View profile

Es geht nicht um Leben und Tod, aber um Vieles! - Issue #20

Revue
 
Die ganze Woche war sehr voll und anstrengend und es ist so viel passiert, aber ich hab keine Zeit, d
 

Ann Cathrin's Digital Digest

August 26 · Issue #20 · View online
Eine wöchentliche Sammlung von Artikeln zur Digitalisierung, Netzpolitik und Social Media und welchen Einfluss dies alles auf unsere Gesellschaft und Politik hat.

Die ganze Woche war sehr voll und anstrengend und es ist so viel passiert, aber ich hab keine Zeit, das alles in den Newsletter zu packen. Social Media Disaster bei der CSU, ein Digitalrat und die Gamescom - Ihr habt es alles sicherlich mitbekommen. Und weil alles so viel war, gibts nur einen etwas abgespeckten Newsletter, denn ich muss gleich los gegen Uploadfilter und das Leistungsschutzrecht demonstrieren. Inkl. meiner ersten Rede auf einer Demo. Uff.
Nun noch kurz zur Gamescom: da war ich dieses Jahr an einem Besuchertag - zum Glück mit den Benefits einer Fachbesucherin. Verrückt, wie die Leute sich anstellen um ein Spiel zu spielen obwohl sie genau wissen, dass sie mindestens fünf Stunden warten müssen. Ich stelle mich ja nirgendwo an, wo ich länger als zehn Minuten warte. Aber jedem das Seine. Unsere Bersucher:innengruppe durfte ein Autorennen spielen (bei dem man auch schießen konnte. Huch. Ich habe nur Gas gegeben… Bin halt auch virtuell ein Bleifuss!). Dann wollte ich eigentlich das neue Anno 1800 spielen, hätte mich auch vordrängeln dürfen (die Benefits!), aber ich habe mich nicht getraut vor den Augen der anderen 😬 Außerdem fand ich es fies den ganzen Wartenden gegenüber. Also habe ich mir Zuhause Anno Touch fürs iPad geholt und wenn mir nicht bald jemand sagt, warum ich trotz mehr als 25 Pionieren nicht ins nächste Level komme, lass ich das Spielen gleich wieder sein! Alle relevanten Infos zur Gamescom könnt ihr übrigens bei Jörg Müller-Lietzkow auf Twitter nachlesen.
So, ich gehe jetzt los demonstrieren. Und Ihr schaut hier mal nach, wo Ihr gleich auf die Straße gehen könnt. In Berlin um 15:00 Uhr vorm Brandenburger Tor. See you 😉

Es wird schmutziger. Das Leistungsschutzrecht sei nun eine Frage “von Leben und Tod”. Und weil ich gar nicht mehr so viel dazu sagen möchte zu diesem absurden Text, der im Tagesspiegel veröffentlicht wurde und mit irren, unbelegten Annahmen arbeitet und wirklich falschen Behauptungen (seit wann übernimmt Google ganze Redaktionelle Texte einfach so oder überhaupt??) empfehle ich Euch einfach nur die Lektüre dieses Texts von Stefan Niggemeier. Der Journalismus tut sich mit solchen Behauptungen wirklich keinen Gefallen, nein, er schießt sich vielmehr selbst in beide Knie.
Sterben fürs Leistungsschutzrecht | Übermedien Sterben fürs Leistungsschutzrecht | Übermedien
Im Arabischen Frühling galt Social Media noch als das Instrument zur Befreiung von Unterdrückten, als Tool zur Demokratisierung, ja gar als Retter der Demokratie. Doch was 2011 begann, endete nicht nur für den Nahen Osten schlagartig und mit bitteren Konsequenzen. Während Barack Obama noch Daten und Social Media effektiv nutzte (doch auch darüber lässt sich streiten), sehen wir nun ein Aufkommen von Rechtspopulisten und Faschisten mit Hilfe von Social Media und digitalen Technologien. Doch die Schuld alleine bei diesen zu suchen, ist viel zu einfach. Zeynep Tufekci hat wieder mal einen sehr interessanten Text geschrieben. Mit ihren Lösungsansätzen gehe ich nicht komplett konform, aber sie beschreibt die vielseitigen Probleme sehr schön - die liegen nämlich in vielen konkreten Politikfeldern. Dort müssen sie auch gelöst werden. “This responsibility isn’t on Russia, or solely on Facebook or Google or Twitter. It’s on us.Und zu diesen Problemen habe ich auch noch einen wunderbaren Lesetipp: White Working Class. Overcoming Class Cluelessness in America von Joan C. Williams.
How social media took us from Tahrir Square to Donald Trump - MIT Technology Review How social media took us from Tahrir Square to Donald Trump - MIT Technology Review
Ein Staatstrojaner erlaubt es, dem Menschen beim Denken zuzusehen. Creepy, oder? Und ja, auch Schwerstkriminelle haben ein Anrecht darauf, dass niemand ihre Gedanken mitliest. Gedanken sind noch keine Taten und nur weil wir heute die Möglichkeit haben, leicht(er) an diese heran zu kommen, ist es noch lange nicht ok. Wir hatten auch die Möglichkeit über Folter an Gedanken zu kommen und haben dies aus gutem Grund verboten. Jetzt mag vielleicht eine:r denken: zwischen Folter und nem Staatstrojaner ist aber ein ganz, ganz weiter Weg. Ja, in der Durchführung. Das Ziel ist dennoch nicht legitim und daher auch kein Weg dorthin. Die Gedanken sind frei!
Die FDP hat nun, wie der Verein digitalcourage, aber auch die Gesellschaft für Freiheitsrechte, Verfassungsbeschwerde gegen den Staatstrojaner eingelegt. Ich hoffe nur, dass auch die Fraktion der Freien Demokraten in NRW nun einlenkt und etwaige Vorhaben im neuen Polizeigesetz des Landes wieder herausstreicht.
In Berlin dürfen Mitarbeiter:innen der Ausländerbehörde wahllos in E-Mails, Nachrichten und Fotos stöbern – ein massiver Eingriff in die Privatsphäre, nur wegen “keine Papiere”.
Weil das Auswerten der Telefone aber offensichtlich einen massiven Eingriff in die Privatsphäre der Betroffenen darstellt, gibt es einige Auflagen dafür, wie und wann die Daten ausgelesen werden dürfen. Im Gesetz steht dazu der Hinweis, dass bei der Durchsuchung nicht ausschließlich „Erkenntnisse aus dem Kernbereich privater Lebensgestaltung“ erlangt werden dürfen. Gemeint ist damit im deutschen Recht der Teil der Intimsphäre eines Menschen, der vor Eingriffen des Staates geschützt werden muss. […] Bedenken zu den Handy-Auswertungen hatte der Bundesrat schon während der Beratungen des Gesetzes angemeldet. So zweifelte der Rat an der Verhältnismäßigkeit der Maßnahme, sorgte sich um den Schutz des Kernbereichs privater Lebensgestaltung und schlug die Einfügung eines Richtervorbehalts in das Gesetz vor. In der Strafprozessordnung müsse schließlich ebenfalls ein Richter den Zugriff auf die Geräte und Passwörter der Verdächtigen genehmigen, so die Argumentation des Rates. „Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb das Schutzniveau für Ausländerinnen und Ausländer geringer sein soll als für Beschuldigte im Strafverfahren.“
Datenschutz: FDP reicht Verfassungsbeschwerde gegen Staatstrojaner ein | ZEIT ONLINE Datenschutz: FDP reicht Verfassungsbeschwerde gegen Staatstrojaner ein | ZEIT ONLINE
Wie sieht es aus mit der digitalen Verwaltung in Deutschland und warum kommen wir nicht voran? Die Netzpolitikerin der SPD, Saskia Esken, hat dazu einen sehr lesenswerten Gastbeitrag im Tagesspiegel geschrieben. Sie spricht unter anderem über das mangelnde Vertrauen von Bürger:innen gegenüber der sicheren Übermittlung und Verwahrung von persönlichen Daten. Neben einem, wie ich glaube, ganz allgemeinen Misstrauen von Menschen in die Sicherheit von Daten (solange sie nicht bei einem selber sind - und da mit Sicherheit unsicherer sind als bei so manch anderer Institutionen), spricht sie auch, richtigerweise, das Misstrauen an, das der Staat sich selber schafft:
 Ebenso war es für die Stärkung des Personalausweises als Mittel zur sicheren Identifikation zwar wichtig und richtig, dass die Online-Ausweisfunktionen jetzt grundsätzlich freigeschaltet wird (opt out). Dass durch die Hintertür desselben Gesetzes Polizei und Dienste anlasslosen Zugriff auf alle Ausweisdaten erhielten, kann leider nicht gerade als vertrauensbildende Maßnahmen angesehen werden. Eine Regierung, die es ernst meint mit dem digitalen Wandel in Politik und Verwaltung, muss diese inneren Widersprüche der Innenpolitik für sich klären, um Vertrauen zu ermöglichen.
Bei einem Punkt muss ich ihr jedoch widersprechen: von “schicken Front-Ends und Portalen” habe ich bisher noch nichts gesehen. Ich finde Webseiten von Behörden generell absolut schrecklich, unübersichtlich und halte sie für ein Paradebeispiel für Nutzerunfreundlichkeit. Von häufig fehlender Fähigkeit auf Mobilgeräten ordentlich angezeigt zu werden mal ganz abgesehen. Die Webseiten sind überladen mit unstrukturierten Informationen, drölfzig Menüs und wirken, als würden sie von der Verwaltung her gedacht und nicht von der Nutzer:in und dem möglichen Anliegen mit dem er oder sie auf die Webseite kommt.
E-Government: Wie die Modernisierung der Verwaltung gelingen kann - Wirtschaft - Tagesspiegel E-Government: Wie die Modernisierung der Verwaltung gelingen kann - Wirtschaft - Tagesspiegel
Den fleißigen Instagram-Nutzer:innen unter euch ist es sicherlich schon aufgefallen: nun ist alles Werbung! Wer einmal eine bezahlte Kooperation hatte, kann sich wohl fortan professioneller Influencer schimpfen und damit ist auch jede persönliche Empfehlung eines Produkts “Werbung” - sagen zumindest manche Richter:innen. So hundert Prozent einig ist man sich da nicht - was nun Werbung ist und wie man wirklich rechtsverbindlich kennzeichnet (obwohl die Regeln da schon klarer sind). Weil keiner der Influencer mehr bock auf Abmahnungen hat (und die bekamen selbst die, die sich wirklich Mühe machte, alles transparent zu kennzeichnen), ist nun alles Werbung und Nutzer:innen wissen nun genau so wenig wie vorher, was nun wirklich Werbung ist und was nicht. Instagram macht so kaum noch Spaß und kein einziges Problem wurde gelöst.
Für Influencer ist jetzt einfach alles "Werbung" › Digitalistan Für Influencer ist jetzt einfach alles "Werbung" › Digitalistan
Instagram Story first! Die Interaktionen bei Facebook Postings gehen zurück. Vermutlich auch, weil Facebook “meaningful interactions” fördern will und die gibt es meistens mit Menschen (weswegen mehr Unternehmensvertreter:innen ins Social Web sollten!) und nicht mit Seiten von Unternehmen. Die haben schon länger das Problem, dass sie nicht den Dialog suchen, sondern einfach Infos in die Welt pusten und dann lassen stehen und liegen lassen (ich warte bis heute noch auf eine Antwort von der DIHK auf Twitter zur Uhrzeit einer Veranstaltung - trotz Nachfrage. Ich verstehe es einfach nicht, wie man das so brach liegen lassen kann! Eine Besucherin weniger!). Storys finden wieder den Weg zu den Nutzer:innen, aber dafür müssen sie auch entsprechend genutzt werden. Ein einfaches “swipe up!” um zu einer Webseite zu gelangen reicht nicht. Man kann wundervoll interagieren, Ideen abfragen und Stimmungen einholen. Darauf muss man dann aber auch reagieren! Und das bedeutet Personal und Kosten - aber ich denke es lohnt sich (übrigens auch für die Politik!).
Mehr Posts & weniger Interaktion auf Facebook = Stories sind der neue Feed
BOTTOM OF THE LETTER
Ferdinand Sacksofsky
Die @CSU so:
"Wir haben DEN Slogan für die Landtagswahl: #Soedermachts !"
"Guter Slogan. Wie rollen wir die Kampagne dann im Netz aus?
"Wie 'im Netz'? Im Internet??"
Die @BayernSPD so:
"Hold my Weißbier."
-> https://t.co/bZ74NLH11f
10:21 AM - 21 Aug 2018
Jan Böhmermann 🤨🇪🇺
- größtes Open World Game der Welt
- Strategie, Action, Simulation, Rollenspiel, Adventure und Aufbau in einem!
- Multiplayer
- gigantische Community mit über 500 Millionen Mitspielern!
- in 24 Sprachen verfügbar
- unendliche Möglichkeiten
DAS GAME HEISST🇪🇺 "EUROPA" 🇪🇺!
1:52 PM - 22 Aug 2018
Stefan Hechl
Hätte jemand Interesse an der Gründung einer Selbsthilfegruppe „Ich kaufe viel zu viele Bücher und habe keine Ahnung, wann ich die alle lesen soll“?
9:05 PM - 21 Aug 2018
Tarek Baé
Kurz und knapp. In unserem Land kann man als Nazi problemlos im Staatsdienst sein. Als Frau mit bedecktem Haar ist man aber nicht "neutral" genug dafür.
2:09 PM - 23 Aug 2018
Spätestens heute Abend ein bisschen Wochenende!
Did you enjoy this issue?
If you don't want these updates anymore, please unsubscribe here
If you were forwarded this newsletter and you like it, you can subscribe here
Powered by Revue
Ann Cathrin Riedel, Kemperplatz 1, 10785 Berlin