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Klage gegen das #NetzDG, Hass auf die EU und Politik auf Instagram - Issue #12

Revue
 
Vielleicht ist es ja ganz gut gewesen, dass ich meinen Newsletter gestern auf dem Weg nach Thüringen
 

Ann Cathrin's Digital Digest

June 10 · Issue #12 · View online
Eine wöchentliche Sammlung von Artikeln zur Digitalisierung, Netzpolitik und Social Media und welchen Einfluss dies alles auf unsere Gesellschaft und Politik hat.

Vielleicht ist es ja ganz gut gewesen, dass ich meinen Newsletter gestern auf dem Weg nach Thüringen nicht mehr fertig bekam. Dann kann ich ihn heute direkt mit einer großartigen Nachricht starten: Jimmy Schulz und Manuel Höferlin klagen gegen das NetzDG! 🎉🎉🎉🎉Und während ich feiern gehe, dürft Ihr jetzt meinen Newsletter lesen! 
Meine Woche war so voll, ich kann gar nicht alles erzählen. Nur so viel: ich hatte so wahnsinnig tolle (und viele) Gespräche mit Stakeholdern von LOAD, noch wertvollere mit lieben Freund:innen und eine riesen Portion Mut. Ich habe es ja (noch) nicht so mit Fragen stellen auf Veranstaltungen. Aber manchmal muss das sein und dann geht es. Und in diesem Fall musste es so unglaublich dringend sein, denn ich konnte bei einem Vortrag vom PStS Stephan Mayer aus dem BMI wirklich nicht stehen lassen, dass die Cyber Security Bestrebungen seines Hauses ja ganz cool sind, ich mich aber frage, wie er diese Vorhaben mit einem Staatstrojaner technisch in Einklang bringen möchte. Er wich natürlich aus und beantwortete die Frage rein rechtlich. Wie er es sieht, dass das BSI und ZITIS beide unter dem Dach des BMI sind, durfte ich dann nicht mehr fragen. War wohl als Wohlfühlveranstaltung gedacht. Aber ich werde nicht locker lassen. 
L'Chaim, Ann Cathrin

Die DSGVO stärkt den Hass auf die EU. Und “die da oben”. Und sowieso. Ja, das was Thomas Knüwer in seinem Blog schreibt, kann ich bestätigen nach einer Woche mit vielen Gesprächen zum Thema Datenschutz auf Sommerfesten und Co. Und ich stimme dem zu, bestreite auch nicht, dass die EU, aber auch die Bundesregierung bei ihrer Kommunikation zur DSGVO ziemlich versagt hat. Ja, man hatte zwei Jahre Zeit und ich meine auch, es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen sich über neue Vorschriften zu informieren, trotzdem hätte da um einiges mehr kommen müssen. Gerade für Verbraucher:innen. Ich stimme Thomas Knüwer in allen Punkten zu, aber: diese Sache mit der Digitalisierung und dem Internet ist noch ziemlich neu. Sie ist wirklich Neuland. Nur weil die Leute heute nicht verstehen, warum die Errungenschaften für sie durch die DSGVO von Vorteil sind, heißt es ja nicht, dass man es lassen sollte, bzw. dass sie in zehn Jahren vielleicht verstanden werden. Wenn wir dann erst einen Gesetzgebungsprozess beginnen, sind wir wieder viel zu sehr den Entwicklungen hinterher - und die Frage ist, ob man ohne Verordnung überhaupt den Druck hätte, sich mit dem Thema Datenschutz zu beschäftigen und wir in zehn Jahren nicht auch ein Aufbegehren dagegen hätten…?
Übrigens noch ein anderer Punkt den ich machen möchte: wenn ich als Kleinunternehmer:in, Verein oder selbst als Mittelständler irgendwas machen möchte, muss ich mich auch damit beschäftigen und meinen Mitarbeiter:innen erklären warum und wieso sie so und nicht so handeln müssen. Als Verein und gerade als Vorstand muss ich mich mit Vereinsrecht beschäftigen (oh, hi! Und es ist so ätzend!), ich muss mich an Vorgaben und Vorschriften halten, wenn ich Lebensmittel verkaufe und herstellen will, ich muss meinen Mitarbeiter:innen erklären und darauf achten, dass sie arbeitsschutzrechtliche Vorgaben einhalten - damit ist jede:r bereit sich auseinander zu setzen und es umzusetzen. Warum nicht, wenn ich mich mit dem Arbeitsmaterial “Datum” beschäftige? Wir müssen noch viel lernen und werden uns dran gewöhnen. Aber ja, kommunikativ wurde es echt versaut. 
Das Jahr, in dem die Menschen Datenschutz zu hassen begannen – und die EU gleich mit Das Jahr, in dem die Menschen Datenschutz zu hassen begannen – und die EU gleich mit
Katarina Barley will etwas gegen Filterbubbles tun und will daher Plattformbetreibern Pluralismus vorschreiben. Wer Videos von Impfgegnern oder extremistische Videos sieht, dem werden häufig noch krassere in dieser Richtung vorgeschlagen. Auf Facebook bleibt man durch seine Likes und Freund:innen in einer Bubble. Aber wie exklusiv sind diese Bubble? Nicht so sehr, wie man immer meint - ich schreib schon mal von Michael Seemanns Erkenntnissen und abgesehen von Social Media konsumiert der oder die Deutsche an sich hauptsächlich andere Medien, vor allem TV - man kommt also durchaus mit anderen “guten” Inhalten in Kontakt. Die Frage ist, ob man es hören, verstehen und sich damit auseinandersetzen will. Denn abgesehen von der Vorgabe, dass ich auch immer die andere Meinung lesen oder hören müssen soll, so wie die Ministerin es will, was ich per se ablehne (wer entscheidet, was “das andere ist” und bei welchen Themen das notwendig ist und was sie gute “andere” Inhalte?) trifft ihr Vorschlag auch Inhalte, bei denen es eigentlich wünschenswert wäre, ähnliche Videos zu sehen, wo eine entsprechende Algorithmus Einstellung meiner Meinung nach eher schädlich wäre. Musik zum Beispiel oder Tutorials für Videobearbeitung, oder ältere Videos von Comedians, die ich mir gerade ansehe, oder einfach welche, die ähnlich gute Comedy machen. Wo würde eine Grenze gesetzt werden? Im Interview mit Hendrik Wieduwilt hat sie noch einiges mehr zu Digitalisierung und Recht gesagt:
Barley-Interview: Menschen sind nicht nur „Datenmaterial“ Barley-Interview: Menschen sind nicht nur „Datenmaterial“
Ich kann es nicht anders sagen, aber nach diesem Interview liebe ich Sophie Passmann nur noch mehr - und es ist witzig, dass ich diese Zeilen schreibe, während ich nach Sophie-Passmann-Stadt fahre (Kenner:innen wissen welche Stadt das ist). Ich packe dieses Interview hier in den Hauptteil und nicht nach unten in meine kleine “sonst noch interessant”-Linksammlung, weil ich den Teil ihres Interviews, in dem es um politische Kommunikation auf Social Media geht, so unglaublich wichtig finde. Man kann nämlich großartig Inhalte auf Instagram rüber bringen. Und man kann und man muss(!) Politik niedrigschwellig vermitteln. Ich hoffe, wir hören alle noch viel, viel mehr von ihr!
Interview mit Autorin Sophie Passmann: „Krawallige, sich selbst überschätzende Frau? Here I am!“ - Seite 0 - Magazin - Welt - Tagesspiegel Interview mit Autorin Sophie Passmann: „Krawallige, sich selbst überschätzende Frau? Here I am!“ - Seite 0 - Magazin - Welt - Tagesspiegel
Künstliche Intelligenz und Machine Learning in der Medizin. Warum Gesundheitsdaten sooo wichtig sind. Deshalb bin ich immer dafür, dass man diese Daten sammelt, solange sie keinen Personenbezug haben und eine Anonymisierung mindestens mit extrem hohem Aufwand rückgängig gemacht werden kann. Denn bei allem Datenschutz (personenbezogener Daten!), müssen wir uns bei der Ablehnung von Big Data immer fragen, was passiert, wenn wir es nicht tun? Und das wäre im Gesundheitsbereich noch viele, viele Jahre mehr, die wir brauchen um Krankheiten zu heilen, besser zu verstehen oder besser zu therapieren. 
Our freedom to express ourselves online is under threat in the EU. On June 20, it will come down to every single vote. #SaveYourInternet
Artificial intelligence will improve medical treatments - From A&E to AI Artificial intelligence will improve medical treatments - From A&E to AI
Daten sind das neue Öl? Eine Steuer auf Daten? Nein, nein, nein. 
Warum ist eGovernment mehr als nur ein Selbstzweck und welche Auswirkungen hat die Tallinn-Declaration? Das hat Lena-Sophie Müller aufgeschrieben und begeistert damit wieder einmal für das Thema eGovernment. Ihr solltet Euch auch davon begeistern lassen, denn sie sagt zu recht, dass wir dringend ein bisschen Digitalisierungsstress brauchen, um hier in Deutschland bei dem Thema voran zu kommen. Auch ihren Denk-Impuls am Ende solltet Ihr Euch auf keinen Fall entgehen lassen 😉
Der Staat im Digitalisierungsstress?
By one estimate, political campaigns in the United States will spend an estimated $8 billion on advertising in 2018. But it is likely to be less than 1/25th of total advertising spending for the year, and new technologies are likely to be deployed more frequently on consumers than voters.
Vor ein paar Wochen hatte ich bereits einen Artikel zu Bots und Manipulation beim Thema Homöopathie hier im Newsletter. Das Thema Fake und Manipulation nur im Bereich Politik zu betrachten kommt zu kurz. 
What Advertising History Says About the Future of Fake News - The New York Times What Advertising History Says About the Future of Fake News - The New York Times
Jetzt spricht sich Horst Seehofer auch noch für Upload-Filter aus. Fragt sich denn nicht mal einer, ob es sinnvoll ist, so viele unserer Freiheiten, allen voran die Meinungsfreiheit so sehr einzuschränken? Ist es nicht das, was die Terrorist:innen erreichen wollen? Was ist überhaupt mit Videomaterial das Oppositionelle hoch laden, das man als Terror im ersten Moment werten könnte, aber vielleicht Beweismaterial für Gräueltaten ist, das hochgeladen wurde, um es zu sichern? Die Filterung ist nicht so einfach, wie man es sich immer denkt und ich hoffe, dass der Tag, an dem das so manchem klar wird, ziemlich schnell kommt.  
Terrorinhalte: Seehofer fordert gesetzliche Pflicht für Uploadfilter - Golem.de Terrorinhalte: Seehofer fordert gesetzliche Pflicht für Uploadfilter - Golem.de
Übrigens 😉
Our freedom to express ourselves online is under threat in the EU. On June 20, it will come down to every single vote.  Call your MdEP! #SavetheInternet #Uploadfilter 
Julia Reda   –  What’s really behind the EU law that would “ban memes” – and how to stop it before June 20 Julia Reda – What’s really behind the EU law that would “ban memes” – and how to stop it before June 20
BOTTOM OF THE LETTER
Lars Zimmermann
Bei aller Begeisterung für #KI: keine der strategisch wichtigen Herausforderungen Deutschlands oder der EU kann durch KI gelöst werden.
9:58 AM - 8 Jun 2018
Katharina Nocun
Man sieht sich immer mindestens zweimal im Leben. - Außer Menschen, denen man Bücher geliehen hat. Die lösen sich einfach in Luft auf.
2:39 PM - 6 Jun 2018
Stephan Dörner 🇪🇺
Witzig, dass das Whatsapp-Verbot von Conti so eine riesige Nachricht wurde. Ein ähnliches Verbot besteht in vielen großen Unternehmen schon lange. Bei Daimler z.B. nutzen alle Mitarbeiter seit Jahren Threema für Smartphone-Kommunikation. War das mal eine Meldung?
12:10 PM - 6 Jun 2018
Enjoy each day!
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