Built on Love: This Newsletter and... - Issue #47

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Ann Cathrin Riedel
Ann Cathrin Riedel
Ja, ja. Liebe. Auch so eine Sache. Wie über Liebe nach Hanau sprechen? Wenn uns der rassistische Terroranschlag nicht doch so berührt und betrifft, als dass wir sagen, wir sagen Karneval ab, weil das so nicht mehr geht (wegen Corona ganz zu schweigen). Weil wir durch den Karneval eben nicht sagen, dass wir uns unsere Freiheit nicht nehmen lassen, denn, liebe weißen Mitmenschen, das war kein “Anschlag auf uns alle”, das war ein Anschlag auf eine ganz bestimmte Gruppe an Menschen, bei denen Rassist:innen meinen, dass sie nicht zu “uns” gehören. Weiter feiern, das war das Richtige nach den islamistischen Anschlägen in Paris, aber hier? Nein, ich finde nicht. “Ein Viertel der Bevölkerung fürchtet um seine Unversehrtheit”, so steht’s in einem Brandbrief an Angela Merkel. Seit Jahren sagen Menschen, dass sie sich hier nicht mehr sicher fühlen. 142 dieser Menschen – ich bin glücklich einige von ihnen meine Freunde nennen zu dürfen – sagen das jetzt auch nochmal explizit in der Zeit. Ihnen endlich zuzuhören kann nur der Anfang sein.
Liebe, bisschen kitschig, ist hier heute immer mal wieder eingestreut. Aber vielleicht braucht’s davon einfach auch ein bisschen mehr in der Welt. Vielleicht bin ich nach einer Woche in Isolation aber auch ein bisschen sehr sentimental geworden. Keine Angst, kein Corona! Ich kränkel, aber werde nicht richtig krank. Seit Herbst nicht! Mein Körper verweigert sich krank zu werden, obwohl sich alles nach einem baldigen Ausbruch einer Erkältung anfühlt und der Hals seit einer Woche schmerzt! Die eigentliche Isolation kommt, weil ich nur am Schreiben bin: über Desinformation und Messenger für die Friedrich-Naumann-Stiftung und ich bin fast durch. So ein komplexes Thema, da musste nochmal alles umgeschmissen werden und ich bin sehr gespannt, was zum ersten Entwurf gesagt wird. Vorher wird aber schon im Bundestag beim Forum Öffentliche Sicherheit über Desinformationen zur Destabilisierung von Gesellschaften geredet und mein Hauptziel wird sein, ein Bewusstsein für die Komplexität des Problems und Phänomens zu schaffen. Bis dahin wünsche ich Euch noch einen schönen Sonntag mit diesem Newsletter ❤️
Ann Cathrin
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Karl Sharro
Maybe this acceleration of catastrophes might lead to some positive results, like if they cancel some of the wars they got going because of the threat of the Corona virus.
WHAT TO KNOW
Corona, Corona, Corona. Don’t panic! Alles was man ganz nüchtern drüber wissen muss, hat das Republik Magazin aufgeschrieben und wie es ist Corona zu haben (wenn man keine Vorerkrankungen hat) berichtet ein infizierter Arzt aus meiner Uni-Stadt Tübingen. Was halt einfach mega fancy ist – hallo Zukunft –, ist, dass man sich auf einem Live-Dashboard die Zahl der Erkrankten, aber auch der wieder gesunden angucken kann. Iran ist übrigens auf Platz zwei der Länder, an dem bisher am meisten Menschen gestorben sind. Das Land ist massiv von Sanktionen betroffen. Auch so schon ist es für Krebs-Patient:innen unglaublich schwer die notwendigen Medikamente zu bekommen. Jetzt, wo enormer Bedarf an Medizin und Hygiene- bzw. Desinfektionsmitteln besteht, sind die Sanktionen nochmal problematischer und müssen für diese Bereiche dringend gelockert werden. Übrigens funktioniert auch das Informieren nur bedingt, weil Services, wie das oben verlinkte Dashboard, auf AWS-Systemen laufen und die durch die Sanktionen in Iran gesperrt sind. Auf Amazon werden gerade massenweise – sofern denn noch lieferbar – Atemmasken und Desinfektionsmittel gekauft. Preise dafür sind in die hohe gestiegen und Amazon verbietet Anbietern diese Dinge zu exorbitanten Preisen zu verkaufen. Spannend, wie Amazon hier zum einen dafür sorgt, dass solche essentiellen Dinge bei einem Epidemieausbruch bezahlbar bleiben, zum anderen auch einfach eine krasse Macht hat, hier zu bestimmen, zu welchen Preisen Dinge angeboten werden dürfen und zu welchen nicht.
Bei der Verbreitung des Corona-Viruses, beziehungsweise dem Versuch der Eindämmung zeigt sich aktuell, wie problematisch autoritäre Systeme und Regime sind, bei denen es keinen freien Informationsfluss gab. In China wurden die ersten Vorfälle in Wuhan nicht gemeldet, obwohl man wusste, dass es kritisch wird – aus Angst vor den Oberen. Wichtige Informationen über die Verbreitung, so die Bevölkerung sich schützen kann, werden nicht verbreitet. Zudem ist so ein Umfeld der perfekte Nährboden für Desinformationen. Das zeigt sich gerade in China, aber auch in Iran. Den totalen Kontrast sieht man in Taiwan – das ob Chinas politischen Drucks kein Teil der WHO ist, aber die Ausbreitung des Viruses durch transparente Kommunikation, digitale Tools und offene Daten ziemlich gut im Griff hat. Auch hier arbeiten unter der Digitalministerin Audrey Tang wieder Zivilgesellschaft und Staat zusammen, um hilfreiche digitale Angebote zu schaffen. Zensorische Maßnahmen haben auch schon mal in den USA zu Epidemien geführt und aktuell ist das mangelnde Vertrauen in die Medien, das durch die Regierung Trump gefördert wird, ein großes Problem. Denn Informationen sind eben essentiell bei der Bekämpfung. Trump verlautbart währenddessen übrigens, dass die Corona-Sache nur ein Hoax ist. Vom US-Gesundheitssystem und das man es sich leisten können muss, sowohl zum Arzt zu gehen, als auch nicht zur Arbeit, fange ich erst gar nicht an.
Aber es sollte heute ja auch um die Liebe gehen! Built of love ist nämlich nicht nur diese Newsletter, sondern auch Wikipedia! (Und weil man von Liebe nicht leben kann, könnt Ihr diesen Newsletter hier über Steady monatlich unterstützen 🙃) Wikipedia lernte ich in der neunten Klasse kennen. Unser Lehrer, damals noch Referendar zeigt sie uns und mahnte uns, dass man sich da zwar Inspiration holen könne, auch mal was nachlesen könne, aber man die Wikipedia nicht als Quelle nimmt. Eingeprügelt wurde uns das damals, aber das ist jetzt auch 15 Jahre her und damals hatte es sicher seine Gründe. Die Wikipedia ist heute aber ganz anders, viel weiter entwickelt und eigentlich das Sinnbild des Internets: ein Projekt, frei und offen für jede:n. Der Traum der Menschheit, das Wissen der Welt zu sammeln wird hier real. Auch wenn man nie alles zusammentragen kann – es ist eines der größten Projekte das Menschen geschaffen haben und das alles freiwillig. Nur, weil sie an das Projekt glauben und/oder Leidenschaften für Nischenthemen haben und das Wissen darüber auf der Wikipedia zur Verfügung stellen. Laut diesem Artikel in der Wired gehören diese Artikel zu den besten Artikeln, die man dort lesen kann. Die Encylopaedia Britannica, oder hier bei uns der Brockhaus, wird aber immer noch als wichtiger, als korrekter angesehen, obwohl das Wissen dort weder so komplex, noch so umfassend ge-peer-reviewed, noch so aktuell ist, wie auf der Wikipedia. Und vor allem nicht so schnell erreichbar. Für die meisten Menschen, insbesondere Wissenschaftler:innen ist es aber weiterhin höher angesehen, in Fachpublikationen und -Enzyklopädien zu veröffentlichen, so dass viel Wissen nur für die zugänglich ist, die sich den Zugang leisten können.
Na, wann habt Ihr das letzte Mal einen Screenshot von einer Konversation oder einem Tinder-Match gemacht und einem Freund oder einer Freundin geschickt? Ich gestern. Verrate aber nicht was von beidem. Ich spreche hier ja gerne von verschlüsselter Kommunikation und wie wichtig und essentiell diese ist. Für die eigene Privatsphäre, aber auch für die ganze Demokratie (letzte Woche schrieb ich über den Pariser Bürgermeisterkandidaten, der wegen sowas und Videos von sich seine Kandidatur zurück zog). Aber das schützt halt auch nicht vor einem Leak der privaten Kommunikation, wenn jemand Screenshots macht. Apps, wie zum Beispiel Snapchat zeigen einem an, wenn der oder die Empfänger:in einen Screenshot von einer Nachricht angefertigt hat. Das hilft zwar nicht etwas gegen den Screenshot zu tun, aber man kann sein Gegenüber fragen, was das soll. Technisch gibt es also die Möglichkeit das anzuzeigen, aber auch zu verhindern. Denn wenn man mal ehrlich ist, man versendet ohne das Einverständnis von anderen schon sehr viel Informationen, die eventuell nicht für andere bestimmt waren. Also eben Screenshots von Chats, aber auch Profile bei Datingplattformen usw. Wo all diese intimen Daten in Form von Bildern gespeichert sind, weiß man gar nicht. Und auch die ein bisschen Unart auf Twitter alles zu screenshoten bevor man kritisiert um jemanden dann nochmal bloß zu stellen oder Fehler auf ewig vorzuhalten, obwohl der oder die Absender:in dann doch ziemlich schnell gemerkt hat, dass die Wortwahl gerade unglücklich war. Das technisch anzuzeigen und/oder zu unterbinden kann eine Lösung sein (und ja, man kann ein Foto vom Handy machen und sowas technisch umgehen…), sie wird aber schwierig für die Fälle, in denen man unbemerkt einen Screenshot anfertigen sollte, aus Angst vor Gefahr – zum Beispiel bei Beleidigungen oder schriftlichen Drohungen, insbesondere wenn man den Absender kennt (ich denke nur an gewalttätige Ex-Partner:innen). Wir müssen über Screenshots reden und wie wir damit umgehen, denn wir brauchen dringend gesellschaftliche Normen und Konventionen für den Umgang mit ihnen.
TikTok spioniert seine Nutzer:innen so fies aus, dass sogar Sheryl Sandberg, COO von Facebook das bedenklich findet (oh, the irony!). Aber TikTok macht noch mehr mit den – vornehmlich jungen – Menschen. Dank des Algorithmuses gehen Videos gerne super viral. Views und dann auch Follower von mehreren hunderttausend in kürzester Zeit sind keine Seltenheit. Doch was macht diese Berühmtheit mit jungen Menschen (die Nutzer:innen sind gerade mal 13, 14 im Schnitt)? Sie gehen daran teilweise ziemlich kaputt. Gerade, wenn die Berühmtheit, beziehungsweise die Reichweite nicht mehr anhält. Für die, die es “geschafft” haben, ändert sich aber auch alles. Sie werden zu Medienstars weit über TikTok hinaus. Das gabs zwar auch schon mit Instagram und YouTube-Stars, die waren nur ein paar Tage älter. Auch da merkt man und wird man noch mehr sehen, dass das nicht jedem gut tut und so eine Belastung auf Dauer sehr anstrengend ist. Die Stars hier sind aber nochmal einige Jahre jünger.
Internet ist in Kaschmir immer noch nicht. Darüber hatte ich bereits Ende 2019 geschrieben. Es ist einer der längsten Internet-Shutdowns die wir kennen – und das in einer Demokratie! So ein Shutdown heißt halt nicht, dass man dann kein Facebook und WhatsApp mehr hat – geht ja schon irgendwie, nein. Wetterbericht kann man sich nicht mal eben am Smartphone angucken. Student:innen können ihre Arbeiten nicht abschicken, Unternehmen ihre Geschäfte nicht mehr abwickeln (die kommunizieren halt nicht mehr per Fax). Jetzt gibt es wenigstens ein bisschen Internet, aber nur ganz langsam und nur Webseiten, die der Regierung genehm sind, sind für die Region Kaschmir freigeschaltet, weil das oberste Gericht sagte, dass dieser Shutdown rechtswidrig ist. Menschenrechtsaktivist:innen sind schon länger alarmiert. Das, was die hindunationalistische Regierung dort, aber nicht nur dort, mit den Muslim:innen (mit diversen Minderheiten in ganz Indien) macht, ist einer Demokratie schon längst nicht mehr würdig.
Wie oben schon geschrieben, ich beschäftige mich gerade sehr viel mit dem Thema Desinformation und da ist mir auch gerade dieser Bericht aus dem Bundesministerium der Verteidigung unter gekommen, in dem über eine internationale Übung berichtet wird. Einige Sachen störten mich dabei: dass über “Fake News” geschrieben wird, dabei ist das Problem viel komplexer (ich werde das in meiner Publikation erläutern – stay tuned). “Fake News” ist zudem zu einem Begriff geworden, mit dem sowohl der politische Gegner, als auch die freie Presse diskreditiert werden soll. Ich finde es daher fatal, wenn er in einem solchen Umfeld fällt. Aber darüber werde ich morgen im Bundestag ein bisschen aufklären, warum das so problematisch ist.
In der Übung ging es um fabrizierte Nachrichten. Auch das ist in Europa bzw. bei Wahlen in Westeuropa eher weniger ein Problem gewesen (im Osten hingegen schon). Wir haben aber noch zu sehr diese “News”-Seiten im Kopf, die im US-Wahlkampf eingesetzt wurden (vornehmlich um Geld zu machen, die politische Dimension wurde aber wohlwollend in Kauf genommen). Viel problematischer sind aber echte Aussagen, die falsch in Kontext gesetzt worden, beziehungsweise noch spezifischer: Bilder und Videos. Wir reden viel zu sehr über Text denn über Bildmaterialien, die viel leichter zu konsumieren sind und viel schwerer zu debunken. Solch ein falscher Kontext eines echten Bilds geht übrigens auch zuhauf beim Thema Corona-Virus rum (und just beim Schreiben noch das hier entdeckt). Dass Menschen irgendwas witzig finden und deshalb falsch konextualisieren, ist übrigens auch ein enormes Problem bei der Verbreitung von Desinformationen. Ebenso – das Kreide ich aber nicht dem Text des BMVg an, denn die sind für Gefahren von Außen zuständig – liegt die größte Gefahr für Desinformationen im jeweils eigenen Land. Kampagnen von außen, auch durch staatliche Akteure gibt es zwar, aber das was am gefährlichsten ist, kommt aus dem Inland.
WHAT TO HEAR
Podcast: Wird das was?Ulf Buermeyer: Warum ist es so schwer, das Internet zu regulieren?
WHAT TO WATCH
Jede:r, der mich kennt weiß es: ich bin ein Fangirl von Konstantin Kuhle! Ihr solltet es auch werden und selbst wenn Ihr es schon seid, schaut Euch seinen Besuch bei “Chez Krömer” im rbb an. Großartig! Und wenn dann noch nicht genug hat lese bitte seinen Kommentar in der NZZ: Warum der Kampf gegen den Rechtsextremismus ein liberales und konservatives Projekt ist.
Chez Krömer – Zu Gast: Konstantin Kuhle (3/6, Staffel 2)
Chez Krömer – Zu Gast: Konstantin Kuhle (3/6, Staffel 2)
WHERE TO GO
Send some Events!
Crashkurs Business Development und PR für Kanzleien am 12. März 2020 in Berlin
Programm | for..net
WHAT TO READ
Hier noch eine Love-Section ❤️😉
WHAT I LIKED
Anand Giridharadas
Coronavirus makes clear what has been true all along. Your health is as safe as that of the worst-insured, worst-cared-for person in your society. It will be decided by the height of the floor, not the ceiling.
Stuggi-Fan Nr. 1
Politische Kommunikation holt Typen wie mich ab wenn sie der denkbar einfachsten Regel folgt: Subjekt - Prädikat - Objekt.
Pfötchen
Frühstücksraum.

Mann (ca. 50) zur Frau (ca. gleiches Alter) am Nachbartisch: "Kein Ehering?"
Sie: "Nein. Sie auch nicht."
Er: "Einen Drink heute Abend?"
Sie: "Okay."
[Stille]

Was war denn das jetzt?
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Ann Cathrin Riedel
Ann Cathrin Riedel @anncathrin87

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Ann Cathrin Riedel, Berlin