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Facebook, politische Werbung, Regulierung - was wir nun angehen müssen - Issue #4

Revue
 
Frohe Ostern - heute kann man es ja sagen, manch einer hielt es ja schon gar nicht mehr aus! Eine rec
 

Ann Cathrin's Digital Digest

April 1 · Issue #4 · View online
Eine wöchentliche Sammlung von Artikeln zur Digitalisierung, Netzpolitik und Social Media und welchen Einfluss dies alles auf unsere Gesellschaft und Politik hat.

Frohe Ostern - heute kann man es ja sagen, manch einer hielt es ja schon gar nicht mehr aus! Eine recht ruhige Woche liegt hinter mir und ich fand sie auch netzpolitisch sehr ruhig. Auch die Diskussion über Facebook und Cambridge Analytica scheint mir wieder sehr abgeflacht zu sein, geht Euch das auch so? 
Am Montag hatten wir die fünfte, aber erste Sitzung 2018 der AG Ethik der Iniitiative D21. Dort haben wir natürlich auch über die Causa Facebook gesprochen. Was mir dabei besonders hängen geblieben ist, ist dass wir jetzt eigentlich die Chance hätten über Tracking im Netz allgemein zu sprechen. Darüber, welche Geschäftsmodelle wir redlich finden als Gesellschaft und welche nicht, und das wir, nachdem wir diese Frage beantwortet haben, gucken müssen, wie wir Gesetze und Regulierungen schaffen, die redliche Geschäftsmodelle ermöglichen. Werbung ist ein redliches Geschäftsmodell, also müssen wir Regelungen finden, wie Werbung auch personalisiert ausgespielt werden kann, dabei aber dennoch bestmöglich unsere Daten schützt. Die ePrivacy-Richtlinie ist hier keine Lösung. 
Und warum reden wir eigentlich nur über Facebook? Ich finde es erschreckend mit welcher Selbstverständlichkeit so getan wird, als würde nur dieses Unternehmen Daten sammeln. Dabei tut es Google ebenso wie Amazon. Jedes Nachrichtenportal, dass darüber schreibt, wie Facebook Daten sammelt, jeder lokale Händler mit Online-Shop, jeder, der ganz analog seine Payback-Karte an der Kasse einscannen lässt, lässt sich tracken. 
Also: lasst uns doch Wege finden, wie wir sachlich über diese Themen sprechen können. Allgemeiner und grundsätzlicher. Denn diese Frage nach redlichen Geschäftsmodellen sollten wir uns als Gesellschaft dringend stellen. Und beantworten. 
Ich freue mich wie immer über euer Feedback, eure Lese-Tipp und eure Weiterempfehlung dieses Newsletters. Genießt die Feiertage!
Best, Ann Cathrin

Bleiben wir gleich beim Thema Facebook und Cambridge Analytica. Eine Debatte kann nur ordentlich geführt werden, wenn ordentlich über sie informiert wird. Bei Social Media im Wahlkampf habe ich so schon oft das Gefühl gehabt, dass viele Journalist:innen sich absolut nicht mit der Materie auskennen über die sie schreiben und sich dann von diffusen Ängsten und Behauptungen treiben lassen, die nur zu mehr Verunsicherung beitragen. In diesem Text geht es nicht darum, irgendjemanden von Schuld freizusprechen oder Verhalten zu legitimieren, aber er räumt auf mit falschen Behauptungen und alleinigen Schuldzuweisungen. By the way: warum lädt eigentlich niemand Cambridge Analytica vor?
Why (almost) everything reported about the Cambridge Analytica Facebook ‘hacking’ controversy is… Why (almost) everything reported about the Cambridge Analytica Facebook ‘hacking’ controversy is…
Bei Regulierung des Internets und neuen Gesetzen bin ich ja erstmal vorsichtig. Aber diese Überlegungen und Vorschläge finde ich sehr gut und ich denke, sie sollten dringend diskutiert werden: Regulierung von politischer online Werbung - in klassischen Medien ist sie nicht umsonst bereits stark reguliert. 
First, regulations should make “unattributable and untrackable ads” illegal. Social-media companies such as Facebook should be required by law to clearly mark political ads and also to publish information about who paid for the ad, how much was spent and what targeting parameters were used. There should also be a central, easily searchable repository for all online political ads placed.
New regulations should also address parties and political campaign organizations. We currently have clear transparency and disclosure rules on funding. In addition, parties and campaigns get audited for their use of funds. It is clear that for parties and campaigns, data for targeted advertising has become almost as important as money – and is bound to become more important in the future. So parties and campaigning organizations should be required to disclose the sources of data they use and the targeted advertising campaigns they run.
Ich bin gespannt auf die Debatte!
The best way for Germany to deal with the Facebook scandal The best way for Germany to deal with the Facebook scandal
Talking about Data Protection and Privacy: mit welcher Selbstverständlichkeit sich diese Sprachassistenten ins Haus gestellt werden, ist mir ja ein großes Rätsel. Bei Facebook und Co mag man ja auch (zu Recht) auf die Idiotie hinweisen, seine Daten so sorglos zu übermitteln. Aber Zuhause jedes gesprochene Wort mithören lassen? Da ist bei mir absolut die Grenze (abgesehen davon, dass ich mir bei Aussagen wie “Alexa mach das Licht an” wie eine unselbstständige, verzogene Göre vorkomme). Aber gut, wer es mag. Who am I to judge? Aber lasst uns doch bitte mal über dieses Ab- und Mithören und die Datensammelwut diskutieren, und ob das so gut ist für uns als Gesellschaft (Spoiler: ich glaube in diesem Ausmaß nicht).
"OK Kuchen": Googles Sprachassistent reagiert nicht nur aufs Signalwort |    heise online "OK Kuchen": Googles Sprachassistent reagiert nicht nur aufs Signalwort | heise online
Kommen wir zu den Auswirkungen, die solch ein Mitlesen, -hören und nicht-verschlüsseln hat. Hier ist es wohl eher nicht die Schuld der Unternehmen, sondern die der Gesetze eines Staates. In diesem Fall den USA. Weswegen ich immer wieder sage: “passt auf, was mit Euren Bürgerrechten veranstaltet wird. Mitnichten hilft jedes Gesetz gegen Terror” (guckt nochmal nach Bayern!). In den USA will man nämlich mit Internet Zensur gegen “Sex Trafficking” (vermutlich ist die deutsche Übersetzung so bescheuert wie das englische Original) vorgehen, was dazu führt, dass Microsoft jegliche Nacktheit bei Skype Gesprächen verbietet. Abgesehen davon, dass das unschön für Menschen in Fernbeziehungen sein wird, ist es doch schon ein bisschen creepy, dass das erkannt werden kann, oder? Des Weiteren solltet Ihr während des Xbox-spielens nicht mehr fluchen und keine Hass-Pamphlete mehr auf OneDrive schreiben und ablegen. Pornos bei Google Drive wurden übrigens schon gelöscht 😉
Microsoft to ban 'offensive language' from Skype, Xbox, Office | CSO Online Microsoft to ban 'offensive language' from Skype, Xbox, Office | CSO Online
Und jetzt, wo ihr vielleicht ein bisschen sensibilisiert seid, kommen wir zum Thema Verschlüsselung. Ihr merkt hoffentlich: wahnsinnig wichtig. Und die Wichtigkeit fällt einem in einer Demokratie wie Deutschland vielleicht nicht unbedingt auf, aber wenn man mal in Länder guckt, in denen es Demokraten nicht ganz so gut haben, wird einem die Bedeutung nochmal klarer. Und wir wissen nie, was morgen ist. Überwachungsgesetze wieder abschaffen ist deutlich schwerer, als sie durchzuboxen. Wer verschlüsselt hat nicht automatisch was zu verbergen, sondern möchte vor allem sicher und privat kommunizieren. Was unverschlüsselte Kommunikation für die Wirtschaft bedeuten würde, mag ich mir gar nicht ausmalen, aber vielleicht sollte man das Argument häufiger bringen, um die Notwendigkeit zu betonen? 
Wer ein bisschen fundiertes Wissen zum Thema sucht und vor allem professionell erklärt haben will, warum Ermittlungsbehörden auch trotz Verschlüsselung gute Arbeit leisten können und die, die man mit diesen Bürgerrechte einschränkenden Gesetzen eigentlich erreichen möchte, nämlich Terrorist:innen und die organisierte Kriminalität, diese Regelungen leicht umgehen können, lest ihr in dieser wunderbaren Studie
We can’t let the dark web give online anonymity a bad name | WIRED UK We can’t let the dark web give online anonymity a bad name | WIRED UK
Aber kommen wir zurück nach Deutschland. Die Angst vor Fake News vorm Bundestagswahlkampf war riesig, passiert ist relativ wenig. Die Stiftung Neue Verantwortung hat jetzt eine empirische Studie zum Thema veröffentlicht, die endlich ein bisschen Sachlichkeit und weniger Hysterie in die Diskussion bringt. Karolin Schwarz hat die wichtigsten Erkenntnisse für Vice aufgeschrieben. Für mich erschreckend: an der Verbreitung von Fake News sind häufig etablierte Medien mit beteiligt. Und: Debunking, z.B. mit Fakten-Checks funktionieren nur semi-gut, vor allem, weil sie meist zu spät kommen. Als Lösung hilft wohl hauptächlich nur: Bürger:innen aufklären und ihnen journalistische Fähigkeiten mit an die Hand geben. Und für Journalist:innen gilt umso dringender: “Be first, but first be right”. Wer sich fürs Thema interessiert, sollte sich auf die Studie “Mediating Populism” angucken.
Neue Studie: Große deutsche Medien an Verbreitung von Falschmeldungen beteiligt - Motherboard Neue Studie: Große deutsche Medien an Verbreitung von Falschmeldungen beteiligt - Motherboard
Welchen Einfluss hat Social Media auf die analoge politische Beteiligung? Das hat Christopher Gaube am Beispiel von PEGIDA und Facebook in seiner Masterarbeit untersucht und auf dem Blog von Martin Fuchs in einem Gastbeitrag kurz und übersichtlich da gelegt. Und: es gibt einen Zusammenhang! Die Frage, die mich seit ich diesen Text gelesen habe nun umtreibt ist: wie bekommen das “gute” Parteien, Initiativen, Bündnisse hin? Denn irgendiwe habe ich das Gefühl, da klappt das nicht so gut - aber eben auch schon die Beteiligung in Social Media Debatten nicht. Vielleicht, weil immer noch zu viele meinen, Social Media ist nicht wichtig oder gar: nicht real?
HAMBURGER WAHLBEOBACHTER: Wenn die Demo bei Facebook weitergeht - Wie mobilisert PEGIDA bei Facebook? HAMBURGER WAHLBEOBACHTER: Wenn die Demo bei Facebook weitergeht - Wie mobilisert PEGIDA bei Facebook?
Digitalisierung in Deutschland ist ja so eine Sache. Für die einen ist Digitalisierung gleich Breitbandausbau, für die anderen ist man schon digitaler Spitzenreiter, wenn man morgens Alexa nach dem Wetter fragt 🙄🙄. Ich war nicht bei der Commerzbank, ich hab auch nicht den Artikel geschrieben - aber solche Feinheiten offenbaren für mich die ganze Misere. Ebenso wie Unternehmen, die digital werden wollen, jung, fancy und hip und sich daher erstmal eine Carrerabahn, einen Billardtisch und eine Gin-Bar ins Büro stellen. Ebenso Zielvorgaben wie “hauptsache angemeldet”. Nein, ich glaub, so wird das nichts. 
Commerzbank: digitaler Aufbruch geht schleppend voran Commerzbank: digitaler Aufbruch geht schleppend voran
Warum das alles nicht so gut funktioniert, das wurde hier sehr schön aufgeschrieben. Bloß beim Thema Datenschutz bin ich nicht 100 % d'accord, stimme aber mit der Intention überein. 
Zur Ironie des ganzen Artikels und dem Handelsblatt mit seiner Digital-Strategie geht’s hier
Why German companies fail at digital innovation Why German companies fail at digital innovation
Und diesmal zum Abschluss wirklich eine gute Nachricht: auf Reisen im EU-Ausland können wir ab heute auf unsere Spotify, Netflix und Co Angebote zugreifen! 🙌🏼🎉💯❤️🇪🇺
Ab Sonntag gelten Ihre Online-Abos in der ganzen EU Ab Sonntag gelten Ihre Online-Abos in der ganzen EU
BOTTOM OF THE LETTER
Lena-Sophie Müller
Es gibt immer einen, der ein Stöckchen hinhält, und einen, der drüber springt. Bei Twitter ist meist eher Hürdenlauf. #Tanzverbot #Traditionshase
5:22 PM - 30 Mar 2018
Der Prophet
Wenn ihr bei der Einreise in die USA nach euren Social Media Konten gefragt werdet, geht einfach euren StudiVZ Account an.
3:03 AM - 31 Mar 2018
Sophie Passmann
Tinder-Matches sind die Tamagotchis unserer Zeit.
10:32 PM - 26 Mar 2018
Schöne Oster-Feiertage!
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