auf die die Menschen dann bei so einer Meldung meiner Meinung nach Anspruch haben sollten? Wir sollten die Kapazitäten laut einem BMI-Strategiepapier auf 200.000 pro Tag ausbauen, aktuell sind wir bei 100.000. Das heißt nicht, dass die App hier nicht helfen könnte, besser mit möglichen Infektionen umzugehen. Aber sie kann eben nur was bringen, wenn wir alles drum herum mit bedenken und eben auch ausbauen. Sonst hilft die App nicht viel.
Zum Abschluss gerne nochmal: Ich bin nicht gegen eine App. Ich halte es nur für gut, dass man sich vorab Gedanken macht, was man eigentlich will, dass man ordentliches Erwartungsmanagement macht und dass man nicht vergisst, dass es auch ein funktionierendes Drumherum, angefangen bei Test-Kapazitäten geben muss, denn sonst bringt das alles nichts. Meine Bedenken wurden zwar schon als “typisch deutsch” abgetan, aber ich glaube, wir haben langfristig mehr Erfolg, wenn wir einen Moment inne halten und uns genau überlegen, was wir wollen und wie wir das in einem Gesamtkonzept umsetzen können. Denn nur eine App funktioniert eben einfach nicht. Zumal wir mit solch einem großflächigen Tracking von Gesundheitsdaten auch ein neues Terrain betreten, das vielen grundsätzlich verändern wird. Ich hoffe zum Guten, aber dafür muss das eben wohl überlegt geschehen. Professor Kräuselich aus Heidelberg wird übrigens mit folgenden Worten in der New York Times zitiert: “Maybe our biggest strength in Germany, is the rational decision-making at the highest level of government combined with the trust the government enjoys in the population.”
Lesenswert zum Tham auch noch der baden-württembergische Landesbeauftragte für Datenschutz, Dr. Stefan Brink, zur Freiwilligkeit. Letzte Woche schrieb ich schon einiges zum Thema, unter anderem auch über die Datenweitergabe von Gesundheitsämtern an die Polizei. Das geht weiterhin nicht, passierte aber auch in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Wie Menschen so Vertrauen haben sollen, dass ihre Daten wirklich anonym sind und bleiben, ist mir schleierhaft. Hier wird versucht mit Daten, die ohne Rechtsgrundlage weitergegeben wurden, versucht, zu verhindern, dass sich Polizist:innen anstecken. Dafür hätten sie aber eigentlich Schutzkleidung haben müssen. Dass die nicht vorliegen, bzw. jetzt so teuer sind, ist übrigens Staats- und nicht Marktversagen. Laut eigenen Pandemieplänen hätten die da sein müssen, wurden aber nie auf Vorrat eingekauft.
Wer doch noch was zu Datenschutz und Corona-App lesen möchte, der oder die findet hier was. Aber auch über diesen Vorschlag kloppt sich das #TeamDatenschutz auf Twitter.
Patrick Beuth hat hier nochmal erklärt, was eigentlich die Unterschiede zwischen Mobilfunk-, GPS, Bluetooth- und WLAN-Daten sind:
Das Buch “Unsichtbare Frauen” von Caroline Criado-Perez hatte ich Euch ja schon mal empfohlen. Viola Heeger hat sie für den Tagesspiegel interviewt und in diesem Text kann man sehr gut erahnen, um was es in dem Buch geht und wie groß das Problem ist, das Cridao-Perez beschreibt. Und er passt auch in gewisser Weise zu meinem obigen Text. Zwar (ich vermute es) weniger wegen der Datenauswertung, wohl aber wegen der Wichtigkeit der Fragen, die wir uns stellen, bevor wir an einer Lösung für ein Problem arbeiten. Und ja, wir werden nie alle relevanten Fragen vorab stellen können. Ein bisschen Mühe sollten wir uns allerdings schon machen.
Welchem Geschlecht wir angehören, ist nicht der einzige Faktor, der unser Leben beeinflusst. Es macht auch einen Unterschied, ob man als weiße oder schwarze Frau durchs Leben geht. Wie hat das ihre Recherchen beeinflusst?
Sehr wenig. Nicht, weil diese Faktoren keine Rolle spielen, sondern weil dazu noch viel weniger Daten bekannt sind. Auch gilt wieder: Standard ist ein weißer Mann. Sollen die Datensätze aufgeschlüsselt werden, kann man sie mit etwas Glück in Männer und Frauen unterteilen. Aber feiner wird da nicht sortiert. Ich kann herausfinden, wie viele Professorinnen es in den USA gibt. Ich kann herausfinden, wie viele schwarze Professoren und Professorinnen es gibt. Aber nicht, wie viele schwarze Professorinnen. Entweder du bist schwarz oder eine Frau. Und das führt dazu, dass hier noch eine größere Datenlücke entsteht.
Und die Lösung? Noch mehr Daten sammeln?
Ja und nein. Wir müssen nicht nur mehr Daten und Informationen sammeln, wir müssen sie auch vernünftig aufschlüsseln. Werden Frauen und Männer einfach in eine Gruppe gepackt und untersucht, gehen wichtige Erkenntnisse unter. Daten sind grundsätzlich nicht neutral. Sie sind kein unveränderlicher Stoff, den wir einfach in der Natur finden und verarbeiten. Hinter jedem Datensatz und jeder Statistik steht eine Reihe an Fragen: Welche Daten sammele ich? Welche Fragen will ich damit beantworten? Wen befrage ich zu einem Thema? Das sind bewusste Entscheidungen, die jemand trifft. Und dabei vielleicht Frauen vergisst.
Also nochmal die dringende Empfehlung das Buch zu lesen (kann aber sehr wütend machen, Pausen einplanen!) Ist oben verlinkt, bestellt es gerne bei Mama oder bei einem Buchladen in Eurer Nähe (checkt, ob die einen Online-Shop haben oder ruft an!)
“Finland says it is the only country in the world that has defined social media as a critical operator. The role of influencers during a crisis is to disseminate information on social media.” Letztes Jahr hat man sich hierzulande noch über Rezo lustig gemacht und war gleichzeitig geschockt darüber, was so ein Influencer bewirken kann. Heute, während Corona, sieht das zum Glück in der Bundesregierung auch ganz anders aus. Ich glaube, man hat schon gemerkt, dass man sich Influencern bedienen sollte, um Informationen zu Corona zu verbreiten. Ich habe zwar bisher vornehmlich eher Videos von Bundesministerium für Gesundheit gesehen, in denen Influencer auftreten und sagen, dass sie zuhause bleiben, denn dass ihnen wie ihn Finnland regelmäßig Informationen übermittelt werden, die sie für ihre Follower posten können, aber immerhin. In Finnland wurden Influencern eine kritische Rolle bei der Verbreitung beigemessen. Richtig so, wie ich finde und sehr klug. Die Influencer machen das wohl auch ohne Geld sondern sehen das als ihre Pflicht als Bürger:in. Auch da: hohes Lob! Im Netzwerk, über das man die Informationen zum Posten bekommen kann, kann sich wohl auch jede:r der möchte registrieren und so auch mit wenigen hundert Followern Influencer sein. Finnland zeigt hier abermals, dass sie sehr kluge Strategien gegen Desinformation fahren und wissen, wie und wo man die Menschen abholen kann und muss.
In Deutschland haben wir da, trotz schneller und guter kommunikativer Aufrüstung des Bundesministeriums für Gesundheit noch einiges aufzuholen. Zum Beispiel andere kritische Institutionen wie aktuell das Robert-Koch-Institut. Die Faktenchecker:innen von Correctiv beklagen hier aktuell, dass das Institut Klärungen für Gerüchte und Falschmeldungen nicht ernst genug nehme und sogar (aus Zeitmangel) abweist, weil sie es nicht als wichtig genug erachten. Dabei brauchen die Faktenchecker:innen verifizierte Informationen und Zitate, um falsche Behauptungen zu widerlegen. Hier muss dringend aufgerüstet werden. Personell und beim Verständnis um das Problem.
It’s all fun and games bis man dann doch merkt, dass das Tool der Wahl nicht so cool bei Datenschutz und Sicherheit ist. Das ist gerade bei Zoom der Fall, das leider auch Regierungen nutzen um dort jetzt digital ihre Kabinettssitzungen abzuhalten. Weil die IDs der Zoom Calls einfach erraten werden können (um in irgendeinem zu landen) crashen Trolls Zoom-Calls, teilweise mit brutalen Material oder Pornografie. (Letzte Woche schrieb ich ja schon bzwgl. der Corona-Datensammlung: Was getrollt werden kann, wird getrollt). Zoom ist ein bisschen überfordert mit dem Ansturm auf seine Plattform. Nicht mit der Serverlast, sondern den ganzen Anforderungen und Fehlern die nun entdeckt werden. Aber es scheint zumindest, dass sie bemüht sind, dass alles schnellstmöglich zu lösen und zu korrigieren. Immerhin. Und doch sollten wir uns besser heute als morgen Gedanken darum machen, wie wir sichere europäische Systeme besser nutzen können – gerade wenn wir solche Tools für vertrauliche Gespräche und nicht just for Fun einsetzen (und selbst dann sollten vertrauliche Gespräche mit der Freundin nicht mitgehört oder gecrasht werden können).
Zum Ende räumen wir heute nochmal mit etwas Mystischem auf: Klopapier kaufen so viele, weil sie jetzt auch viel mehr und das mit der ganzen Familie zuhause sind und eben nicht mehr im Büro oder in der Schule auf Klo gehen und dort das Klopapier nutzen. Mindblown. Ja. Warum haben die Supermärkte dennoch kein mehr, schließlich gehen wir ja nicht generell mehr auf Klo, sondern nur mehr zuhause? Weil Betriebe und Schulen Klopapier nicht im Supermarkt einkaufen sondern von anderen Händlern und Herstellern und die sind eben nicht im Supermarkt. So. Aufregung um Klopapier endlich beenden und nicht mehr über die angeblich irren Mitmenschen aufregen. Damit könnte dann in meinen Rewe auch endlich wieder welches kommen. Dort gibt es nämlich seit drei Wochen keins mehr und langsam bräuchte ich welches.
WHAT TO HEAR
Corona Constitutional | Verfassungsblog
WHAT TO WATCH
“Kitas, Schulen, Geschäfte sind geschlossen, soziale Kontakte auf ein Minimum eingeschränkt. Viele sind gerade arbeits- oder auftragslos, Andere arbeiten sich gerade kaputt, um das Land am Laufen zu halten. Wie lange müssen wir diesen Ausnahmezustand aushalten und wie können wir schnellstmöglich zur Normalität zurück kommen? So viel vorweg: Es wird länger dauern, als die meisten denken.” Ich gebe zu, ich habe es noch nicht gesehen, aber das Video wurde von vielen wärmstens empfohlen. Daher:
Corona geht gerade erst los
Corona geht gerade erst los
WHAT TO READ
WHAT I LIKED
Erin 🏃🏻‍♀️🦠 Ryan
MILLENNIALS ARE APPROACHING 40. MILLENNIALS HAVE MORTGAGES. MILLENNIALS ARE GOING BALD. MILLENNIALS LIVED THROUGH RAP METAL AND YET HATE THE RADIO NOW. MILLENNIALS WILL LEAVE A BAR IF IT IS TOO LOUD. PLEASE STOP SAYING “MILLENNIAL” WHEN YOU MEAN “TWENTYSOMETHINGS”
Blocks
stayathome gedicht

ich ging hinaus
für pommes schranke
jetzt habe ich corona
danke
Müller
"Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung"

"..."

"Herr Professor?"

"..."

"Der Knopf mit dem durchgestrichenen Mikrofon, Herr Professor."
Dana Schwartz
My plan to get super hot during quarantined keeps getting derailed by my plan to sit on my couch and do nothing while I’m paralyzed by panic
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Ann Cathrin Riedel
Ann Cathrin Riedel @anncathrin87

Eine wöchentliche Sammlung von Artikeln zur Digitalisierung, Netzpolitik und Social Media und welchen Einfluss dies alles auf unsere Gesellschaft und Politik hat.

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Ann Cathrin Riedel, Berlin