Profil anzeigen

Am-Ball-Bleiben - Issue #2 - Reading Digest von André Cramer

Revue
 
Mehr Menschen sollen mehr über unsere digitalen Zukunftsoptionen wissen. Damit wir unsere Zukunft gem
 

"Am-Ball-Bleiben" Reading Digest Newsletter von André Cramer

13. Oktober · Ausgabe #2 · Im Browser ansehen
Mehr Menschen sollen mehr über unsere gesellschaftlichen Debatten und (digitalen) Zukunftsoptionen wissen. Damit wir unsere Zukunft gemeinsam und informiert gestalten können. Das ist mein WHY - das, was mich jeden Tag antreibt. In diesem Newsletter findet ihr eine (meistens) wöchentliche Auswahl meiner Lieblingsartikel aus den Bereichen Technologie & Innovation und Gesellschaft & Politik. Und vor allem auch von dort, wo sich beide Themen berühren. Ich versuche die Artikel einzuordnen, mit weiteren Infos & Links anzureichern und teile meine Meinung dazu. Mein Leitsatz hierbei: Immer danach Ausschau halten, wo die Debatte über Technologie geführt wird, sie aber besser über Gesellschaft und Menschen und über ihr Wohl geführt werden sollte. Und dann in diese Richtung lenken.

Mehr Menschen sollen mehr über unsere digitalen Zukunftsoptionen wissen. Damit wir unsere Zukunft gemeinsam und informiert gestalten können. Das ist mein “WHY” - was mich jeden Tag antreibt. Mein “Am-Ball-Bleiben” Newsletter gibt regelmäßige Einblicke in das was ich lese zu den Themen Technologie & Gesellschaft und was mir wichtig ist an der Stelle, wo sich beide Themen berühren.
Diese Woche: viel, viel China Themen und Insights - was ist eigentlich TikTok? - Überwachung / Gesichtserkennung - Big Tech und wie begegnen wir der zunehmenden Machtkonzentration? - Journalismus im digitalen Zeitalter - Populismus, Klimawandel und Veränderung - Roboterhunde - und vieles mehr
Der Newsletter wurde Dir weitergeleitet? Dann jederzeit anmelden.

Abteilung "Technologie & Innovation"
SINGULARITYHUB.COM
Moores Law kommt langsam an seine Grenzen - diese Erkenntnis ist nicht neu. Wir bewegen uns mittlerweile auf wenigen Nanometern Größe auf denen integrierte Schaltungen umgesetzt werden. Wie klein soll (und kann) es noch werden? Guter Artikel, der hier ein wenig tiefer bohrt, warum genau wir hier nun kreativ werden müssen.
But according to [a study], the ability to further scale traditional computation is dying in three different aspects: energy, size, and complexity. […] Energy scaling helps ensure a practically constant computational power budget […]. But it came to an end around 2005 because of hard limits in the silicon chip’s thermodynamic properties — something scientists dub the Boltzmann tyranny (gotta love these names!). Size scaling, which packs more transistors onto the same chip area, soon followed suit, ending in 2017 because quantum mechanics imposes limitations at the materials level of traditional chips.
Aber es gibt auch interessante Vorschläge für neue Ansätze. Neben Quantum Computing, gibt es hier den Ansatz eines “analogen” Chips, dessen Konzept mir jetzt schon mehrfach über den Weg gelaufen ist. Abgefahren…
This week, a team from Pennsylvania State University designed a 2D device that operates like neurons. Rather than processing yes or no, the “Gaussian synapse” thrives on probabilities. Similar to the brain, the analogue chip is far more energy-efficient and produces less heat than current silicon chips, making it an ideal candidate for scaling up systems.
TECHCRUNCH.COM
Die geleakten Mitschnitte von Zuckerbergs interner Rede in der letzten Woche geben ein paar sehr interessante Aufschlüsse in seine Gedankenwelt. Wie stellt sich Zuck, wie stellt sich Facebook auf, vor allem in Bezug auf neue Herauforderungen im Markt, oder auf neue Wettbewerber. Und natürlich, wie er gegen Anti-Trust Klagen und Versuche, Facebook aufzuspalten, ‘go to the mat’ gehen will.
Ist generell interessant, sich das mal anzuschauen. Ich wollte aber vor allem diese Passage hier aus der zugehörigen Berichterstattung von Techcrunch teilen. Denn hier ist eine sehr treffende Beschreibung und Einordnung von TikTok enthalten, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Und mitreden können bei TikTok ist glaube ich nötig.
TikTok isn’t about you or what you’re doing. It’s about entertaining your audience. It’s not spontaneous chronicling of your real life. It’s about inventing characters, dressing up as someone else, and acting out jokes. It’s not about privacy and friends, but strutting on the world stage. And it’s not about originality — the heart of Instagram. TikTok is about remixing culture — taking the audio from someone else’s clip and reimagining the gag in a new context by layering it atop a video you record.
Im Westen früher bekannt als Musical.ly, war TikTok 2018 die viertbeliebteste App weltweit. Besonders beliebt bei den unter 24-Jährigen, konkurriert es nun mit Instagram, Snapchat und YouTube in Bezug auf Reichweite. Im Juni 2018 wurde die Schwelle von 500 Millionen globalen monatlich aktiven Nutzer überschritten.
Der Dienst überschwemmt also gerade die Kinderzimmer der westlichen Welt und ist hierbei ein Novum in sich. Denn es ist der erste Dienst, der nicht seinen Ursprung in der westlichen Welt hat, sondern in China, mit allen negativen Konsequenzen: er unterliegt der chinesischen Zensur. Meine Sicht darauf?
André Cramer 🇪🇺
Müssen wohl darauf vorbereitet sein, dass auf "Wieso Angst um meine Daten, habe doch nichts zu verbergen" bald "Was ist schon schlimm dran, wenn autokratisch bestimmte Regeln mein Internet-Erlebnis beeinflussen? Die Videos sind doch sooo witzig!" folgt.
https://t.co/YZHP4WQWpO
Bei aller Faszination, welche ich für Chinas Innovationskraft und den bespiellosen Aufstieg in den letzten 30 Jahren habe: Ich merke bei Themen wie diesen, dass ich eindeutig ein Kind des Westens bin. Ich glaube an die unveräußerlichen Rechte des Individuums, an die Meinungsfreiheit und an die Demokratie (auch wenn diese in einigen westlichen Ländern gerade ein beschämendes Bild abgibt). Mehr hierzu gibt es weiter unten.
MEDIUM.COM/@TOPJOHNWU
Ganz offensichtlich passieren sehr fragwürdige Dinge im Huawei Universum rund um Workarounds, wie man Nutzern doch noch einfachen (nachträglichen) Zugang zu Google Diensten ermöglichen kann (weil: US-/Trump-Embargo gegen Huawei). Wir erinnern uns: nach Monaten von Drohungen wurde kürzlich tatsächlich das Mate 30 vorgestellt, welches das erste Smartphone aus dem Hause Huawei ist, das von Google Diensten ausgeschlossen ist.
Schon kurz nach der Vorstellung geisterte in den Sozialen Medien eine URL rum, die zu einer “1-Click” Lösung zur Installation der Google Play Store Services führt - genannt LZPlay. Trotz aller Widrig­keiten ließen sich damit sehr einfach die Google-Dienste instal­lieren. Jetzt fragt man sich, wie es nur möglich sein kann, dass man auf neuen Huawei Geräten irgendeine 3rd Party App installieren kann und damit tatsächlich ganz unkompliziert Zugang zu den Google Play Services bekommt? Hier wird anscheinend Schindluder mit Zertifikaten betrieben:
The currently widespread method to install Google Services on newly released Huawei devices relies on undocumented Huawei specific MDM APIs. Although this “backdoor” requires user interaction to be enabled, the installer app, which is signed with a special certificate from Huawei, was granted privileges nowhere to be found on standard Android systems.
Ob und in welchem Maße Huawei selber hier wohl die Finger drin hatte? Schließlich kann es nur in Huaweis Interesse sein, solche Geräte nachträglich für westliche Nutzer attraktiv zu machen. Wir dürfen gespannt sein. LZPlay ist erstmal offline, aber das wird sicherlich nicht das letzte Worte gewesen sein.
BUSINESSINSIDER.DE
Hattet ihr damals Teslas Ankündigung zum “Smart Summon” Feature verfolgt? Jetzt ist es da. Ich will mich hier gar nicht ausschweifend dazu auslassen (obwohl es natürlich den technikbegeisterten Menschen in mir massiv triggert). Denn mein Anliegen zielt auf was anderes ab. Und zwar: “Was machen Menschen mit Technik?”, “Wie verantwortungsvoll gehen Menschen mit neuer Technik um?”. Hier ist das Feature in Action - ist dann relativ selbsterklärend:
Jayviator
@Tesla Ohhh! Yesssssss!! Smart summon, incredible! I still can’t believe eyes. Since the days of @DavidHasselhoff Knight Rider, this has always been a dream. https://t.co/5KWXtd121J
Smart Summon was rolled out as part of a software update last week, and allows Tesla owners to use the Tesla app to summon their cars from 200 feet away.
While some videos show owners using the feature enthusiastically, other videos and testimonies on social media show the cars getting into scrapes, such as near-accidents and driving into foliage.
Tesla has said the feature should only be used in private driveways and parking areas for now.
Ich frage mich, wie reif wir als Gesellschaft eigentlich für sowas sind? Digitale Mündigkeit? Nun ja… da dürfen gehörige Zweifel aufkommen, wenn man sich manche der genannten Videos und Szenen mal anguckt.
ONEZERO.MEDIUM.COM
Ein bitterer Einblick in das Leben von amerikanischen Truckern. Es klingt, als ob es sich hier um Versuchskaninchen handelt, ohne Rechte, und zeigt auf, was für Blüten ungebremster und in meinen Augen skrupelloser Einsatz von Technologie für Menschen treibt. Alles natürlich möglich, in einem Umfeld, wo so gut wie keine Arbeitnehmerrechte gelten.
Devices now track every aspect of a trucker’s job, including their current location, where they’re going, how fast they’re driving, and when they take a break and how long it lasts. Mostly for insurance purposes in the event of an accident, trucks often come equipped with cameras trained on both the driver and the road. They also have a variety of radar, lidar, and ultrasound sensors, as well as accelerometers and gyroscopes. The data feeds into an onboard computer, similar to self-driving vehicles. One firm has even developed a steering wheel with built-in heart monitors to monitor fatigue.
Sollte uns ein warnendes Beispiel sein, wo wir lieber nicht hinwollen.
Abteilung "Technologie & Gesellschaft"
NYT.COM
Ein paar wichtige Gedanken zum Thema Machtkonzentration in Big Tech. Die Arbeit an und Entwicklung von KI Algorithmen scheint einer Polarisierung zu unterliegen, die Unternehmen in Superstars und Habenichtse unterteilt - vor allem getrieben durch die unfassbaren Rechenkapazitäten, die nötig sind. Und natürlich die ‘deep pockets’ die man haben muss, um diese finanzieren und bauen zu können.
The danger, they say, is that pioneering artificial intelligence research will be a field of haves and have-nots. And the haves will be mainly a few big tech companies like Google, Microsoft, Amazon and Facebook, which each spend billions a year building out their data centers.
Unis haben wohl auch das Nachsehen:
The huge computing resources these companies have pose a threat — the universities cannot compete […]
[…] the volume of calculations needed to be a leader in A.I. tasks like language understanding, game playing and common-sense reasoning has soared an estimated 300,000 times in the last six years.
Ach so, und wieviel Energie wird so verbraucht beim Entwickeln und Ausreizen neuer Machine Learning Algorithmen?
Academics are also raising concerns about the power consumed by advanced A.I. software. Training a large, deep-learning model can generate the same carbon footprint as the lifetime of five American cars, including gas […]
STRATEGIC-CULTURE.ORG
Ein interessanter Vergleich: lassen sich Übereinstimmungen, bzw. Muster erkennen, wenn wir auf einer Karte geopolitische Machtblöcke und deren Einflussbereiche mit den Ausprägrungen der dominanten digitalen Dienste und ihrer weltweiten Verteilung vergleichen?
Although there should in theory be no correlation between military power and search engines/top sites we can see that the same tendencies of the Hard Power map ring true in the digital world. It is hard not to niced immediately that on all the maps almost all the globe is covered by “NATO” digital presence (Google, Facebook, Youtube) with Russia and China as two glaring massive blips on the radar that use their own homegrown services far more.
Was bedeutet das? Wir sollten (noch) mehr Aufmerksamkeit darauf legen, wie sich unsere Welt - und ihre Machtverhältnisse - im digitalen verändern, bzw. gestalten (lassen):
This could mean that if geopolitical victories in the traditional sense are reflected by the digital landscape then it could possibly be true that victories on the digital landscape should begin to affect the real traditional geopolitical map of the world. Meaning that the digital front should get no less attention and funding than the hard power physical front.
MATTSTOLLER.SUBSTACK.COM
Ein guter Blick auf das WeWork Debakel. Aber auch weit darüber hinaus. Offensichtlich sind wir in einer Zeit angekommen, in der sich Venture Capitel vollkommen losgelöst hat von seriösem und gesellschaftlich-verantwortungsvollem Handeln. Ein nicht sehr schöner Einblick in ein „Playbook“, dessen Kernelemente Zugang zu viel Kapital und räuberische Preisgestaltung sind, und derzeit sowohl von Silicon Valley VCs als auch insbesondere SoftBank angewendet wird.
The goal of Son [Anm.: Masayoshi Son von Softbank], and increasingly most large financiers in private equity and venture capital, is to find big markets and then dump capital into one player in such a market who can underprice until he becomes the dominant remaining actor. In this manner, financiers can help kill all competition, with the idea of profiting later on via the surviving monopoly.
Recht harsch, aber doch wohl korrekt wiedergegeben, wie sich das dann bei WeWork in Kombination mit einem ganz besonderen Typus von “Führungspersönlichkeit” niedergeschlagen hat. Ja, warum spricht man es eigentlich nicht viel öfter mal aus, was da für Typen am Werk sind? Travis Kalanick lässt grüßen…
All of this, the faux philanthropy, the strange management choices, the personal behavior, and so forth indicates something very simple. I am going to be blunt, because it’s time to stop using euphemisms just because someone is rich and a business leader. Adam Neumann is not “quirky,” he is not “charismatic,” and he does not have “an unorthodox leadership style.” He is an untalented and abusive monster who lies to get what he wants. And he was given an unlimited credit line from which he could legally steal.
Abteilung "Gesellschaft, quo vadis?"
CNN.COM
Ja, ich weiß, viel China in meinen Timelines, in meinen Newslettern. Aber das ist glaube ich ganz einfach Ausdruck von zwei Entwicklungen. 1) Chinas Bedeutung in der Welt, als rasant aufstrebendes Technologieland, als geo-politische Macht, schreitet unaufhörlich voran. 2) Das chinesische Selbstbewusstsein steigt analog dazu an - zu sehen z.B. an der verstörenden Militärparade zum 70. Jahrestag der Staatsgründung, der agressiver werdenden Sprache, Drohungen, Handlungen, siehe z.B. #HongKongProtests und an immer selbstbewussterem Auftreten in Sachen Zensur und Hereinreden außerhalb Chinas. Und gerade hier kommen die Einschläge immer näher: Hollywood an der Kandarre, Filmfestivals scheuen China-kritische Filme, Blizzard sperrt in vorauseilendem Gehorsam Spieler, die sich positiv zu HK-Protests äußern, China zeigt keine NBA Pre-Season Spiele mehr, nach pro-Hong-Kong-Protest Tweet des Managers der Houston Rockets (der sich dann dem Druck beugte und devot entschuldigte). Diese Woche segnete Apple die App HKMap.live erst für den Appstore ab, und hat dann auf Druck der chinesischen Behörden einen Rückzieher gemacht. In der jüngeren Vergangenheit findet sich noch mehr: China zwingt American Airlines auch dazu, Taiwan als Teil Chinas zu behandeln, und Mercedes-Benz wurde dazu gedrängt, sich für das Zitieren des Dalai Lama zu entschuldigen. Es wurde Druck auf Marriott ausgeübt, einen Mitarbeiter zu entlassen, weil er einen Tweet von einer Organisation, die die tibetische Unabhängigkeit fördert, “zu Unrecht mag”.
Sogar Winnie-the-Pooh ist in China mittlerweile verboten und Inhalte geblockt, weil im Internet diskutiert wurde, dass er Xi Jinping ähnelt.
Aber da machen die South Park Macher nicht mit. Die hatten sich zur 300. Folge nämlich genau das Thema “Hollywood buckelt vor China Einfluss” vorgenommen. Daraufhin ist so ziemlich alles zum Thema South Park aus chinesischen Streaming-Portalen entfernt worden, sogar Fan-Sites sind offline gegangen. Die Reaktion der South Park Macher? Kudos hierfür:
Wer denkt, dass das alles nicht so wild ist, sollte sich mal diesen aktuellen Artikel der New York Times anschauen: China Masters Political Propaganda for the Instagram Age. Hier geht es um die andere Seite. Zensur, und wie sie uns immer näher zu Leibe rückt, haben wir an den oben genannten Beispielen gesehen. Aber die andere Seite hat es auch in sich: Beeinflussung und Propaganda in chinesischen Sozialen Netzwerken, um unbedarfte, junge Nutzer zu erreichen und zu manipulieren. 👇
The Communist Party indeed doesn’t hesitate to use state power to tell the Chinese people how they should think. But the displays of patriotism, especially from young people, also show that the party’s propaganda machine has mastered the power of symbol and symbolism in the mass media and social media era…While imposing tight censorship, the Communist Party has also learned to lean on the most popular artists and the most experienced internet companies to help it instill Chinese with patriotic zeal. It’s propaganda for the Instagram age, if Instagram were allowed in China.
Und so wird die ganze Tragweite des Dilemmas klar: China widersetzt sich nicht nur westlichen Idealen von Freiheit und freier Meinungsäußerung (und wir haben uns das mal anders vorgestellt), sondern versucht auch, die eigenen durchzusetzen, und zwar vermehrt auch außerhalb Chinas.
Ich bin immer mehr davon überzeugt, das jedes Unternehmen, das sich mit China beschäftigt, über kurz oder lang den Punkt erreichen wird, wo es sich fragen muss: Was zählt mehr, Geld oder Werte?
PROMARKET.ORG
Hier wird sehr schön dargelegt, mit welchen Arten von “Kapitalismus” wir es heute zu tun haben. Es gibt nicht den einen “Kapitalismus”:
Capitalism’s mastery of the world has been achieved, however, with two different types of capitalism: the liberal meritocratic capitalism that has developed incrementally in the West over the past two hundred years, and the state-led political, or authoritarian, capitalism that is exemplified by China but also exists in other parts of Asia (Singapore, Vietnam, Burma) and parts of Europe and Africa (Russia and the Caucasian countries, Central Asia, Ethiopia, Algeria, Rwanda).
Blick in die Zukunft. Wer gewinnt?
[…] we are presented with two models of capitalism that differ not only in the political but also economic and, to a much lesser degree, social spheres. And it is, I think, rather unlikely that whatever happens in the competition between liberal and political capitalisms, one system will come to rule the entire globe.
Nun ja. Ich persönlich glaube, dass sich die westliche Variante des Kapitalismus, und eng daran geknüpft, unsere Demokratie, sehr “warm anziehen” muss in der Zukunft. Liefern Systeme wie in China genügend Wohlstand und Erfolgsgeschichten ab, bekommen wir im Westen zunehmend Legitimationsprobleme. Es wäre eine Schande, wenn wir nicht in der Lage wären, unsere liberale Demokratie mitsamt seinem Wirtschaftssystem zu erneuern, und mit humanistischen Werten im MIttelpunkt aufzeigen, dass dies den größtmöglichen Level, bzw. besser, Balance an Wohlstand und Zufriedenheit sicherstellt.
PROJECT-SYNDICATE.ORG
Ein wirklich guter Beitrag von der von mir sehr verehrten Wirtschaftswissenschaftlerin Mariana Mazzucato (für mich die perfekte und stimmige wirtschaftswissenschaftliche Ergänzung zu Shoshana Zuboff, Amy Webb, etc.), mit konkreten Vorschlägen, wie wir die digitale Wirtschaft reformieren müssen, um sicherzustellen, dass sie endlich wesentlich kollektiveren Zwecken dient. Für sie ist es die entscheidende wirtschaftliche Herausforderung unserer Zeit. Ich teile das uneingeschränkt.
Denn wir haben in der Digitalwirtschaft viele Probleme. Beispielhaft:
[…] both companies [Anm.: Amazon u. Google] use their dominant positions to stifle competition, by controlling which products users see and favoring their own brands (many of which have seemingly independent names). Meanwhile, companies that do not advertise on these platforms find themselves at a severe disadvantage. 
Dringend nötige Veränderungen fangen schon da an, wie man die Tech Firmen nennt - um mal klarzustellen, wer den Erfolg überhaupt erst möglich gemacht hat:
[…] we need to develop a new governance structure, which starts with creating a new vocabulary. For example, calling platform companies “tech giants” implies they have invested in the technologies from which they are profiting, when it was really taxpayers who funded the key underlying technologies – from the Internet to GPS.
Hilft Aufspaltung der großen Tech Unternehmen?
There is no reason to assume that many smaller Googles or Facebooks would operate differently or develop new, less exploitative algorithms.
Die Profite und Benefits sollten uns allen zugute kommen:
[…] we will need to rethink the governance of data, develop new institutions, and, given the dynamics of the platform economy, experiment with alternative forms of ownership. […] the data that one generates when using Google Maps or Citymapper – or any other platform that relies on taxpayer-funded technologies – should be used to improve public transportation and other services, rather than simply becoming private profits.
Bitte lesen! Viele kluge und gute Gedanken und Vorschläge. Dieses Thema geht uns alle an.
THERSA.ORG
Ein Muss, sich dies hier genau durchzulesen. Basierend auf zwei neuen Forschungsarbeiten argumentiert Matthew Taylor, dass das Bedürfnis nicht weniger Menschen nach Chaos größer ist als ihr Bedürfnis nach Wahrheit. Seine Ableitung (und ich könnte das gar nicht deutlicher befürworten): dies muss Auswirkungen darauf haben, wie wir dem Populismus begegnen.
A substantial minority of individuals are so discontent that they are willing to mobilize against the current political order to see if what emerges from the resulting chaos has something better in stock for them.
[…] They will share hostile fake material both for and against their ‘side’, not simply for the devilment but because they see it as making collapse and chaos more likely. Social media has provided a huge proselytising opportunity to those with destructive intentions.
Beängstigend! Und deshalb müssen wir als Gesellschaft dringend bessere Lösungen finden für die Probleme, die entstehen, wenn “jeder zum Autor/Produzenten/Sender werden kann”.
IRISHTIMES.COM
Die Irish Times widmet sich dem Thema, wieso Greta Thunberg so unfassbar starke Reaktionen, oder besser gesagt, blanken Hass, in manchen, bestimmten Menschen hervorruft. Lesenswert und scharf analysiert.
How can a 16-year-old girl in plaits, dedicated to trying to save the planet, inspire such incandescent rage?
“The reason they taunt her with childish insults is because that’s all they’ve got. They’re out of ideas. They can’t dismantle her arguments, because she has science – and David Attenborough – on her side.”
Schön gesagt. Wenn schlüssige Gegenargumente nicht verfügbar sind, und auch Wissenschaft - weil deren Wahrheit auch zuwider ist - ausgeblendet wird, wird es persönlich.
Spiegel Online hat ebenfalls einen lesenswerten Artikel zum Thema. Und der Autor drückt den Kern dessen, was gerade vor sich geht, gut aus. Wenn die Faktenlage so blöd und unbequem ist, und manchen gar nicht in den Kram passt, dann passiert folgendes:
Versuch der kognitiven Dissonanzreduktion durch Abwertung der Informationsquelle
Wir erleben es tagtäglich, meistens aus der Quelle “weißer, alter Mann”. 😣
NYT.COM
Ein sehr lesenswertes op-ed aus der New York Times zum Thema Journalismus und Herausforderungen / Bedrohungen in unseren post-faktischen Zeiten. Wir dürfen das nicht hinnehmen, denn alles was zählt, sind Fakten und die Wahrheit. Auch wenn es weh tut, und vielleicht nicht immer mit der eigenen politischen Präferenz übereinstimmt. Es darf keine Doppel-Standards geben. Scheint manchen “Journalisten” einfach sehr schwer zu fallen, sich daran zu halten. Hier, schön gesagt:
This means, in the face of mounting pressure, news organizations must hold fast to the values of great journalism — fairness, accuracy, independence — while opening ourselves so the public can better understand our work and its role in society. We need to keep chasing the stories that matter, regardless of whether they’re trending on Twitter. We cannot allow ourselves to be baited or applauded into becoming anyone’s opposition or cheerleader. Our loyalty must be to facts, not to any party or any leader, and we must continue to follow the truth wherever it leads, without fear or favor.
INDISKRETION-EHRENSACHE.DE
Und direkt anknüpfend an oben - ein schönes Beispiel im Vergleich UK zu Deutschland. Thomas Knüwer, dessen Twitter Feed ich sehr empfehle, macht ausgerechnet am Reizthema Brexit / Boris Johnson aus, wie man es machen kann und sollte (Beispiel Guardian), und wie man es besser nicht machen sollte (Beispiel Spiegel).
Das deutsche Medium donnernd und selbstbezogen, das britische Medium trotz aller Nähe zur Gegenseite nachrichtlich und sich als Informant seiner Leser begreifend – diese Beobachtung ist für den heutigen Tag anekdotisch und doch meine ich dies dauerhaft beobachten zu können. Welcher Leser mag welche Variante bevorzugen?
GIZMODO.COM
Während Horst Seehofer hierzulande gerade fordert, dass wir zügig biometrische Gesichtserkennung in „nahezu allen“ größeren Bahnhöfen einführen müssen, ist Kalifornien (und zwei weitere US Staaten) hier schon weiter. Meiner Meinung nach genau in die richtige Richtung.
California will block police officers from including facial recognition technology in their body cameras, joining two other states that have created similar laws—Oregon and New Hampshire.
Matt Cagle
BREAKING: California's governor just signed a landmark bill preventing facial recognition & other biometric surveillance on police body cameras. This is a huge victory for civil rights! #AB1215
RFA.ORG
Wie gefällt Euch die Vorstellung, dass man von öffentlicher Stelle - einfach so - darum gebeten wird, Blutproben abzugeben, damit die eigene DNA erfasst wird? Nicht so sehr? Dann besser nicht nach China, genauer gesagt, nach Guangxi ziehen. Da wird das vorsorglich gebraucht für die Polizeiarbeit und “Population Management”. 😱
Police stations in Guangxi’s tourist destination of Guilin have written to local residents calling on them to undergo blood tests and DNA sampling between Sept. 20 and Dec. 31 […]
The request was being made to “complete minimum data requirements for policing” and to “improve population management and control […]
Bin über diesen Tweet hier gestolpert und auf diesen beunruhigenden ca. 5minütigen Video Doku-Clip aus dem Wall Street Journal gestoßen.
Ernsthaft jetzt? Bei aller “China wird uns alle irgendwann fertigmachen” Schwarzmalerei, glaube ich, wenn ich sowas sehe, eher, dass sie sich irgendwann selber fertigmachen. Wahnsinn… 1984 in Real-Life. 😱
The Wall Street Journal
Some classrooms in China are equipped with AI cameras and brain-wave trackers. While many parents and teachers see them as tools to improve grades, they’ve become some children’s worst nightmare. #WSJWhatsNow https://t.co/q1wyQcWdZw
Zum Schluss
Einblicke in einige spannende Metriken und KPI-Modelle im Journalismus gefällig? Toller Artikel, der verständlich Movers & Shakers im Publishing Business darlegt. Hint: viele Journalisten haben wohl keine Ahnung, welchen Impact ihre konkrete Arbeit auf das Geschäft ihres Arbeitgebers hat - und es ist unfassbar, wieviel wertvoller die Konzentration auf “Paid Digital Subscribers” ist, als irgendwelchen “Page Impressions” (für Werbeeinnahmen) hinterherzulaufen. www.niemanlab.com
Laut einer Studie des Oxford Internet Institute wurden bisher mehr als siebzig Länder Ziel von Desinformationskampagnen. Erschreckend, wenn man bedenkt, dass wir uns wohl noch in der frühen Phase befinden. www.nytimes.com
Ein von Google beauftragtes Unternehmen hat farbige US-Amerikaner mit $5 Amazon Geschenkgutscheinen entlohnt. Wofür? Im Austausch dafür, dass sie ein “Selfie Game” spielten, welches aber einzig dazu gedacht war, Bilder ihrer Gesichter zu erfassen für einen besseren Datensatz für die Google Facial Recognition. www.fortune.com
KI mit dem Browser ausprobieren: Das beeindruckende Potenzial von Machine Learning lässt sich doch immer noch am besten erahnen, wenn man es “anfassen” kann. Heise hat in diesem Artikel tolle Beispiele zusammengeführt, die sich direkt im Brower ausprobieren lassen. www.heise.de
Ein kleiner Einblick in ein wahrhaft abgefahrenes Feld: wie können wir Technologie nutzen, um unseren engsten Haustieren, den Hunden, das “Sprechen” beizubringen. Klingt verrückt, da stecken aber ein paar sehr nützliche Anwendungsfälle dahinter. ‘The Tech Helping Dogs Learn to 'Talk’ With Humans’. www.wired.com
Hier ist der “dicke Pitter” (Kölner wissen, wovon ich rede) der Windenergie. GE Renewable Energy hat das Turbinenhaus des neuen 12 Megawatt Haliade-X Offshore Windrads vorgestellt. Rotorblätte, die länger sind als die Freiheitsstatue hoch… www.cleantechnica.com
Eine faszinierende NASA-Animation zeigt, wie ein nahegelegenes Schwarzes Loch die Raumzeit wie einem Spaßspiegel verzerren würde. www.businessinsider.de
Ihr kennt sicher die Boston Dynamics Videos der letzten Jahre. Vierbeiniger Roboter läuft rum. Kann immer mehr. Zweibeiniger Roboter läuft rum. Kann immer mehr. Menschen traktieren zweibeinige Roboter mit Hockey Schlägern, um bei der “Arbeit” zu stören (Roboter lässt sich nicht aus der Ruhe bringen). Nach über 25 Jahren (! - ja, das Unternehmen gibt es seit 1992) ist es nun soweit. Abstrakte/schräge Videos werden abgelöst durch Hochglanzmaterial für den offiziellen Marktstart des vierbeinigen “Spot” Roboters. Ich kann irgendwie nicht aufhören das zu gucken. Und frage mich, ob ich begeistert oder verängstigt sein sollte. 🤔
Spot Launch
Social Links
Um zu verhindern, dass der Newsletter aus Versehen im Spamordner landet, könnt ihr diese Mail mit dem Stern, der die Nachricht als wichtig kennzeichnet, innerhalb eures Mailprogramms markieren und/oder die Adresse theandrecramer@getrevue.co zu euren Kontakten hinzufügen.
Hat Dir diese Ausgabe gefallen?
Wenn Du keine weiteren Ausgaben mehr erhalten möchtest, kannst Du den Newsletter hier abbestellen.
Wenn Dir dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Dir gefällt, kannst Du ihn hier abonnieren.
Powered by Revue
André Cramer 50733 Köln