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Corona wird wieder gehen. Überwachungsmaßnahmen auch? - Issue #50

Ann Cathrin Riedel
Ann Cathrin Riedel
Es scheint, als haben die Ansprache der Kanzlerin Wirkung gezeigt. Immer mehr Menschen – so liest man zumindest von Leuten, die noch ab und an nach draußen gehen, sei es für einen Spaziergang oder zur Arbeit – bleiben zuhause. Ich fand ihre Rede sehr gut und eindringlich. Sie war ehrlich und nicht beschönigend. Sie sagte nichts mit erhobenen Zeigefinger und ließ sich das Verkünden von weiteren notwendigen Maßnahmen offen. So ehrlich zu kommunizieren ist so immens wichtig dieser Tage und ich finde, Angela Merkel hat das sehr gut gemacht.
Die Zeit in Isolation ist wohl für jede:n eine Belastungsprobe. Für bestimmt alle psychisch – ob allein, mit Partner:in oder Familie, für viele auch finanziell. Die Ungewissheit, wie lange das alles gehen soll, zehrt sehr an den Nerven und der Psyche. Von einigen Wochen müssen wir wohl schon ausgehen. Tomas Pueyo, der Autor des Texts “Why we must act now” hat einen weiteren geschrieben: The Hammer and the Dance. What the Next 18 Months Can Look Like, if Leaders Buy Us Time. Und ja das wird anstrengend. Zumal nach diesen Wochen auch nichts wieder wie vorher sein wird. Schließlich ist der Virus dann nicht einfach weg.
Während wir alle bei herrlichem Sonnenschein (zumindest in Berlin) drinnen sitzen, sind 40.000 Menschen beim “Wir vs. Virus”-Hackathon der Bundesregierung dabei, Ideen zur Bekämpfung des Viruses beziehungsweise den besseren Umgang damit zu entwickeln. Das ist einfach Wahnsinn, was da gerade passiert. Innerhalb nicht mal einer Woche haben sich sieben Organisationen zusammengeschlossen und das Ding (vielleicht den größten Hackathon jemals?) auf die Beine gestellt. Ich bin wahnsinnig beeindruckt und glaube fest daran, dass da einige sehr gute Ideen bei entstehen. Bei all dem Leid, dass diese Krise verursacht ist es doch großartig zu sehen, welche positiven Energien Menschen mobilisieren können und wie schnell Dinge gestaltet und umgesetzt werden können. Der Journalist Christian Feld hat einige seiner Eindrücke auf Twitter zusammengetragen.
Denkt dran auch offline wo irgend möglich zu unterstützen. Restaurants dürfen, da wo sie schließen mussten, noch Essen to go raus geben oder können liefern. Selbiges gilt für Cafés. Vergesst Euren Döner nicht, Euren Buchladen – die haben meist einen eigenen Online-Shop. Kauft Gutscheine bei den Läden in Eurer Stadt um sie später wieder einzulösen. Ruft Eure Freunde an. Schreibt Mails, macht Video-Calls, fragt einander, wie es Euch geht. Lieber einmal zu häufig. Sucht das Schöne, macht das Internet von Zeit zu Zeit aus, tanzt zuhause wild und tankt draußen ein wenig Sonne – mit Abstand zu den anderen.
Bleibt gesund,
Ann Cathrin
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yassin musharbash
Wer nach #Corona nicht in einer Welt ohne kleiner, unabhängige Buchhandlungen aufwachen will, bestellt seine Bücher dort. Viele, viele Läden liefern auch. Amazon kommt alleine klar, diese Buchdealer nicht. #supportyourlocalbookdealer
Holy Schmitt
wisst ihr noch damals als alles auch nicht so gut war aber trotzdem besser als heute hach das waren noch zeiten
WHAT TO KNOW
Bei der Gesellschaft für Informatik sind ziemlich viele ziemlich kluge Köpfe. Zwei davon haben einen großartigen Artikel über die Nutzung von Standortdaten zur Corona-Bekämpfung gelesen und sich dabei sowohl die ethische, als auch die (datenschutz-)rechtliche Komponente angesehen. Und machen wir es kurz: so verlockend es sich anhört, es bringt nichts. Die Daten, die es von den Netzbetreibern gibt, sind viel zu ungenau, als dass es mit ihnen möglich wäre, heraus zu finden, mit wem eine infizierte Person Kontakt hatte. Zumal das Virus ja auch nicht beim aneinander vorbei gehen einfach über springt – das muss schon etwas mehr Kontakt stattfinden. Auch Ulf Burmeyer, der häufiger mit Funkzellendaten zu tun hat, weißt auf deren Ungenauigkeit hin. Die beiden Autor:innen weisen ebenso darauf hin, dass begründeter weise angezweifelt werden muss, ob die von der Telekom überreichten Daten wirklich anonym sind. Denn dass solche Daten ausreichen anonymisiert werden können, daran zweifeln bisherige Untersuchungen.
Noch weitreichender sind Apps, die Corona-Patient:innen kontrollieren sollen. Christin Schäfer hat über diese und deren weitreichende gefährliche Auswirkung für den Tagesspiegel Background einen Gastbeitrag geschrieben. Auch Polen hat eine App entwickelt, mit der sie Infizierte oder Rückkehrer:innen orten können. Wer die App nicht nutzen möchte, muss mit regelmäßigen Besuchen der Polizei rechnen.
Während des Schreibens bin ich dann doch ganz froh zu ergänzen zu können, dass Jens Spahn wohl die geplante Handy-Daten-Erhebung aus dem Gesetzentwurf streichen möchte.
“The coronavirus epidemic is thus a major test of citizenship” Yuval Noah Harari, sagt in diesem sehr lesenswerten Text, dass wir gerade vor zwei sehr wichtigen Entscheidungen stehen: die erste ist zwischen Totalüberwachung und Ermächtigung von Bürger:innen und die zweite zwischen nationaler Isolierung und globaler Solidarität. Damit stehen wir gerade vor wirklich entscheidenen Weichenstellungen für das 21. Jahrhundert, für die Zeit nach Corona. (“Wer wir während Corona waren, das bleibt für immer” (Kathrin Weßling) gilt eben nicht nur für das Verhalten eines jeden Einzelnen, sondern auch für ganze Gesellschaften.) Viele finden jetzt die Frage nach Datenschutz und Privacy oder Bürgerrechten allgemein unpassend, denn schließlich gehe es jetzt um die Gesundheit, ja um das Leben hunderter, tausender Menschen. Ja, das ist richtig. Und doch dürfen die Themen Privacy und Gesundheit nicht leichtfertig gegeneinander ausgespielt werden:
The coronavirus crisis could be the battle’s tipping point. For when people are given a choice between privacy and health, they will usually choose health. Asking people to choose between privacy and health is, in fact, the very root of the problem. Because this is a false choice. We can and should enjoy both privacy and health. We can choose to protect our health and stop the coronavirus epidemic not by instituting totalitarian surveillance regimes, but rather by empowering citizens. In recent weeks, some of the most successful efforts to contain the coronavirus epidemic were orchestrated by South Korea, Taiwan and Singapore. While these countries have made some use of tracking applications, they have relied far more on extensive testing, on honest reporting, and on the willing co-operation of a well-informed public.
Aktuell höhlt bereits Netanyahu (im Text unten, oder auch hier) in Israel und Orban in Ungarn einiges, ja viel zu viel an demokratischen Prozessen und rechtsstaatlichen Prinzipien aus. Überwachungstools-Anbieter haben derweil genug zu tun. Wer eigentlich Überwachungskameras mit Waffen-Erkennung anbot, macht jetzt vor allem in das Messen und Erkennen von Körpertemperaturen, um Kranke zu erkennen und aus zu sortieren. Das mag sich alles (wie auch oben die Nutzung von Ortungsdaten von Smartphones) logisch und wichtig anhören, sie jetzt zu nutzen. Abgesehen von Aktionismus, sollten wir uns aber nichts vormachen: diese Überwachungsmaßnahmen werden nicht wieder weg gehen. Sie wären der Beginn von massenhafter Überwachung weit über das vorgebliche Eindämmen des Corona-Viruses hinaus.
Das über Bord werfen der Privatsphäre und des Datenschutzes geht in Montenegro gerade so weit, dass Name und Anschrift von infizierten veröffentlich werden. Dabei ist so eine Stigmatisierung brandgefährlich und der Nutzen mehr als fraglich (aus dem letzten Newsletter).
“We all want things to go back to normal quickly. But what most of us have probably not yet realized—yet will soon—is that things won’t go back to normal after a few weeks, or even a few months. Some things never will.” Wie unsere Innenstädte nach Corona aussehen werden, wissen wir nicht. Wird unser Buchladen an der Ecke überleben? Unser Lieblingscafé? Wie sieht es mit dem Zurückfahren von neuen Befugnissen aus? Manuel Atug hat auf Twitter mal nachgefragt, welche Sicherheitsgesetze nach 9/11 eigentlich zurück genommen wurden und findet – keine, wenn wurden sie von Karlsruhe einkassiert. Dabei fragt man sich schon, welches Sinn und Zweck zum Beispiel das Verbot von Flüssigkeiten an Flugzeugen noch hat. Erst recht, wenn einem am Flughafen in Israel, das nun wirklich nicht zimperlich bei der Sicherheitsüberprüfung ist, gesagt wird, dass man natürlich die Cola im Handgepäck behalten darf. Das ist das oben beschriebene Problem: wir bekommen neue Befugnisse zur Überwachung, weil wir sie (angeblich) in der Krise brauchen, sie werden anschließend aber nur selten zurück genommen, nein, meist sogar noch erweitert. Hier eine – wie ich finde – Dystopie, die gar nicht so unwahrscheinlich ist, nach dem, was hier in einigen Ländern bereits so schnell umgesetzt und implementiert wurde.
We don’t know exactly what this new future looks like, of course. But one can imagine a world in which, to get on a flight, perhaps you’ll have to be signed up to a service that tracks your movements via your phone. The airline wouldn’t be able to see where you’d gone, but it would get an alert if you’d been close to known infected people or disease hot spots. There’d be similar requirements at the entrance to large venues, government buildings, or public transport hubs. There would be temperature scanners everywhere, and your workplace might demand you wear a monitor that tracks your temperature or other vital signs. Where nightclubs ask for proof of age, in future they might ask for proof of immunity—an identity card or some kind of digital verification via your phone, showing you’ve already recovered from or been vaccinated against the latest virus strains. …
As usual, however, the true cost will be borne by the poorest and weakest. People with less access to health care, or who live in more disease-prone areas, will now also be more frequently shut out of places and opportunities open to everyone else. Gig workers—from drivers to plumbers to freelance yoga instructors—will see their jobs become even more precarious. Immigrants, refugees, the undocumented, and ex-convicts will face yet another obstacle to gaining a foothold in society.
“Authorities worldwide are using the coronavirus as a pretext to crack down on human rights for political purposes.auch Freedom House warnt derweil vor einem erheblichen Backlash für die Freiheit in der Welt. Und Hinnerk Wissmann schreibt in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung darüber, dass das Coronavirus nicht nur vor eine Herausforderung bezüglich Intensivbetten stellt, es gehe auch um das, was unsere Gesellschaft zu dem macht, was sie ist.
Und damit:
Jens Ohlig
Nach der Krise wird es darauf ankommen, dass wir uns alle dafür einsetzen, temporäre Grundrechtsbeschränkungen rückstandslos zu entsorgen, während Errungenschaften wie die tägliche Sendung mit der Maus beibehalten werden.
Vielleicht wurden von Euch auch Artikel zu Corona auf Facebook gesperrt, beziehungsweise als Spam markiert? Da ist dem Konzern ein ziemlicher Klopper an Fehler unterlaufen. Vermutlich im Zuge der Bekämpfung von Desinformationen ist da einfach mal alles zum Thema unter die Räder gekommen – auch wenn es mittlerweile wieder hergestellt wurde. Bei mir dauerte es ca. zwei Tage (ich gebe zu, ich habe kein Zeitgefühl mehr, können auch 1,5 gewesen sein). Es ist ein “schönes” Beispiel für die Gefahr, auf die wir auch immer bei den Uploadfiltern hin wiesen: Automatisierte Systeme, “künstliche Intelligenzen” können nicht wirklich gut und präzise bestimmen und dann entscheiden, was nun gute oder schlechte Information sind (oder eben vom Zitatrecht noch abgedeckt beim Urheberrecht usw.) Warum der Fehler passierte – ich habe darüber noch nichts gelesen, aber was wir dringend die nächsten Wochen beobachten müssen, sind die Moderationsentscheidungen, die auf Facebook, Twitter und YouTube getroffen werden. Denn die Entscheidungen werden fortan hauptsächlich von den Systemen getroffen, denn auch die Mitarbeiter:innen, die moderieren, sollten vor dem Coronavirus geschützt werden und nicht mehr in Großraumbüros arbeiten. Facebook hat beispielsweise einen Großteil auch bei den Subunternehmern nach Hause schicken lassen, bezahlt diese aber zum Glück weiter. Warum machen die nicht Home Office? Ist hier eine berechtigte Frage und der Job hört sich dafür prädestiniert an. Es ist aber nicht zu einfach – und leider zum Glück. Zum einen gelten auch schon bei den Firmen, bei denen diese Moderator:innen arbeiten vor Ort enorme Sicherheitsvorkehrungen, denn dort wird mit immens vielen personenbezogenen Daten gearbeitet. Die müssen zwingend dort bleiben. Die Gefahr, dass Daten gestohlen werden, ist im Home Office leider zu groß. Und ebenso müssen alle anderen im Haushalt vor den Inhalten geschützt werden. Denn die Inhalte, die hier moderiert werden, sind eben nicht nur schriftliche Beleidigungen, sondern auch sehr viele Bilder von Morden, Verstümmelungen, Pornografie, Tierquälereien, you name it. Darauf ist der restliche Haushalt weder vorbereitet, noch haben die Mitarbeiter:innen im Home Office die psychologische Hilfe, die sie bei den Unternehmen haben, um über das Gesehene zu sprechen.
Facebook, Twitter und YouTube wollen derweil keine permanenten Ban-Entscheidungen allein auf Basis von Systementscheidungen treffen. Sie warnen aber auch ihre Communities, das es fortan länger dauern kann, wenn man Fehlentscheidungen reklamiert, da eben nur mit ganz wenig Personal aktuell gearbeitet werden kann.
Ein gutes Zeichen ist: während Corona sind Qualitätsmedien besonders gefragt. Und doch geistern weltweit Desinformationen über alle Kanäle. Auch die EU-Kommissarin Vera Jourova warnt mittlerweile vor Desinformationen auf Messengern und mit Sebastian Christ vom Tagesspiegel Background durfte ich über das Thema kurz sprechen und ob Gesetze gegen “Fake News” wie von Boris Pistorius aus Niedersachsen vorgeschlagen, helfen. Spoiler: Nein und hier habe ich nochmal in einem Twitter-Thread ausführlicher geschrieben, was akut helfen kann.
Facebook, Google, YouTube, Twitter, Reddit, Microsoft und LinkedIn haben sich derweil zusammen geschlossen, um Desinformationen zusammen gezielt zu bekämpfen. Was die Kooperation beinhaltet, ist bislang nicht bekannt.
Die bekannten Fakt-Checker haben unterdessen auch einiges zusammengetragen, was aktuell an Desinformationen verbreitet wird. Correctiv hat hier eine lange Liste, wer die wilden Thesen des Lungenarzts Wolfgang Wodarg hört, findet bei n-tv eine Bewertung seiner Behauptungen und bei BuzzFeedNews findet ihr englischsprachige Desinformationen, die sich gerade verbreiten. Hier könnt Ihr sehen, welche Desinformationen Google mit Partnerorganisationen checken lässt. Quasi eine Suchmaschine für Desinformationen.
Übrigens auch ganz wichtig: Auch die schönen Sachen sind oftmals Desinformationen. Dazu gehören die Delphine und Schwäne in Venedig, als auch die betrunkenen Elefanten in China. Das hört sich erst nicht gefährlich an, aber es unterminiert Vertrauen.
Social Media Plattformen sind die Orte, an denen Desinformationen gedeihen und sich verbreiten. Sie sollten auch die Plattformen sein, an denen sie bekämpft werden. Die Bereitstellung von Informationen zu COVID-19 beim Öffnen, ist ein erster Schritt. Platforms need to step up:
But misinformation isn’t just a problem of content; it’s also one of transmission. In desperate situations, government officials can activate emergency alert systems across mobile phones, cable TV, and radio to reach the public. Today, however, no such emergency protocols exist for social media. As the WHO battles the coronavirus infodemic, what assurances does the public need that critical information is prioritized? 
Dabei ist aber auch ganz essentiell, wie staatliche Akteure kommunizieren. Zeynep Tufekci zeigt das sehr schön daran, wie fatal es war zu sagen, dass Mundschutze nichts helfen. Denn den Menschen zu sagen, sie würden diese nicht brauchen, gleichzeitig braucht aber medizinisches Personal diese, weil es sie gegen das Virus schützt, klingt unlogisch, verursacht Panik und senkt das Vertrauen. Das heißt, Ehrlichkeit ist jetzt am Wichtigsten, was im Falle von Mundschutz heißt zu sagen, dass wir zu wenig Masken haben, diese medizinisches Personal braucht, weil diese im direkten Kontakt mit Infizierten sind und andere nicht solch einer Gefahr ausgesetzt sind usw.
Im unten stehenden Text sind ein paar (anstrengende, ja) Maßnahmen, um Nachrichten generell, aber speziell zum Corona-Virus zu bewerten und vor allem sich selber und die eigenen Annahmen, bzw. das eigene Wissen zu hinterfragen. Wir überschätzen uns selbst nämlich maßlos. Was auch hilft: Social Media runter fahren, durchatmen. Eva Horn hat dafür ein paar Tipps aufgeschrieben.
Die Zeit in der Isolation kann sehr schnell, sehr belastend sein. Für viele aus vielfältigen Gründen. Gerade für Menschen mit Depressionen kann das jetzt alles sehr gefährlich sein. Wichtig für jeden sind dabei Routinen und Kontakt zu Freunden und Familie. Kathrin Weßling mit einem sehr treffenden Text für alle Betroffenen und Tipps, die sich alle, auch wenns einem jetzt noch gut geht, zu Herzen nehmen sollten. Prävention ist jetzt sehr wichtig. Passt auf Euch auf!
Und dann sind da noch die Dinge, die ich in Klinikaufenthalten und Therapien gelernt habe: einmal am Tag vor die Tür oder wenigstens an die Luft (schaffe ich auch oft nicht und bezahle immer mit Schlafstörungen dafür). Drei Mahlzeiten, die nicht nur aus Fast Food bestehen. Keine Nachrichten, kein Social Media vor dem Schlafengehen. Das Bett machen, auch, wenn man zu Hause bleibt. Morgens aufstehen, nicht erst mittags. Wenig oder keinen Alkohol trinken und erst recht nicht alleine. Ordnung halten. Nicht dort arbeiten, wo man schläft oder sich entspannt. Auf keinen Fall und ohne Ausnahme. Der Kopf braucht Räume, die er nicht mit Arbeit verbindet. Und immer wieder: Gefühle annehmen.
Es ist nämlich normal, dass wir auf diese Situation reagieren. Die einen panisch, die anderen genervt, wieder andere depressiv und einige aggressiv. Aber wir alle reagieren. Und das, was wir für uns selbst und für andere tun können ist genau diese eine Sache: akzeptieren.
Akzeptieren, dass es für manche schwerer ist als für andere, und sie dafür nicht verurteilen, auch uns selbst nicht. Die eigenen Ängste akzeptieren. Akzeptieren, dass es nervt, plötzlich so viel zu Hause zu sein. Akzeptieren, dass nichts gerade mehr normal ist. Und dass gerade das eben jetzt normal ist. Das, was wir nun füreinander tun können, ist das, was wir eigentlich auch ohne Corona längst hätten lernen müssen: aufeinander achtgeben, nachfragen, uns in Geduld und Toleranz üben, uns umeinander sorgen. Corona wird eines Tages vorbei sein. Wer wir aber in dieser Krise füreinander waren, bleibt.
Was bedeutet so eine Pandemie für Frauen und Geschlechtergerechtigkeit? Nichts Gutes – das konnte man schon nach der Ebola-Epidemie in West-Afrika sehen. Der Gender-Aspekt findet leider immer noch zu wenig Beachtung, wird abgetan, obwohl das Leben von vielen Frauen stärker belastet wird und sie zurück geworfen werden als Männer. Da Frauen – als ein Beispiel – im Schnitt deutlich weniger verdienen als Männer, werden eher Frauen in heterosexuellen Partnerschaften nun zurück stecken und ihren Job gefährden, wenn alle ins Home Office müssen und nebenbei noch Kinder betreut werden müssen. Alleinerziehende sind größtenteils Frauen – diese müssen jetzt noch mehr die Doppelbelastung zwischen Job und Kinderbetreuung ohne Schule und Kita bewältigen. Care-Arbeit wird generell mehr von Frauen geleistet, auch dann, wenn beide Partner Vollzeit arbeiten und Kinder im Haushalt sind. Die wird durch die Epidemie, zu tätigende Vorratskäufe und noch mehr Hygienemaßnahmen noch mehr. Hinzu kommt, das zeigt auch die Ebola-Epedimie in West-Afrika, dass wenn das Gesundheitssystem auf die Bekämpfung der Epidemie ausgerichtet ist, andere Bereiche hinten unter Fallen, wie zum Beispiel die Geburtshilfe. Auch das sehen wir jetzt schon im deutschen Gesundheitssystem. Hier wird die Zahl der Müttersterblichkeit vermutlich (und hoffentlich) nicht hoch schnellen, so wie in West-Afrika, psychologische Folgen durch beispielsweise Verbieten, dass der Partner bei der Geburt dabei sein kann, sollten dennoch nicht unterschätzt werden. Auch steigende häusliche Gewalt wird nicht nur in China ein Thema sein, sondern weltweit.
WHAT TO HEAR
In eigener Sache: Jetzt im Podcast: Wie "Corona" den Job von uns Journalisten verändert - Augsburg meine Stadt - Augsburger Allgemeine
WHAT TO WATCH
Ich liebe die Maus. Und gerade jetzt tut sie wahnsinnig gut, denn ich suche nach Ablenkung und was zum Lachen – das gibts da alles. Mit Shawn dem Schaf und Hein Blöd. Und ziemlich viele Bagger und ganz viel Wissen – wartet nur ab, bis ich bei den nächsten Stehempfängen mit meinem Deichbau- und Bahnbrückenaustausch-Wissen daher komme!
WHERE TO GO
WHAT TO READ
WHAT I LIKED
Nhi Le
Alle horny, alle hungrig, alle anxious.
Laurie Penny
Quarantine day 6, and we’re all: -quietly reading improving books
-doing crafts with the three people we’re allowed to see till summer
-wondering if a single cough means imminent death
-thinking almost constantly about sex.
I suddenly understand Jane Austen novels much better.
Jan Skudlarek
Frauen stehen auf Männer, die

- zuhören
- kochen können
- Augenkontakt kein Problem
- Christian heißen
- sportlich sind
- promoviert
- gut gekleidet
- saubere Fingernägel
- Nachname Drosten
- Virologe
- Christian Drosten
- du kleine Süßmaus
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Ann Cathrin Riedel
Ann Cathrin Riedel @anncathrin87

Eine wöchentliche Sammlung von Artikeln zur Digitalisierung, Netzpolitik und Social Media und welchen Einfluss dies alles auf unsere Gesellschaft und Politik hat.

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Ann Cathrin Riedel, Berlin