Frohes neues Jahr! - Issue #89

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Ann Cathrin Riedel
Ann Cathrin Riedel
Frohes neues Jahr! 🎉
Ich hoffe, Ihr seid alle gut hineingerutscht ins neue Jahr. Bei mir war es, wie im ganzen Dezember, sehr sehr ruhig, was auch sehr gut und auch nötig war, nach diesem Jahr. Man wird ja sehr zögerlich mit dem Wunsch, dass das nĂ€chste Jahr hoffentlich besser wird und weniger schlechte Nachrichten die Stimmung drĂŒcken, aber hoffen wir das Beste. Es bleibt einem ja auch nicht viel mehr ĂŒbrig als zu hoffen und sich immer wieder darin zu ĂŒben, die Hoffnung nicht zu verlieren.
Ich habe in den letzten Wochen viel hĂ€ufiger das Handy zur Seite gelegt, Social-Media-Apps gelöscht und die Emails vom Homescreen verbannt. Was fĂŒr eine Erleichterung. Man muss wirklich nicht immer erreichbar sein und es tut dem GemĂŒt wahnsinnig gut, nicht stĂ€ndig mit Reizen und vor allem Nachrichten geflutet zu werden. Stattdessen habe ich mehr BĂŒcher gelesen – vor allem konzentrierter. Ein Vorhaben auch fĂŒr dieses Jahr, das beizubehalten und das Telefon dafĂŒr auch ganz weit wegzulegen. Wer noch ein paar mehr VorschlĂ€ge sucht, um sein oder ihr Leben 2022 ein bisschen besser zu machen, findet hier beim Guardian 100 tolle VorschlĂ€ge (Vorschlag 8 bitte lassen).
Hier das, was ich gelesen habe und empfehlen kann:
Bevor es jetzt aber zum Lesen der BĂŒcher geht, erstmal mein neuer Newsletter fĂŒr Euch, der, so hoffe ich, 2022 nicht mehr voller Frustration ĂŒber die Digitalpolitik der Bundesregierung sein wird. Vielmehr bin ich (und auch LOAD) sehr, sehr zuversichtlich, dass das gut wird. Die Vorratsdatenspeicherung soll ja schonmal abgeschafft werden. Halleluja! Mehr dazu unten in der Linksammlung. Viel Spaß und ein gutes, gesundes neues Jahr fĂŒr Euch. Mit viel Liebe und Herz.
Ann Cathrin đŸŒ±

Delia Cai
spotify the only tech company to figure out how to successfully rebrand "we've been tracking you" to "isn't this FUN"
WHAT TO KNOW
Telegram wollten mal wieder einige regulieren. Weil – huch so plötzlich – rauskam, dass dort Mordaufrufe geteilt werden und sich dort Nazis und Querdenker versammeln, organisieren und ihre Desinformation und Verschwörungen verbreiten. Von Netzsperren bis Rausschmissen aus den App-Stores war so ziemlich alles dabei. Mir ist das zu platt – das habe ich in einem Interview bei Netzpolitik erzĂ€hlt. Meiner Meinung nach geht die Diskussion immer völlig weg von den eigentlichen Problemen und Schwachstellen. Journalist:innen konnten herausfinden, dass dort Mordaufrufe verbreitet werden – warum sie und nicht Ermittlungsbehörden? Ich glaube, wir mĂŒssen unseren Rechtsstaat viel mehr stĂ€rken, aber eben nicht mit Staatstrojanern und Co, sondern mit Beamt:innen, die in der Lage sind, auch auf diesen Plattformen zu ermitteln. Wie viel da schiefgehen kann, hat man ja unter anderem bei Attila Hildmann gesehen. Viel zu spĂ€t ist erst was passiert - und Attila Hildmann ist kein Pseudonym. Dort passiert so viel unter Klarnamen, wir könnten einiges tun. Da mĂŒssen wir ansetzen, darĂŒber mĂŒssen wir reden. Alles andere sind Pseudo-Diskussionen mit Maßnahmen, die nichts bringen (Verbannen aus dem App Store heißt nur, dass es keine Updates mehr gibt, die App ist schon auf dem Smartphone und kann weiter genutzt werden) und vor allem nicht die Ursache bekĂ€mpfen. Nazis hören nicht auf Nazis zu sein, nur weil man ihnen den einen Messenger nimmt (sollte das denn ĂŒberhaupt gehen).
Von der ganzen umfassenden rechtlichen Problematik habe ich nicht geredet (habe ich auch keine Ahnung von). DafĂŒr sollte man aber diesen sehr interessanten und vor allem fĂŒr nicht-Jurist:innen wie mich auch sehr aufschlussreichen Text von Erik Tuchtfeld auf dem Verfassungsblog lesen.
Eine Sache, die genau darauf aufbaut. Probleme, die sich durch das Digitale kristallisieren, werden nicht weggehen, wenn man das Digitale irgendwie “repariert”. Das ist ein ganz spannender Text ĂŒber Menschen, die unglĂŒcklich, elend und miserable sind – oder sich so fĂŒhlen. Die finden ĂŒber das Netz andere, Gleichgesinnte, und ziehen alle so runter.
But the technology is only part of the battle. Think of it in terms of supply and demand. The platforms provide the supply (of fighting, trolling, conspiracies, and junk news), but the people—the lost and the miserable and the left-behind—provide the demand. We can reform Facebook and Twitter while also reckoning with what they reveal about the nation’s mental health. We should examine more urgently the deeper forces—inequality, a weak social safety net, a lack of accountability for unchecked corporate power—that have led us here. And we should interrogate how our broken politics drive people to seek out easy, conspiratorial answers. This is a bigger ask than merely regulating technology platforms, because it implicates our entire country.
Das Problem von Social Media ist, dass es diese ganzen klagenden Menschen zusammenbringt, sich Communitys bilden und sich das Leid, die Probleme in Hass umschlagen.
Ample evidence suggests that alienated and angry people have built communities around shared grievances. More broadly, millions of Americans feel left behind, under siege, and out of opportunities. The acceptance and fellowship that online communities bring, be they subreddits and Facebook groups or anonymous message boards, allow grievance to harden into a full-fledged identity. Under the influence of true believers and cynical grifters alike, these feelings frequently turn to hate.
Es spricht also nochmal mehr dafĂŒr, dass unsere Probleme zu komplex sind, als dass wir sie mit einer vermeintlich einfach Regulierung von Plattformen lösen könnten.
Desinformationen auf Facebook, Twitter, YouTube und eben Telegram. Aber in Schwangerschaftsapps? Jup, auch da. Und fĂŒr die Verbreiter solcher auch recht klug, sich diese kleinen Communitys zu suchen. Eine App aus den USA, mit der man seiner Schwangerschaft verfolgen kann, die eine angeschlossene Community fĂŒr werdende Eltern hat, hat erheblich mit Impfgegnern und Impf-Verschwörungen zu kĂ€mpfen. So eine Plattform mit einer sehr sensiblen und verunsicherten Community – man hat ja so viele Fragen, gerade beim ersten Kind und will natĂŒrlich nichts falsch machen – ist ein idealer NĂ€hrboden fĂŒr nachhaltige Impfgegnerschaft. Diese Plattformen und die dort verbreiteten Desinformationen finden aber in der öffentlichen Debatte kaum statt und auch die Regulierung dieser, bzw. die Aufsicht ĂŒber die Durchsetzung dort, ist wohl eher gering. Die App “What to Expect” hat selber die Anzahl an Moderator:innen erhöht und die Regeln dort geĂ€ndert, um dem Problem Herr zu werden. Aber es stellen sich auch dort wieder die Fragen, was eigentlich noch legitim ist und was nicht – und wer das eigentlich zu entscheiden hat. Nischenplattformen und Nischencommunitys mĂŒssten meiner Meinung nach viel stĂ€rker in den Blick genommen werden, was die Verbreitung von Desinformation und Verschwörungen angeht (womit ich nicht meine, dass sie reguliert werden mĂŒssen). Aber es ist wie das Pastell-Instagram – eine vermeintlich heile Welt, in der sehr viel FragwĂŒrdiges (ĂŒbrigens auch hĂ€ufig rechtes) Gedankengut verbreitet wird.
Von der Log4j-SicherheitslĂŒcke von kurz vor den Feiertagen habt Ihr wahrscheinlich auch mitbekommen. Eine SicherheitslĂŒcke, die wahnsinnig viele Produkte mit Software betroffen hat, bzw. betrifft. Eigentlich alle, die die Programmiersprache Java benutzen – und das tun ziemlich viele. Log4j ist eine Protokollierungsbibliothek und Open Source. Open Source kam dadurch wieder in Verruf, weil es angeblich nicht sicher sei, weil Software besser sei, wenn Menschen dafĂŒr Geld bekĂ€men. Das ist nicht der Fall (Zum Jahreswechsel gabs im Microsoft-Exchange-Server auch wieder Probleme, SicherheitslĂŒcken in Windows haben auch schon enorme weltweite SchĂ€den verursacht
). Ziemlich viel lĂ€uft auf Open-Source-Software. Sogar viel Technologie, auf deren Basis die Angebote der großen Tech-Konzerne laufen (die aber kein Open Source sind). Linux ist beispielsweise Open Source und das lĂ€uft auf sehr vielen Servern. Eigentlich besteht ein Großteil der Basis unserer Infrastruktur aus Open-Source-Software und was daran das Problem ist, das hat in dem unten verlinkten Interview Adriana Groh erklĂ€rt, die sich fĂŒr einen Sovereign Tech Fund einsetzt, der jetzt auch vom Wirtschaftsministerium gefördert werden soll. Diese Karikatur zeigt ĂŒbrigens schön, worum es bei dem Fund geht:
Was ich daran so wichtig finde ist, dass wir uns nicht immer nur ĂŒber die fancy neuen Sachen kĂŒmmern können, sondern uns viel mehr mit den Grundlagen unserer digitalisierten Welt beschĂ€ftigen mĂŒssen. Denn wenn das mit dem Fundament nicht ordentlich ist, dann wird das keine stabile Zukunft werden.
Wenn man was davon mitbekommen hat, dann nur, dass die niederlĂ€ndische Regierung aufgrund eines Skandals – vielleicht noch Kindergeldskandals – zurĂŒcktreten musste (und sich mittlerweile wieder neu gefunden hat). Dass dieser Kindergeldskandal aufgrund eines algorithmischen Systems mit einem erheblichen Bias und rassistischen Annahmen passierte, davon war kaum die Sprache. Ich hatte diesen Artikel von Vice einmal in diesem Newsletter, der sehr eindrucksvoll darstellt, was passierte und wie die Einzelschicksale aussehen. Ich finde das sehr problematisch, wenn diese algorithmischen Systeme, die ursĂ€chlich fĂŒr einen RĂŒcktritt einer Regierung wurden, nicht erwĂ€hnt werden. Das mĂŒsste eigentlich Grundlage fĂŒr breitere gesellschaftliche Debatten sein. Über das was wir wollen und was nicht. Und wie wir besser den Einsatz solcher Systeme insbesondere in der Verwaltung kontrollieren können. Die niederlĂ€ndische Finanzbehörde ist nun zu einem Bußgeld verurteilt worden, da sie gegen die DSGVO verstoßen hat. Die betroffenen Personen bekommen eine EntschĂ€digung. Die kann aber wie so hĂ€ufig nicht alles wieder gut machen.
WHAT TO HEAR
Unter Pfarrerstöchtern | Podcast on Spotify
WHAT TO WATCH
Die Unbeugsamen - GefÀhrdete Pressefreiheit auf den Philippinen - Film in voller LÀnge | ARTE
WHAT TO READ
WHAT I LIKED
Saơa Staniơić
Wenn die ganze Scheisse 2032 vorbei ist, entwickle ich eine App Àhnlich der Corona App, die dann potentiell schöne Begegnungen dokumentiert.

Dann macht man die auf und da steht:

Heute vier schöne Begegnungen.

Oder rot: Heute aber eine sehr schöne Begegnung.
Petra Bahr
2022. Das Jahr, in dem die Pandemieliteratur als Taschenbuch erscheint.
Martin Moder
WÀre diese Sendung nie abgesetzt worden, hÀtten wir den ganzen Schas heute nicht https://t.co/5jrW76FYfB
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Ann Cathrin Riedel
Ann Cathrin Riedel @anncathrin87

Eine wöchentliche Sammlung von Artikeln zur Digitalisierung, Netzpolitik und Social Media und welchen Einfluss dies alles auf unsere Gesellschaft und Politik hat.

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Ann Cathrin Riedel, Berlin