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Das Schreckgespenst DSGVO, Facebook und Google kontrollieren eine Abstimmung und warum Cyber-Security für Frauen wichtig ist - Issue #9

Revue
 
Die kommende Woche gehts so richtig los mit der DSGVO - mal schauen, ob die Welt untergeht. Gefühlt g
 

Ann Cathrin's Digital Digest

May 20 · Issue #9 · View online
Eine wöchentliche Sammlung von Artikeln zur Digitalisierung, Netzpolitik und Social Media und welchen Einfluss dies alles auf unsere Gesellschaft und Politik hat.

Die kommende Woche gehts so richtig los mit der DSGVO - mal schauen, ob die Welt untergeht. Gefühlt glauben so einige das. Ich hingegen mache mir eher Sorgen um Gesetze wie das Polizeiaufgabengesetz, das in Bayern verabschiedet wurde. Oder die Version aus NRW. Ich hoffe, man überlegt sich dort nochmal das Vorhaben, aber ich zweifle dran. Mit aberwitzigen Versprechen von gefühlt 100%iger Sicherheit kann man eben einige Wähler:innen mobilisieren. Auch wenn wie in Bayern 30.000 dagegen auf die Straßen gehen. Da sollte die DSGVO einem doch recht sein die, diversen berechtigten Kritikpunkten zum Trotz, doch einige Rechte von uns Bürger:innen und Verbraucher:innen stärkt. 
Vergangene Woche war der Parteitag der FDP auf dem ich vor allem ein bisschen Werbung für LOAD gemacht habe und mich mit spannenden Menschen über liberale Netz- und Digitalpolitik unterhalten habe. Schön, dass ein paar davon auch Mitglied geworden sind 😊💪🏼🎉Dann durfte ich noch auf Einladung der Landesmedienanstalt des Saarlands nach Saarbrücken zu einer Diskussion über Wahrheit im Netz und Fake News - das war sehr spannend. Vor allem das Saarland ist viel schöner als ich dachte - und als alle erzählt haben. Ich habe auch eine ganz tolle Tour durch die Landeshauptstadt bekommen und dabei ganz wunderbare Gespräche geführt. Mich dann allerdings gefragt, wann ich wohl zu der Frau geworden bin, die auf Gespräche über eGovernment und Cyber Security abfährt…? 🤔😬
Genießt das lange Pfingstwochenende, 
Ann Cathrin

Nicht nur in Deutschland sind die Behörden nicht ordentlich vorbereitet auf die DSGVO. Überall fehlt es ihnen an Personal und Budget. Hier in Berlin möchte die rot-rot-grüne Regierung der Datenschutzbeauftragten keine Möglichkeiten zur Sanktionierung von landeseigenen Unternehmen geben. Und weil das Thema gerade so viele beschäftigt, habe ich hier ein paar Sachen zusammengetragen, die mir über den Weg gelaufen sind:
Was noch alles zu tun ist, und in welcher Prioritätenreihenfolge man es am besten tun sollte, hat Martin Schirmbacher auf dieser Top 10 To-Do-Liste aufgeschrieben
Quelle: Härting Rechtsanwälte
Bei Facebook ist natürlich auch viel los. Daher auch hier eine kleine Linkliste:
Google sammelt zwar mehr Daten über jemanden, aber warum die gesammelten Daten doch nicht so creepy sind, wie die, die Facebook sammelt:
Most of what I saw in my Google file was information I already knew I had put in there, like my photos, documents and Google emails, while my Facebook data contained a list of 500 advertisers with my contact information and a permanent record of friends I thought I had “deleted” years ago, among other shockers.
Google’s File on Me Was Huge. Here’s Why It Wasn’t as Creepy as My Facebook Data. - The New York Times Google’s File on Me Was Huge. Here’s Why It Wasn’t as Creepy as My Facebook Data. - The New York Times
Am 25. Mai wird in Irland über eine Liberalisierung des Abtreibungsgesetzes abgestimmt. Im Vorfeld haben Facebook und Google zum ersten Mal Maßnahmen ergriffen, die eine Einflussnahme aus dem Ausland über auf ihren Plattformen geschaltete Werbung verhindern soll. Wer - ob für oder gegen den achten Verfassungszusatz - Werbung schalten möchte, muss sich authentifizieren und sicherstellen, dass er oder sie wohnhaft in Irland ist. Ich bin gespannt, wie das Feedback der Iren sein wird bzw. die Analyse der Abstimmung unter dieser “Einschränkung”, die ich durchaus begrüße. Ganz generell hat sich bei Facebook und der Bewerbung von politischen Inhalten nicht viel geändert. Ich kann politische Werbung weiterhin auf Menschen bestimmter Religion, Sexualität und Herkunft ausspielen und dadurch Vorbehalte schüren. Cambridge Analytica war nur das, was herauskam. Es gibt noch weit mehr Firmen, die ähnlich agierten. Die Köpfe arbeiten mittlerweile unter anderen Firmennamen weiter - und vielleicht auch immer noch mit den angeblich gelöschten Datensätzen
Google And Facebook Are Having A Massive Crackdown On Ads Ahead Of Ireland's Abortion Referendum Google And Facebook Are Having A Massive Crackdown On Ads Ahead Of Ireland's Abortion Referendum
Noch eine Abstimmung steht an: Upload-Filter sollen auf EU-Ebene zum Einsatz kommen. Während der Koalitionsvertrag diese ablehnt, wird Justizministerin Katarina Barley diesen wohl zustimmen
Wer oder was treibt die Ministerin? Es ist fast aussichtslos ihre Motivation zu erahnen, denn Sachrationalität schreibt man anders: Fehlendes Detailwissen? Deals mit deutschen Verlagen? Koalition mit Frankreich, das die Upload-Filter hinter den Kulissen offenbar besonders dringend haben will und im Gegenzug den Export des misslungenen deutschen Presseverleger-Leistungsschutzrechts schluckt? Seit ihrem Amtsantritt hat Barley sich jedenfalls nicht öffentlich zu den Upload-Filtern positioniert, sondern lässt die Arbeit auf Basis eines vom Koalitionsvertrag überholten Positionspapiers ihres Hauses von Ende Februar 2018 weiterlaufen. Dafür trat sie lautstark im Fahrwasser der Cambridge-Analytica-Affäre für den Schutz der Privatsphäre ein und blendet dabei aus, welche Lawine zusätzlicher personenbezogener Daten durch netzweit verpflichtende Durchleuchtung sämtlicher User-Uploads entstehen würde.
Warum Upload-Filter nicht gut sind, kann man sich nochmal im überparteilichen Kampagnen-Video, initiiert von Julia Reda, angucken: 
Die Zensurmaschinen kommen – Nein zu Uploadfiltern! - YouTube
Dass Beiträge in Newsfeeds nach ihrer Interaktion gerankt werden, ist ein großes Problem. Denn so werden vor allem reißerische Beiträge, die leider häufig populistisch und nicht unbedingt wahrheitsgetreu sind, nach oben gespült. Die Qualität leidet und Clickbaiting und Co gewinnen. Dass man Newsfeeds bzw. die Algorithmen dahinter auch anders steuern kann, zeigt Konrad Lischka in diesem Beitrag mit wirklich interessanten Ansätzen! Auch die Grünen, allen voran Renate Künast, wollen eine stärkere Regulierung von Algorithmen. Ein Arbeitspapier zur Algorithmenethik gibt es übrigens hier. Die EU-Kommission plant derweil eine Offenlegung von Rankings wie bei Amazon, ebay oder Google - der eco Verband lehnt dies ab. 
5 praktische Beispiele, wie Vielfalt algorithmischer Sortierung aussehen kann • Konrad Lischka 5 praktische Beispiele, wie Vielfalt algorithmischer Sortierung aussehen kann • Konrad Lischka
Ich finde es schon creepy, wenn ich am Handy laut Musik höre und dann auf einmal Siri angeht, weil sich vermutlich irgendetwas von Beyoncé wie “Hey Siri” anhörte. Jetzt haben Student:innen aus Berkeley und Georgetown gezeigt, dass sie Befehle in White Noise an Alexa, Siri und Co senden können. Da sind also noch einige (potentielle) Sicherheitslücken, die die Hersteller dringend schließen müssen. Wo die ganze Sache mit den digitalen Assistent:innen hinführen kann und womöglich wird, hat Christian Stöcker in seiner Kolumne aufgeschrieben. Nicht nur Fake-News, Fake-Videos, sondern auch Fake-Sprachaufzeichnungen und -Anrufe werden zu einem Problem werden. Und: digitale Assistent:innen werden uns vielleicht ziemlich schnell tierisch auf den Nerv gehen. Ganz genau so wie Karl Klammer es tat. Die Telekom hat sich währenddessen einen Ethik-Kodex für künstliche Intelligenz gegeben
Alexa and Siri Can Hear This Hidden Command. You Can’t. - The New York Times
Während sich Deutschland weiter mit dem #Dieselgate rumschlägt, die Autoindustrie trotz immensen Fehlverhaltens von der Politik in Schutz genommen wird, trifft sich Dieter Zetsche mit dem französischen Präsidenten und feiert, dass das erste Werk für Elektroautos in Frankreich gebaut wird. Nun sollen auch bald auf allen(!) französischen Straßen autonome Fahrzeuge (Level 4) fahren dürfen. 
Bald autonome Autos auf französischen Straßen Bald autonome Autos auf französischen Straßen
Daten von Frauen sind ziemlich wertvoll. Warum? Sobald sie schwanger werden, kaufen sie verdammt viel ein. (Manchmal frage ich mich ja, ob Influencerinnen deswegen alle schwanger werden - lohnt sich für sie). Daher sind Zyklus- und Schwangerschafts-Apps ein interessanter Markt, aber auch ein Cyber-Security-Risiko. Schließlich sollen meine Gesundheitsdaten gut geschützt sein. Was in dem Artikel leider nur unzureichend genannt wird und man erst findet, wenn man sich die Artikel auf dem vorgestellten Projekt Chupadados anguckt: Es gibt durchaus sichere Apps für Frauen. Die App Clue aus Deutschland zum Beispiel (ich bin auch sehr zufrieden mit ihr) lässt die persönlichen Daten auf dem Handy, klärt vorbildich über die Verwendung von Daten auf und nutzt lediglich nicht-personenbezogene Daten für Forschung an Universitäten (was ich begrüße). 
Menstruations-Apps tracken nicht nur den Zyklus – sie verkaufen auch deine Daten - Broadly Menstruations-Apps tracken nicht nur den Zyklus – sie verkaufen auch deine Daten - Broadly
BOTTOM OF THE LETTER
T҉̸͟i̴̵̷̛͞n̷͢͡ǫ̸̴̀ ͏̷̸͜Ḩ̀͘͠a̢̢̡͝h͘҉̛͘n̵͡͏̸
Die #DSGVO ist die größte Studie zum Thema "Aufschieben bis zum letzten Tag", die jemals in Europa durchgeführt wurde. Fazit: Volkskrankheit Prokrastination.
2:55 PM - 9 May 2018
Dennis Horn
Ich habe mir jetzt die #io18-Keynote reingezogen. Bei all dem technischen Schnickschnack und KI-Brimborium darf die wichtigste Nachricht für Android-Nutzer hier nicht untergehen: GOOGLE HAT DAS BIER-EMOJI GEFIXT! https://t.co/c9vNmOK6on
9:40 PM - 8 May 2018
Karsten Schmehl
Hat Berlin eigentlich erst genug Free-Floating Fahrrad-Anbieter, wenn wir alle Farben durch haben?
11:35 PM - 8 May 2018
Schwester Ewald
Menschheit ist, wenn man sich ganze Generationen von Schminkprinzessinen ranzüchtet und sich dann darüber lustig macht, dass Schminkprinzessinen Schminkprinzessinensachen machen.
6:41 PM - 9 May 2018
Enjoy the sunshine!
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