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Haltung, Baby! Demokratie retten - auch mit Social Media! - Issue #16

Revue
 
Aushalten was das Thema meiner Woche. Die Hitze und die Wut, die unerträgliche Wut wegen #MeTwo und d
 

Ann Cathrin's Digital Digest

July 29 · Issue #16 · View online
Eine wöchentliche Sammlung von Artikeln zur Digitalisierung, Netzpolitik und Social Media und welchen Einfluss dies alles auf unsere Gesellschaft und Politik hat.

Aushalten was das Thema meiner Woche. Die Hitze und die Wut, die unerträgliche Wut wegen #MeTwo und dem Nicht-verstehen und vor allem Nicht-zuhören-wollen - ganz so wie bei #MeToo - von so vielen eben Nichtbetroffenen. Dabei wäre es ein leichtes, sich einfach mal die Storys durchzulesen. Das Erlebte hat auch größtenteils nichts mit fehlendem Willen oder Bemühen zu tun. Ganz besonders nicht, wenn die Erfahrungen als Kind gemacht wurden und Lehrer:innen ihnen einredeten, dass man irgendwas nicht könne. Fehlt es so Vielen an Freund:innen mit Migrationshintergrund um jemals von solchen Vorfällen gehört zu haben? Wenn schon Bundestagsabgeordnete öffentlich vom Rassismus, der ihnen widerfahren ist oder widerfährt, sprechen, kann an der Haltung, man müsse sich doch einfach nur bemühen, nicht viel Wahres liegen.
Warum das Thema Rassismus hier in einen Newsletter zur Digitalisierung rein gehört? Weil es bei mir auch um die Gesellschaft geht - und #MeTwo ist nunmal auch eine digitale Aktion. Außerdem ist es mir in diesen Tagen mehr als wichtig aufzustehen und Haltung zu zeigen. Das muss jede:r tun, auch DAX-Konzernchefs. Und ganz genau so, wie wir als Frauen bei #MeToo Männer als Verbündete brauchen, brauchen Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen, die eben nicht nur Deutsche sind, jetzt Weiße, die öffentlich für ihre Belange eintreten.
Sonst wird das nämlich auch mit der Digitalisierung nichts.
Ann Cathrin

Kübra Gümüşay
Können wir bitte einmal aushalten, dass hier von Tausenden ein Problem benannt wird? Rassismus. Registieren. Überlegen, wie wir unsere Gesellschaft konstruktiv & nachhaltig gestalten können. Umsetzen. Dann können wir gerne zusammen davon schwärmen, weshalb es hier toll ist.
5:22 PM - 28 Jul 2018
Ich werde nicht müde es zu sagen: wir brauchen - auch und vor allem im Social Web - eine aktive Zivilgesellschaft. Und dabei geht es nicht mehr nur um Alternativen zum NetzDG, nein, und das mag jetzt vielleicht pathetisch klingen, es geht um nicht weniger als den Erhalt unserer Demokratie. “Demokratie ist mehr als die bloße Stimmabgabe” - dazu durfte ich gerade in Tübingen einen Aufsatz schreiben. Und ja, Demokratie ist auch mehr als Gewaltenteilung. Demokratie bedeutet meiner Meinung nach in diesen Tagen vor allem, den Mund auf zu machen. Stellung beziehen, Haltung zeigen. Die Zeiten der schweigenden Mehrheit sind absolut vorbei und meine Erfahrung zeigt mir: noch bevor jemand einen meidet, weil man ihm oder ihr auf die Füsse getreten ist, werden einen die Mitmenschen vor allem für das Haltung-haben und dafür einstehen schätzen. Diese Haltung brauchen wir nicht nur bei Themen wie Rassismus, Antisemitismus, Sexismus oder Homophobie. Diese Haltung und das Erheben der Stimme brauchen wir auch bei dem Erhalt unserer Bürgerrechte. Das mag anstrengend sein, aber als Demokrat:innen haben wir keine Wahl mehr.
Zur Lethargie der politischen Elite und warum weit mehr als “Pfui” und “Buh” kommen muss, gerade wenn Steve Bannon offen ankündigt, was er mit seinem “The Movement” vor hat, sollte man auch unbedingt diese Kolumne lesen.
Aufstehen sollten auch so einige andere. Dass der Siemens Chef Joe Kaeser keine Unterstützung durch die anderen DAX-Chefs bekommt, halte ich für eine Schande.
Mesut-Özil-Debatte: Wir schweigen Extremisten an die Macht - Kolumne - SPIEGEL ONLINE Mesut-Özil-Debatte: Wir schweigen Extremisten an die Macht - Kolumne - SPIEGEL ONLINE
Damit zum NetzDG: Google (YouTube), Facebook und Twitter haben ihre Lösch-Zahlen veröffentlicht. Was erstaunt und auffällt: Facebook löscht kaum nach NetzDG - YouTube dafür um so mehr. Woran das liegt? Der Meldeprozess ist bei Facebook (und auch bei Twitter) unglaublich lang und die Einordnung, aus welchem Grund der gemeldete Inhalt denn strafbar sei, fällt sicher nicht jedem bzw. jeder leicht. Ich habe auch einmal nach NetzDG gemeldet und ja, puh. Da denkt man mindestens zweimal, ob man noch die nächste Seite Formular ausfüllen sollte, oder es einfach lässt.
Viel bedenklicher ist aber, dass nun jede Menge nach den Gemeinschaftsstandards gelöscht wird. Auch legitime Meinung - die einem politisch nicht unbedingt gefällt, aber nun mal ihre Berechtigung hat. Wer kontrolliert was in einem öffentlichen Raum gesagt wird? Beim NetzDG habe ich das Recht zur Beschwerde bei fälschlichem Löschen - was mache ich, wenn nach Gemeinschaftsstandards eine Meinung gelöscht wurde? Das soll ganz und gar nicht heißen, dass das NetzDG gut ist. Das soll lediglich heißen, dass wir uns überlegen müssen, wie Meinungen in einem öffentlichen Raum wie auf Facebook erhalten werden können (und evtl. mit Gegenrede konfrontiert werden), dabei aber kein Privatkonzern entscheidet, was eine (politisch) legitime Meinung ist. Auch Reporter ohne Grenzen teilen diese Sorge.
Facebook löscht Meinungen nach eigenen Regeln Facebook löscht Meinungen nach eigenen Regeln
Über künstliche Intelligenz wird immer mehr berichtet und die Menschen lieben Untergangsszenarien und Dystopien. Sie lieben sie nicht nur, sie glauben sie eben auch. Gerade wenn es um die Übernahme der Macht durch Maschinen geht. Ich habe auch schon Leute getroffen, die der festen Überzeugung sind, dass wir nichts mehr in der Hand haben und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis wir komplett von Maschinen gesteuert sind. Wahr ist, dass immer mehr automatisiert wird und Entscheidungen von Algorithmen getroffen werden, die wir nicht mehr nachvollziehen können. Deswegen ist es um so wichtiger, dass wir heute (und nicht morgen) intensiv über ethische Fragen in der Digitalisierung sprechen und uns auch überlegen, ob gesetzliche Lösungen aus der analogen Welt noch die richtigen für die digitale sind. Auch im Text kommt diese Forderung auf. Politische Entscheidungsträger würden viel zu häufig über die Rechte von Robotern sprechen. Stattdessen müsse man intensiv über mögliche Diskriminierungen durch Algorithmen sprechen.
Auch ein anderer Punkt ist meiner Meinung nach der wichtig in diesem Artikel, der sich hauptsächlich mit schlechten Artikel über künstliche Intelligenz beschäftigt. Journalist:innen haben oftmals nicht die Zeit aufgrund von ökonomischem Druck, sich intensiv mit Tech-Themen (und das war schon ein Problem mit Facebook und Camebridge Analytica) auseinander zu setzen. Ihnen fehlen einfach die Ressourcen. Aber auch die Wissenschaftler:innen müssen lernen, ihre Erkenntnisse besser und vor allem für Journalist:innen, die eben nicht so tief in der Materie sind, aufzubereiten.
'The discourse is unhinged': how the media gets AI alarmingly wrong | Technology | The Guardian
Seit den Flugtaxis weiß man ja: Digitalisierung bedeutet für viele bloß Breitbandausbau. Dass die Dinger keine Utopie mehr sind, sondern bereits getestet werden und flugfähig sind, das hat hier in Deutschland kaum jemand zuvor gewusst. Und ist vielleicht auch jetzt für viele immer noch Jahrzehnte weit weg. Deutschland tut sich schwer mit der Digitalisierung. Das zeigten auch Artikel, die ich vergangene Woche im Manager Magazin las. In kaum einem Aufsichtsrat sitzen wirkliche Digitalisierungsexpert:innen. Wie deutsche Unternehmen so den Wandel gestalten wollen, ist mehr als fraglich. Es ist eben nicht nur die Politik, es sind wir alle, die Angst vor dem Wandel haben und sich nicht mit den Fragen der Digitalisierung auseinandersetzen wollen. Es ist eben weitaus mehr, als ein Stück Papier zum PDF zu transformieren. Ein anderer Artikel im Magazin zeigte, wie sehr deutsche Unternehmen auch Angst vor der digitalen Kommunikation und vor allem dem Austausch, sprich, dem Dialog auf den sozialen Medien haben. Die Bedeutung der Kanäle ist vielen weiterhin nicht bewusst. Man hat Angst, als Person, als Vorsitzende:r dort präsent zu sein und für die Unternehmenskommunikation setzt man weiterhin Praktikant:innen ein - kein Wunder, wenn es dann Ärger durch misslungene Tweets gibt. Dabei wären die Vorteile für alle Beteiligten gigantisch - wenn man sich denn traut…
Wie sehr die deutschen DAX-Unternehmen bereits digitalisiert sind, steht in dieser neuen Studie. Und ich nehme es mal vorweg: zwei Drittel sind unterdurchschnittlich oder schlechter.
Deutschland hat zu viele alte Strukturen und zu wenig Mut Deutschland hat zu viele alte Strukturen und zu wenig Mut
Die Cyber- und Sicherheitsarchitektur Deutschlands. Tolle Übersicht der Zuständigkeiten der Stiftung Neue Verantwortung. Zum Papier mit den Erläuterungen geht’s hier.
Während des Wahlkampfs der Oberbürgermeisterwahl in Freiburg durfte ich schon die Social Media Aktivitäten der Kandidat:innen für die Badener Zeitung kommentieren. Schon dort hat der neue Oberbürgermeister Martin Horn eine ziemlich gute Figur gemacht. Facebook-Live Bürgersprechstunden oder allgemein Q&A’s empfehle ich meinen Kund:innen sehr gerne - aber es trauen sich noch zu wenige. Ich halte solche Live-Sessions für ein super Format und es bringt auch endlich mehr “social” in die deutsche Social Media Kommunikation.
Freiburgs neuer OB Horn macht Sprechstunde über Facebook - WELT Freiburgs neuer OB Horn macht Sprechstunde über Facebook - WELT
Wie wichtig gute Social-Media-Arbeit gerade für Politiker:innen ist, zeigt Mathias Richel in seinem Blogbeitrag, den er zum Statement von Mesut Özil in den sozialen Medien verfasste. Für viele ist das kleine Zitat irgendwo in einer Randspalte in einer Zeitung noch immer wertvoller als ein Statement über einen Tweet, das viel mehr Menschen zu Gesicht bekommen werden - vermutlich, weil der Zeitungsschnipsel im Pressespiegel landen wird, der Tweet nicht. Dass Tweets da vielleicht auch rein sollten, sollte eigentlich im Jahr 2018 klar sein - ist aber wohl noch völlig utopisch. Mathias sagt, was ich auch immer sagen muss: die AfD hat es technisch leider drauf Social Media zu nutzen. Und so viele andere Akteure könnten die sozialen Median für ihr Agenda Setting nutzen. Es wird aber weiterhin zu sehr belächelt.
Klick it like Özil: Leitmedium Social Media. – Richel, Stauss Klick it like Özil: Leitmedium Social Media. – Richel, Stauss
¯_(ツ)_/¯
Denn das ist die Triebfeder einer pluralen Demokratie, auf der eben auch das Internet beruht: dass man sich mit anderen Perspektiven konfrontiert und seine Meinung ändern kann. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist so lange wenig wert, wie es nur darum geht, einen immer gleichen Standpunkt zu wiederholen. Weil man vorher ja schon weiß, dass man Recht hat. Das gestatten sogar autoritäre Diktaturen. Wertvoll wird die freie Meinungsäußerung erst durch die Fähigkeit und die Bereitschaft, die Meinung auch zu ändern. Und das gelingt nur, wenn man mit der Gelassenheit des Shruggies immer wieder fragt: Was wäre, wenn das Gegenteil richtig wäre? […]
Stattdessen haben wir heute den Shruggie und dieser lehrt uns etwas, was der Journalist und Buchautor Christoph Kucklick “Überforderungsbewältigungskompetenz” nennt. Das sind 35 Buchstaben. Ganz schön lang. Der Shruggie hat elf Zeichen und meint das gleiche: die Fähigkeit, sich von der eigenen Ratlosigkeit nicht deprimieren zu lassen - sondern an eine gestaltbare Zukunft zu glauben.
Eine Anleitung für das digitale Leben - Mehr Ratlosigkeit wagen Eine Anleitung für das digitale Leben - Mehr Ratlosigkeit wagen
Die Email ist wieder da! Ja, das ist auch der Grund, warum Ihr diesen Newsletter erhaltet 😉Ich lese selbst seit über einem Jahr regelmäßig gute Newsletter und bin dankbar über die komprimierte und vor allem kuratierte Information, die ich darüber bekomme. Ich kann die Mail in mein Todo-Programm packen und für später merken. Auf Social Media ist so vieles so schnell wieder verschwunden. Auch die “Trendstudie zum digitalen Wahlkampf 2017” der Quadriga Hochschule zeigt, dass Email ein völlig unterschätztes Tool im Wahlkampf ist. Denn die Bindung ist doch intensiver, als über einen Social Media Kanal. Und damit ein Hallo und Willkommen an die vielen neuen Abonnent:innen der letzten Woche ❤️
Email—yes, email—is the next great media platform Email—yes, email—is the next great media platform
BOTTOM OF THE LETTER
Caroline Winslow
Angela Merkel today: "When the generation that survived the war is no longer with us, we'll find out whether we have learned from history."
8:25 PM - 21 Jul 2018
Dax Werner
özil hat ca. 15 mal so viele follis auf twitter wie JR noch zeitungen verkauft hehe
11:36 AM - 24 Jul 2018
Sophie Passmann
Wäre ich ein Mann, ich hätte ohne Frauenquote die ganze Zeit Angst, dass ich meinen Job nur habe, weil ich ein Mann bin und nicht, weil ich gut bin.
12:42 PM - 27 Jul 2018
Lesen, zuhören, verstehen. Als Sonntagsprogramm.
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Ann Cathrin Riedel, Kemperplatz 1, 10785 Berlin